"Frist! Heu­te noch an OLG Jena faxen"

Die Über­ga­be des vom Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten unter­schrie­be­nen Schrift­sat­zes an die Kanz­lei­an­ge­stell­te am Tag des Frist­ab­laufs mit der Bit­te, den Schrift­satz noch am sel­ben Tag aus­zu­fer­ti­gen und einem auf der Akte ange­hef­te­ten Zet­tel "Frist! Heu­te noch an OLG Jena faxen", macht aus­rei­chen­de Vor­keh­run­gen zur Aus­gangs- und Fris­ten­kon­trol­le am Tagesen­de nicht ent­behr­lich.

<span class="Frist! Heu­te noch an OLG Jena faxen"" title=""Frist! Heute noch an OLG Jena faxen"" srcset="" data-srcset="https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/district-court-2390918_1920-1.jpg 1920w, https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/district-court-2390918_1920-1-300x202.jpg 300w, https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/district-court-2390918_1920-1-768x516.jpg 768w, https://www.rechtslupe.de/wp-content/uploads/2019/01/district-court-2390918_1920-1-1024x689.jpg 1024w" sizes="(max-width: 880px) 100vw, 880px">

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs gehört es zu den Auf­ga­ben des Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten, dafür zu sor­gen, dass ein frist­ge­bun­de­ner Schrift­satz recht­zei­tig gefer­tigt wird und inner­halb der Frist bei dem zustän­di­gen Gericht ein­geht. Zu die­sem Zweck muss der Rechts­an­walt eine zuver­läs­si­ge Fris­ten­kon­trol­le orga­ni­sie­ren und ins­be­son­de­re einen Fris­ten­ka­len­der füh­ren. Die Fris­ten­kon­trol­le muss gewähr­leis­ten, dass die frist­ge­bun­de­ne Maß­nah­me recht­zei­tig ergrif­fen wird. Erst wenn dies gesche­hen ist, darf die frist­wah­ren­de Maß­nah­me im Kalen­der als erle­digt gekenn­zeich­net wer­den. Die Erle­di­gung frist­ge­bun­de­ner Sachen ist am Abend eines jeden Arbeits­ta­ges anhand des Fris­ten­ka­len­ders zu über­prü­fen 1. Es muss sicher­ge­stellt sein, dass die im Fris­ten­ka­len­der ver­merk­ten Fris­ten erst gestri­chen oder in ande­rer Wei­se als erle­digt gekenn­zeich­net wer­den, wenn die frist­ge­bun­de­ne Maß­nah­me durch­ge­führt, der frist­wah­ren­de Schrift­satz also recht­zei­tig vor Ablauf der Not­frist post­fer­tig gemacht und nöti­gen­falls vor­ab per Tele­fax über­mit­telt wor­den ist. Dabei muss der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te auch Vor­keh­run­gen tref­fen, die geeig­net sind, ver­se­hent­li­che Erle­di­gungs­ver­mer­ke im Fris­ten­ka­len­der zu ver­hin­dern 2.

Nach die­sen Maß­stä­ben hat der Beklag­te die Frist­ver­säu­mung nicht aus­rei­chend ent­schul­digt. Der Wie­der­ein­set­zungs­an­trag ent­hielt kei­ner­lei Anga­ben dar­über, wel­che orga­ni­sa­to­ri­schen Vor­keh­run­gen der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te zur Ein­hal­tung von Fris­ten und zur Aus­gangs­kon­trol­le getrof­fen hat­te, auch nicht dar­über, ob die kon­kre­te Frist in einem Kalen­der ein­ge­tra­gen und die Fris­ten­kon­trol­le an dem Tag durch­ge­führt wor­den war.

Aus­rei­chen­de all­ge­mei­ne Orga­ni­sa­ti­ons­an­wei­sun­gen waren auch nicht dadurch ent­behr­lich und für die Ent­schei­dung über den Wie­der­ein­set­zungs­an­trag uner­heb­lich gewor­den, dass der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te die Akte mit­samt dem unter­schrie­be­nen Schrift­satz sei­ner Kanz­lei­an­ge­stell­ten über­ge­ben und aus­drück­lich dar­auf hin­ge­wie­sen hat­te, dass der Schrift­satz noch am sel­ben Tag an das Ober­lan­des­ge­richt gefaxt wer­den müs­se. Denn die­ser Hin­weis wie­der­holt ledig­lich die Frist, die im Kalen­der ohne­hin ein­ge­tra­gen war oder hät­te ein­ge­tra­gen gewe­sen sein müs­sen. Sie macht aus­rei­chen­de Vor­keh­run­gen zur Aus­gangs- und Fris­ten­kon­trol­le am Tagesen­de nicht ent­behr­lich.

Zwar kann der Rechts­an­walt sei­nen Sorg­falts­pflich­ten unab­hän­gig von all­ge­mei­nen Orga­ni­sa­ti­ons­an­wei­sun­gen dadurch genü­gen, dass er sei­ner Kanz­lei­an­ge­stell­ten eine Ein­zel­an­wei­sung erteilt. Auch dann müs­sen aber aus­rei­chen­de Sicher­heits­vor­keh­run­gen dage­gen getrof­fen wer­den, dass die­se nicht in Ver­ges­sen­heit gerät und die zu tref­fen­de Maß­nah­me unter­bleibt 3.

Das ist im vor­lie­gen­den Fall nicht gesche­hen. Die Über­ga­be der Akte an die Kanz­lei­an­ge­stell­te mit dem Hin­weis, dass der Schrift­satz noch am sel­ben Tag an das Ober­lan­des­ge­richt gefaxt wer­den müs­se, bedeu­tet kei­ne Anwei­sung zur sofor­ti­gen Erle­di­gung vor allen ande­ren Arbei­ten, auf deren Befol­gung sich der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te unab­hän­gig von all­ge­mei­nen büro­or­ga­ni­sa­to­ri­schen Maß­nah­men einer wirk­sa­men Fris­ten- und Aus­gangs­kon­trol­le hät­te ver­las­sen dür­fen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 23. Janu­ar 2013 – XII ZB 559/​12

  1. BGH Beschluss vom 12.04.2011 – VI ZB 6/​10 NJW 2011, 2051 Rn. 7 mwN[]
  2. vgl. BGH Beschluss vom 10.07.1997 – IX ZB 57/​97 NJW 1997, 3177, 3178 mwN[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 07.03.2012 – XII ZB 277/​11 Fam­RZ 2012, 863 Rn. 11; und vom 25.03.2009 – XII ZB 150/​08 Fam­RZ 2009, 1132 mwN[]