Fristenkontrolle in der Anwaltskanzlei – und der Rechtsreferendar

Wird eine Anweisung nur mündlich erteilt und betrifft sie einen so wichtigen Vorgang wie die Anfertigung und Übermittlung eines fristwahrenden Schriftsatzes oder die Notierung einer Frist, müssen ausreichende Vorkehrungen dagegen getroffen werden, dass die Erledigung etwa im Drange der übrigen Geschäfte in Vergessenheit gerät. In einem solchen Fall bedeutet das Fehlen jeder Sicherung einen Organisationsmangel1.

Fristenkontrolle in der Anwaltskanzlei – und der Rechtsreferendar

Eine solche Sicherung gegen das Vergessen einer mündlich angeordneten Wiedervorlage kann aber bereits in einer den Anforderungen der Rechtsprechung genügenden Organisation des Fristenwesens in einer Kanzlei liegen.

Im vorliegenden Fall enthält der angefochtene Verwerfungsbeschluss keine Ausführungen dazu, weshalb nicht spätestens am Tag des Fristablaufs die – wohl – vergessene Wiedervorlage der Akte bemerkt worden ist. Sollte es sich hierbei um ein individuelles Versagen des Rechtsreferendars und nicht um einen Mangel in der – nach dem von der Rechtsbeschwerde in Bezug genommenen Vorbringen des Beklagten ordnungsgemäßen – Organisation der Ausgangskontrolle gehandelt haben, trifft den Beklagten an der Fristversäumung kein Verschulden2. Das Verschulden des Rechtsanwalts steht einer Wiedereinsetzung dann nicht entgegen, wenn im Rahmen der Büroorganisation durch eine allgemeine Arbeitsanweisung Vorsorge dafür getroffen wurde, dass bei normalem Verlauf der Dinge die Frist – trotz des Fehlers des Rechtsanwalts – mit Sicherheit gewahrt worden wäre3.

Die Übertragung der Fristenkontrolle auf einen im Führen des Fristenkalenders ausgebildeten und eingewiesenen Rechtsreferendar führt entgegen der Auffassung des Oberlandesgerichts München4 auch nicht zu einer Erhöhung der Überwachungspflicht des Rechtsanwalts. Das Gegenteil ist der Fall5.

Bundesgerichtshof, Beschluss vom 22. Oktober 2013 – II ZB 7/12

  1. BGH, Beschluss vom 05.11.2002 – VI ZR 399/01, NJW 2003, 435, 436; Beschluss vom 04.11.2003 – VI ZB 50/03, NJW 2004, 688, 689; Beschluss vom 22.06.2004 – VI ZB 10/04, NJW-RR 2004, 1361, 1362; Beschluss vom 26.01.2009 – II ZB 6/08, NJW 2009, 1083 Rn. 16; Beschluss vom 20.09.2011 – VI ZB 23/11, NJW-RR 2012, 428 Rn. 9; Beschluss vom 07.03.2012 – XII ZB 277/11, NJW-RR 2012, 743 Rn. 11; Beschluss vom 22.01.2013 – VIII ZB 46/12, NJW-RR 2013, 699 Rn. 14 f.; Beschluss vom 23.01.2013 – XII ZB 559/12, NJW-RR 2013, 572 Rn. 9; Beschluss vom 05.06.2013 – XII ZB 47/10, MDR 2013, 1061 Rn. 12[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 27.03.2001 – VI ZB 7/01, NJW-RR 2001, 1072; Beschluss vom 04.04.2007 – III ZB 85/06, NJW-RR 2007, 1430 Rn. 9; Beschluss vom 15.11.2007 – IX ZB 219/06, NJW 2008, 526 Rn. 13[]
  3. BGH, Beschluss vom 15.02.2006 – XII ZB 215/05, NJW 2006, 1205 Rn. 9 mwN[]
  4. OLG München, Beschluss vom 12.03.2012 – 27 U 669/12[]
  5. BGH, Beschluss vom 20.12.2005 – VI ZB 13/05, NJW 2006, 1070 Rn. 5 f. mwN[]