Gefähr­dungs­haf­tung oder öffent­lich-rechlti­che Kos­ten­er­stat­tung

Einer Gemein­de steht für Kos­ten der Besei­ti­gung von Ölspu­ren ein Scha­dens­er­satz­an­spruch gegen Fah­rer, Hal­ter und Haft­pflicht­ver­si­che­rung des ver­ur­sa­chen­den Kfz zu.

Gefähr­dungs­haf­tung oder öffent­lich-rechlti­che Kos­ten­er­stat­tung

In den bei­den jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fäl­len ver­langt die Klä­ge­rin aus abge­tre­te­nem Recht der betrof­fe­nen Gemein­den von den beklag­ten Hal­tern und Haft­pflicht­ver­si­che­rern der betei­lig­ten Kraft­fahr­zeu­ge Ersatz der Kos­ten für die Besei­ti­gung von Ölspu­ren. Beim Betrieb von Trak­to­ren trat Hydrau­lik­öl aus, das die Fahr­bahn öffent­li­cher Gemein­de­stra­ßen ver­schmutz­te. Die für die öffent­li­che Sicher­heit ver­ant­wort­li­chen Gemein­den beauf­trag­ten ein pri­va­tes Unter­neh­men, die Ölspu­ren zu besei­ti­gen. Das Unter­neh­men rei­nig­te die Stra­ße im so genann­ten Nass­rei­ni­gungs­ver­fah­ren und berech­ne­te für die aus­ge­führ­ten Arbei­ten jeweils ca. 3.000 €. Die Gemein­den tra­ten etwai­ge Scha­dens­er­satz­an­sprü­che gegen Hal­ter und Haft­pflicht­ver­si­che­rer an die Klä­ge­rin ab.

Sowohl das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Amts­ge­richt Bad Ber­le­burg 1 wie auch in der Beru­fungs­in­stanz das Land­ge­richt Sie­gen 2 haben im Hin­blick auf die Mög­lich­keit der öffent­lich recht­li­chen Kos­ten­er­stat­tung einen zivil­recht­li­chen Scha­dens­er­satz­an­spruch gemäß § 7 Abs. 1 StVG, § 249 BGB ver­neint.

Die­sem Argu­ment folg­te der Bun­des­ge­richts­hof jedoch nicht, auf die Revi­sio­nen der Klä­ge­rin hob er die Beru­fungs­ur­tei­le des Land­ge­richts Sie­gen auf und ver­wies die bei­den Sachen zurück an das Land­ge­richt Sie­gen.

Der Bun­des­ge­richts­hof hält grund­sätz­lich einen Scha­dens­er­satz­an­spruch der Gemein­den wegen Ver­let­zung ihres Eigen­tums an der Stra­ße gemäß § 7 Abs. 1 StVG, § 249 Abs. 2 Satz 1 BGB für gege­ben. Der öffent­lich-recht­li­che Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch und der zivil­recht­li­che Scha­dens­er­satz­an­spruch für den geschä­dig­ten Eigen­tü­mer der Stra­ße ste­hen neben­ein­an­der und erfül­len unter­schied­li­che Zwe­cke. Die Rege­lun­gen der öffent­lich-recht­li­chen Kos­ten­er­stat­tung betref­fen den Aus­gleich von Auf­wen­dun­gen für Maß­nah­men zur Abwen­dung von Gefah­ren und zur Besei­ti­gung der Fol­gen von Feu­er, Unglücks­fäl­len und bei öffent­li­chen Not­stän­den. Die­se Maß­nah­men kön­nen, müs­sen aber nicht zur Behe­bung eines mit dem Unglücks­fall ver­bun­de­nen Eigent­um­scha­dens der Gemein­de füh­ren. Hin­ge­gen dient der zivil­recht­li­che Scha­dens­er­satz­an­spruch dem Ziel, den Zustand wie­der­her­zu­stel­len, der wirt­schaft­lich gese­hen der hypo­the­ti­schen Lage ohne Scha­dens­er­eig­nis ent­spricht.

Bun­des­ge­richts­hof, Urtei­le vom 28. Juni 2011 – VI ZR 184/​10 und VI ZR 191/​10

  1. AG Bad Ber­le­burg, Urtei­le vom 25.11.2009 – 1 C 60/​09 und 1 C 259/​08[]
  2. LG Sie­gen, Urtei­le vom 14.06.2010 – 3 S 124/​09 und 3 S 126/​09[]