Frist­fa­xe – und die rich­ti­ge Fax­num­mer

Der Anwalt hat in geeig­ne­ter Wei­se orga­ni­sa­to­risch sicher­zu­stel­len, dass die den offi­zi­el­len Sei­ten der Gerich­te im Inter­net ent­nom­me­nen Fax­num­mern ver­schie­de­ner Gerich­te dem rich­ti­gen Vor­gang zuge­ord­net und Rechts­mit­tel­be­grün­dun­gen an die rich­ti­gen Gerich­te über­mit­telt wer­den.

Frist­fa­xe – und die rich­ti­ge Fax­num­mer

Es spricht nichts dage­gen, die Fax­num­mer eines Gerichts aus einer als zuver­läs­sig erschei­nen­den Quel­le, wie etwa der offi­zi­el­len Inter­net­sei­te des Gerichts, zu ermit­teln. Stellt die ver­ant­wort­li­che Stel­le der Jus­tiz eine fal­sche Fax­num­mer ins Netz, kann eine dar­auf beru­hen­de Frist­ver­säu­mung unver­schul­det sein.

Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall lag der Sach­ver­halt jedoch etwas kru­der: Die Klä­ge­rin hat die Frist ver­säumt, weil auf­grund des Auf­rufs der Inter­net­sei­ten meh­re­rer Gerich­te wäh­rend einer Recher­che der Ehe­mann der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Klä­ge­rin irr­tüm­lich die Tele­fax­num­mer eines ande­ren Gerichts als des Beru­fungs­ge­richts zur Über­mitt­lung der Beru­fungs­be­grün­dungs­schrift aus­ge­wählt hat.

Hier warf die Frist­ver­säu­mung also nicht die Fra­ge nach der Zuver­läs­sig­keit amt­lich ver­an­lass­ter Inter­net­sei­ten auf, son­dern die Fra­ge, wie die Ver­wechs­lung der Inter­net­sei­ten meh­re­rer Gerich­te durch eine anwalt­li­che Büro­or­ga­ni­sa­ti­on ver­hin­dert wer­den kann.

Der Rechts­an­walt darf Tätig­kei­ten im Zusam­men­hang mit dem Fax­ver­sand frist­ge­bun­de­ner Schrift­sät­ze grund­sätz­lich dem geschul­ten und zuver­läs­si­gen Kanz­lei­per­so­nal eigen­ver­ant­wort­lich über­las­sen. Dies ent­spricht auch stän­di­ger höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung [1].

Ob in die­sem Zusam­men­hang der Auf­fas­sung zu fol­gen ist, bereits die Unter­zeich­nung der Beru­fungs­be­grün­dung durch die Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te, ohne dass der Schrift­satz bereits Name und Adres­se des zustän­di­gen Rechts­mit­tel­ge­richts nebst not­wen­di­ger Anga­be der Tele­fax­num­mer ent­hielt, stel­le ein schuld­haf­tes Ver­hal­ten der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Klä­ge­rin dar, kann dahin­ste­hen, da nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs jeden­fall eine unzu­rei­chen­de Büro­or­ga­ni­sa­ti­on vor­lag. Offen blei­ben kann damit für den Bun­des­ge­richts­hof im vor­lie­gen­den Fall fer­ner, ob die Kon­trol­le der gewähl­ten Fax­num­mer stets anhand der Hand­ak­te zu erfol­gen hat.

Ent­schei­dend für die Beja­hung eines Orga­ni­sa­ti­ons­ver­schul­dens ist für den Bun­des­ge­richts­hof im vor­lie­gen­den Fall Fol­gen­des:

Die von der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Klä­ge­rin vor­ge­tra­ge­ne Büro­or­ga­ni­sa­ti­on trifft kei­ne Vor­sor­ge gegen die auf der Hand lie­gen­de Gefahr, dass bei par­al­le­len Inter­net­re­cher­chen die auf den ver­schie­de­nen Web­sei­ten vor­han­de­nen Daten den fal­schen Akten­vor­gän­gen zuge­ord­net wer­den und die­se Zuord­nung in der Fol­ge nicht mehr bemerkt wird. Da sich bei einem sol­chen Ver­fah­ren Irr­tü­mer nicht ver­mei­den las­sen, etwa weil die zu einem bestimm­ten Vor­gang geöff­ne­ten Sei­ten unge­wollt wäh­rend der Fol­ge­re­cher­che noch geöff­net sind, ist bei der Über­nah­me von Daten aus dem Inter­net eine sorg­fäl­ti­ge Über­prü­fung erfor­der­lich, ob eine zutref­fen­de Über­nah­me der Daten zum rich­ti­gen Vor­gang erfolgt ist. Das Büro­per­so­nal muss ohne­hin stets ange­wie­sen wer­den, die ange­ge­be­ne Fax­num­mer noch ein­mal auf ihre Zuord­nung zu dem vom Rechts­an­walt bezeich­ne­ten Emp­fangs­ge­richt zu über­prü­fen [2]. Dem ent­spre­chend hat der Anwalt in geeig­ne­ter Wei­se orga­ni­sa­to­risch sicher­zu­stel­len, dass die der zuver­läs­si­gen Quel­le ent­nom­me­ne Fax­num­mer des Gerichts auch im Fall von Inter­net­re­cher­chen dem rich­ti­gen Vor­gang zuge­ord­net und der Schrift­satz an den rich­ti­gen Emp­fän­ger über­mit­telt wird.

Da eine der­ar­ti­ge Anwei­sung hier nicht bestand, war die Orga­ni­sa­ti­on des Anwalts­bü­ros der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Klä­ge­rin im Hin­blick auf die vor­lie­gen­de Fall­ge­stal­tung unzu­rei­chend. Das Beru­fungs­ge­richt hat des­halb ein der Klä­ge­rin gemäß § 85 Abs. 2 ZPO zuzu­rech­nen­des Ver­schul­den der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten mit Recht bejaht, so dass die begehr­te Wie­der­ein­set­zung ver­wei­gert wer­den muss­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. April 2012 – VI ZB 50/​11

  1. etwa BGH, Beschlüs­se vom 04.04.2007 – III ZB 109/​06, VersR 2008, 511 Rn. 7; vom 25.02.2010 – I ZB 66/​09, juris Rn. 12; vom 12.05.2010 – IV ZB 18/​08, NJW 2010, 2811 Rn. 9; vom 26.05.2011 – III ZB 80/​10, juris Rn. 8; vom 14.10.2010 – IX ZB 34/​10, NJW 2011, 312 Rn. 6[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 14.10.2010 – IX ZB 34/​10, aaO Rn. 10 mwN[]