Füh­rung im Sport­mu­se­um – mit Gelenkverletzung

Die Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht von Betrei­bern einer Sport­stät­te bezieht sich nicht dar­auf, die Sport­ler vor Gefah­ren zu schüt­zen, die typi­scher­wei­se mit der Aus­übung ihrer Sport­art ver­bun­den sind.

Füh­rung im Sport­mu­se­um – mit Gelenkverletzung

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Köln in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Gelenk­ver­let­zung auf­grund einer Sorg­falts­pflicht­ver­let­zung die Haf­tung ver­neint. Gleich­zei­tig ist damit das Urteil des Land­ge­richts Köln bestä­tigt wor­den. Im Rah­men eines Betriebs­aus­flugs hat­te der Klä­ger im Sport- und Olym­pia­mu­se­um in Köln an einer sog. „akti­ven Füh­rung“ teil­ge­nom­men. Eine Mit­ar­bei­te­rin der Beklag­ten lei­te­te die Füh­rung und führ­te dabei mit den Teil­neh­mern eini­ge leich­te Sport­übun­gen durch. Auf­wärm­übun­gen oder eine War­nung, dass Ver­let­zun­gen auf­tre­ten könn­ten, erfolg­ten nicht. Vor jeder Sta­ti­on des Par­cours wur­de die Übung erklärt und gefragt, wer sie frei­wil­lig durch­füh­ren wol­le. Der Klä­ger mel­de­te sich frei­wil­lig und wies kei­ne äuße­ren Auf­fäl­lig­kei­ten auf. Bei einem Stand­weit­sprung, bestehend aus fünf Sprün­gen hin­ter­ein­an­der mit 2kg-Han­teln in den Hän­den, erlitt der Klä­ger beim drit­ten Sprung beim Auf­kom­men einen Seh­nen­riss in bei­den Knien. Die Ver­let­zun­gen tra­ten ein, ohne dass wei­te­re Umstän­de wie z.B. ein Umkni­cken hin­zu­ka­men. Zu ver­gleich­ba­ren Unfäl­len war es bei der schon wie­der­holt durch­ge­führ­ten Ver­an­stal­tung zuvor nicht gekom­men. Nach Auf­fas­sung des Klä­gers haf­te die Beklag­te auf­grund einer Sorg­falts­pflicht­ver­let­zung, da sich ihre Mit­ar­bei­te­rin nicht nach sei­nem Fit­ness­zu­stand erkun­digt und kei­ne Auf­wärm­übun­gen durch­ge­führt habe. Die Übung sei unge­eig­net für nicht spor­ter­prob­te Teil­neh­mer gewe­sen. Nach­dem die Kla­ge vom Land­ge­richt Köln mit Urteil vom 30.08.2019 abge­wie­sen wor­den war, hat der Klä­ger sich mit der Beru­fung dage­gen gewehrt.

Aus Sicht des Ober­lan­des­ge­richts Köln sei der Mit­ar­bei­te­rin der Beklag­ten weder eine Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht­ver­let­zung noch eine Ver­let­zung von Auf­klä­rungs­pflich­ten vor­zu­wer­fen. Die Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht von Betrei­bern einer Sport­stät­te bezie­he sich nicht dar­auf, die Sport­ler vor Gefah­ren zu schüt­zen, die typi­scher­wei­se mit der Aus­übung ihrer Sport­art ver­bun­den sind. Der Sport­ver­an­stal­ter müs­se die Sport­ler viel­mehr vor heim­tü­cki­schen Objek­ten und aty­pi­schen Gefah­ren schüt­zen, die sie kaum erken­nen und denen sie daher nicht adäquat begeg­nen kön­nen. Die Gefahr einer Gelenk­ver­let­zung durch Umkni­cken sei jedoch jedem mit Sprün­gen ver­bun­de­nen Sport imma­nent und offen­sicht­lich. Auch die Erhö­hung der Gefahr durch den Ein­satz von Gewich­ten sei für jeder­mann erkenn­bar. Es habe daher auch kei­ner beson­de­ren Auf­klä­rung bedurft.

Dar­über hin­aus begrün­de auch der Wett­be­werbs­cha­rak­ter der Füh­rung kei­ne wei­te­re Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht der Beklag­ten. Zwar kön­ne die Schaf­fung einer Wett­be­werbs­si­tua­ti­on die Gefahr einer Über­for­de­rung und dar­aus resul­tie­ren­der Ver­let­zun­gen poten­ti­ell erhö­hen. Bei erwach­se­nen Teil­neh­mern im fort­ge­schrit­te­nen Alter sei jedoch zu unter­stel­len, dass die­se ihre kör­per­li­chen Belas­tungs­gren­zen ken­nen und gleich­wohl berücksichtigen.

Nach­dem das Ober­lan­des­ge­richt Köln dar­auf hin­ge­wie­sen hat­te, dass es beab­sich­ti­ge, die Beru­fung gegen das Urteil des Land­ge­richts Köln zurück­zu­wei­sen, hat der Klä­ger die Beru­fung zurückgenommen.

Ober­lan­des­ge­richt Köln, Beschluss vom 9. März 2020 – 7 U 257/​19