Frist­wah­rung fürs Pro­zess­kos­ten­hil­fe­ge­such bei Fei­er­ta­gen

Durch einen all­ge­mei­nen Fei­er­tag wird Frist zur Rechts­mit­tel­ein­le­gung nur dann hin­aus­ge­scho­ben, wenn der betref­fen­de Tag an dem Ort, wo das Rechts­mit­tel ein­zu­le­gen ist, gesetz­li­cher Fei­er­tag ist. Für die Frist­wah­rung eines Pro­zess­kos­ten­hil­fe­ge­suchs gilt Ent­spre­chen­des.

Frist­wah­rung fürs Pro­zess­kos­ten­hil­fe­ge­such bei Fei­er­ta­gen

Mit die­ser Ent­schei­dung hat der Bun­des­ge­richts­hof den Antrag auf Pro­zess­kos­ten­hil­fe in dem hier vor­lie­gen­den Fall abge­lehnt. Zur Begrün­dung hat der Bun­des­ge­richts­hof Fol­gen­des ange­führt: Die beab­sich­tig­te Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de bie­tet kei­ne hin­rei­chen­de Aus­sicht auf Erfolg (§ 114 Satz 1 ZPO). Nach all­ge­mei­ner Auf­fas­sung in Recht­spre­chung und Schrift­tum wird das Ende einer Rechts­mit­tel­frist wegen eines all­ge­mei­nen Fei­er­ta­ges nur dann hin­aus­ge­scho­ben, wenn der betref­fen­de Tag an dem Ort, wo das Rechts­mit­tel ein­zu­le­gen ist, gesetz­li­cher Fei­er­tag ist. Für den Ablauf einer Rechts­mit­tel­frist an einem nicht bun­des­ein­heit­li­chen Fei­er­tag sind mit­hin die Ver­hält­nis­se am Ort des Sit­zes des Gerichts maß­geb­lich 1.

Ent­spre­chen­des gilt für ein Pro­zess­kos­ten­hil­fe­ge­such, das inner­halb der Frist ein­zu­le­gen ist, die für das beab­sich­tig­te Rechts­mit­tel vor­ge­schrie­ben ist. Danach hat der Klä­ger den Pro­zess­kos­ten­hil­fe­an­trag für die beab­sich­tig­te Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de nicht recht­zei­tig ein­ge­legt, weil nach Art. 1 des baye­ri­schen Fei­er­tags­ge­set­zes in der Fas­sung vom 1. Janu­ar 1983 2 zwar in Gemein­den mit über­wie­gend katho­li­scher Bevöl­ke­rung Mariä Him­mel­fahrt ein gesetz­li­cher Fei­er­tag ist, nicht aber am Sitz des Bun­des­ge­richts­hofs in Karls­ru­he. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klä­gers bestehen dage­gen kei­ne ver­fas­sungs­recht­li­chen Beden­ken 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10 Janu­ar 2012 – VI ZA 27/​11

  1. vgl. BAG, BAGE 84, 140; NJW 1989, 1181; DB 1959, 1347; BSG, MDR 1995, 955; OVG für das Land Bran­den­burg, NJW 2004, 3795; BayVGH Mün­chen, NJW 1997, 2130; OVG Müns­ter, Beschluss vom 16.02.2010 – 13 C 112/​10; MünchKommZPO/​Gehrlein, 3. Aufl., § 222 Rn. 5; Musielak/​Stadler, ZPO, 8. Aufl., § 222 Rn. 8; Zöller/​Stöber, ZPO, 29. Aufl., § 222 Rn. 1[]
  2. BayRS II, 172[]
  3. vgl. OVG für das Land Bran­den­burg, aaO; OVG Müns­ter, aaO, Rn. 5[]