Gara­gen­ge­mein­schaft

Die Fra­ge der Rechts­na­tur einer Gara­gen­ge­mein­schaft nach § 266 ZGB-DDR und der Über­lei­tung des von ihr mit dem Grund­stücks­ei­gen­tü­mer geschlos­se­nen Nut­zungs­ver­tra­ges nach dem Schuld­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­setz hat­te jetzt der Bun­des­ge­richts­hof zu klä­ren:

Gara­gen­ge­mein­schaft

Nach § 266 ZGB-DDR konn­ten sich Bür­ger zur Ver­bes­se­rung ihrer Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen durch Ver­trag zu einer Gemein­schaft zusam­men­schlie­ßen, um durch Arbeits­leis­tun­gen und mate­ri­el­le Mit­tel Ein­rich­tun­gen und Anla­gen für die kol­lek­ti­ve und indi­vi­du­el­le Nut­zung zu schaf­fen und zu unter­hal­ten. Gemein­schaf­ten im Sin­ne die­ser Bestim­mung waren ins­be­son­de­re die sog. Gara­gen­ge­mein­schaf­ten 1. In die­ser Rechts­form haben sich nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs auch die Mit­glie­der einer Gara­gen­ge­mein­schaft orga­ni­siert.

Die so gebil­de­te Gemein­schaft von Bür­gern gemäß § 266 ZGB-DDR ist indes nicht als Wirt­schafts­ein­heit i. S. v. § 2 Abs. 1 VG-DDR zu qua­li­fi­zie­ren. Zwar konn­ten nach § 2 Abs. 1 Nr. 7 VG-DDR auch sozia­lis­ti­sche Gemein­schaf­ten und gemein­schaft­li­che Ein­rich­tun­gen eine Wirt­schafts­ein­heit sein, jedoch nur unter der Vor­aus­set­zung, dass sie Rechts­fä­hig­keit besa­ßen 2. Der Gemein­schaft nach § 266 ZGB-DDR wur­de jedoch gera­de kei­ne Rechts­fä­hig­keit zuer­kannt 3.

Der von der Gara­gen­ge­mein­schaft mit dem Grund­stücks­ei­gen­tü­mer geschlos­se­ne Nut­zungs­ver­trag ist mit dem Inkraft­tre­ten des Schuld­rechts­an­pas­sungs­ge­set­zes zum 1. Janu­ar 1995 nach § 6 Abs. 1 Schuld­RAn­pG in einen Miet­ver­trag über­führt wor­den. Dabei ist uner­heb­lich, dass der Nut­zungs­ver­trag – im hier ent­schie­de­nen Fall – eine unent­gelt­li­che Über­las­sung der Grund­stücks­flä­che vor­ge­se­hen hat­te. Denn § 6 Abs. 1 Schuld­RAn­pG fin­det auf sämt­li­che von § 1 Abs. 1 Nr. 1 Schuld­RAn­pG erfass­te Grund­stücks­über­las­sungs­ver­trä­ge Anwen­dung, unab­hän­gig davon, ob für die Nut­zung die Erbrin­gung einer Gegen­leis­tung ver­ein­bart war 4. Wur­de ein Grund­stück zur Errich­tung von Gara­gen über­las­sen, ist auf das Ver­trags­ver­hält­nis regel­mä­ßig Miet­recht anzu­wen­den 5.

Auf die vor­mals als Gemein­schaft von Bür­gern im Sin­ne von § 266 ZGB-DDR gegrün­de­te Gara­gen­ge­mein­schaft sind gemäß § 4 Abs. 2 Satz 2 Schuld­RAn­pG die Vor­schrif­ten des Bür­ger­li­chen Gesetz­buchs über die Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts anzu­wen­den. Da die Gara­gen­ge­mein­schaft durch den Bau und die Unter­hal­tung der auf der Grund­stücks­flä­che errich­te­ten Gara­gen­an­la­ge am all­ge­mei­nen Rechts­ver­kehr teil­ge­nom­men hat, ist sie seit dem Inkraft­tre­ten des Schuld­rechts­an­pas­sungs­ge­set­zes als eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts zu qua­li­fi­zie­ren, die nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs Rechts­fä­hig­keit besitzt, soweit sie – wie hier – durch Teil­nah­me am Rechts­ver­kehr eige­ne Rech­te und Pflich­ten begrün­det 6. Par­tei des ursprüng­lich mit der Gara­gen­ge­mein­schaft geschlos­se­nen Nut­zungs­ver­trags ist daher nach der Schuld­rechts­an­pas­sung allein die jet­zi­ge GbR, so dass ihr gegen­über die Kün­di­gung des Nut­zungs­ver­tra­ges zu erklä­ren ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 23. Novem­ber 2011 – XII ZR 210/​09

  1. DDR-Minis­te­ri­um der Jus­tiz, Komm. zum ZGB, § 266 ZGB, Anm. 1.; vgl. aus­führ­lich dazu Horst GE 1996, 1262, 1276[]
  2. vgl. Staat­li­ches Ver­trags­ge­richt beim Minis­ter­rat der DDR, Kom­men­tar zum Gesetz über das Ver­trags­sys­tem in der sozia­lis­ti­schen Wirt­schaft, 2. Aufl., Vor­bem. zu §§ 1- 5, Anm. 2.[]
  3. vgl. DDR-Minis­te­ri­um der Jus­tiz, Komm. zum ZGB, § 266 ZGB, Anm. 3.[]
  4. vgl. dazu auch Münch­Komm-BGB/­Kühn­holz 4. Aufl. § 20 Schuld­RAn­pG Rn. 1[]
  5. vgl. Horst GE 1996, 1262, 1273; Mat­t­hies­sen in Kie­the [Hrsg.] Schuld­RAn­pG § 6 Rn. 15[]
  6. BGHZ 146, 341 = NJW 2001, 1056 ff.[]