Frei­stel­lung von einer Ver­bind­lich­keit

Zum Wesen einer auf gesetz­li­cher oder ver­trag­li­cher Grund­la­ge bestehen­den Frei­stel­lungs­pflicht gehört nicht nur die Befrie­di­gung begrün­de­ter Ansprü­che, son­dern auch die Pflicht zur Abwehr unbe­grün­de­ter Ansprü­che 1. Der Frei­zu­stel­len­de soll nach dem Sinn der Frei­stel­lung der Gefahr ent­ho­ben sein, ent­we­der eine unbe­grün­de­te For­de­rung zu erfül­len oder sich wegen einer begrün­de­ten For­de­rung mit einer Kla­ge über­zie­hen zu las­sen 2.

Frei­stel­lung von einer Ver­bind­lich­keit

Besteht der zu erset­zen­de Scha­den in der Belas­tung mit einer Ver­bind­lich­keit, setzt der auf Frei­stel­lung gerich­te­te Anspruch vor­aus, dass der Frei­zu­stel­len­de tat­säch­lich mit die­ser Ver­bind­lich­keit belas­tet ist, mit­hin die Ver­bind­lich­keit erfül­len muss 3.

Frei­stel­lung bedeu­tet eine Hand­lung, durch die der in Anspruch Genom­me­ne eine Schuld des Antrag­stel­lers zum Erlö­schen bringt. Dem­entspre­chend muss eine Ver­ur­tei­lung zur Frei­stel­lung die For­de­rung so genau bezeich­nen, dass der Beklag­te not­falls im Wege der Zwangs­voll­stre­ckung, die sich nach § 887 ZPO rich­tet 4, zur Befrie­di­gung des Dritt­gläu­bi­gers ange­hal­ten wer­den kann 5. Ein Voll­stre­ckungs­ti­tel, der auf Frei­stel­lung von einer Ver­bind­lich­keit gerich­tet ist, weist nur dann die für die Zwangs­voll­stre­ckung erfor­der­li­che Bestimmt­heit auf, wenn die Höhe der Zah­lungs­ver­pflich­tung, von der frei­ge­stellt wer­den soll, ein­deu­tig aus dem Titel her­vor­geht 6. Inso­weit bestehen kei­ne Beson­der­hei­ten zu ande­ren Leis­tungs­ur­tei­len 7. Die Fra­ge, in wel­chem Umfang Frei­stel­lungs­an­sprü­che bestehen, kann nicht dem Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren über­las­sen wer­den 8.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 29. Novem­ber 2013 – LwZR 8/​12

  1. BGH, Urteil vom 15.12 2010 – VIII ZR 86/​09, NJW-RR 2011, 479 f. Rn. 12; Urteil vom 24.10.2002 – IX ZR 355/​00, BGHZ 152, 246, 255; Urteil vom 19.01.1983 IVa ZR 116/​81, NJW 1983, 1729, 1730; Urteil vom 24.06.1970 – VIII ZR 268/​67, NJW 1970, 1594, 1595[]
  2. BGH, Urteil vom 19.04.2002 – V ZR 3/​01, NJW 2002, 2382[]
  3. BGH, Urteil vom 16.11.2006 – I ZR 257/​03, NJW 2007, 1809, 1811 Rn.20; Urteil vom 30.11.1989 – IX ZR 249/​88, NJW 1990, 1366, 1367[]
  4. BGH, Urteil vom 19.06.1957 – IV ZR 214/​56, BGHZ 25, 1, 7[]
  5. BGH, Urteil vom 04.10.2000 – VIII ZR 109/​99, NJW 2001, 155, 156; Urteil vom 04.12 1980 IVa ZR 32/​80, BGHZ 79, 76, 77 f.[]
  6. OLGR Stutt­gart 2000, 21, 22; OLG Saar­brü­cken, Fam­RZ 1999, 110; vgl. Zöller/​Greger, ZPO, 29. Aufl., § 253 Rn. 13c[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 22.05.2012 – II ZR 14/​10, NJW 2013, 155, 158 Rn. 47; BGH, Urteil vom 25.01.2011 – II ZR 171/​09; BGH, Urteil vom 04.06.1996 – VI ZR 123/​95, NJW 1996, 2725, 2726[]
  8. Musielak/​Lackmann, ZPO, 10. Aufl., § 704 Rn. 8[]