Gegen­vor­stel­lung gegen ein Urteil

Die gesetz­lich nicht gere­gel­te Gegen­vor­stel­lung ist gegen ein Urteil und einen Beschluss, die in mate­ri­el­ler Rechts­kraft erwach­sen sind oder die mate­ri­el­le Rechts­kraft her­bei­ge­führt haben, unstatt­haft1.

Gegen­vor­stel­lung gegen ein Urteil

Nach dem Gebot der Rechts­mit­tel­klar­heit2 müs­sen Rechts­be­hel­fe in der Rechts­ord­nung gere­gelt und in ihren Vor­aus­set­zun­gen für die Bür­ger erkenn­bar sein.

Wesent­li­cher Bestand­teil des Rechts­staats­prin­zips ist der Grund­satz der Rechts­si­cher­heit. Er wirkt sich im Bereich des Ver­fah­rens­rechts unter ande­rem in dem Pos­tu­lat der Rechts­mit­tel­klar­heit aus.

Das rechts­staat­li­che Erfor­der­nis der Mess­bar­keit und Vor­her­seh­bar­keit staat­li­chen Han­delns führt zu dem Gebot, dem Recht­su­chen­den den Weg zur Über­prü­fung gericht­li­cher Ent­schei­dun­gen klar vor­zu­zeich­nen3.

Danach ist neben der Anhö­rungs­rü­ge gemäß § 321a ZPO eine in der Zivil­pro­zess­ord­nung nicht vor­ge­se­he­ne Durch­bre­chung der mate­ri­el­len Rechts­kraft im Wege einer Gegen­vor­stel­lung recht­lich nicht zuläs­sig.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Okto­ber 2015 – VI ZR 25/​14

  1. vgl. Musielak/​Ball, ZPO 12. Aufl., § 567 Rn. 27; Baumbach/​Lauterbach/​Albers/​Hartmann, ZPO 72. Aufl. vor § 567 Rn. 4; Stein/​Jonas/​Grunsky, ZPO 23. Aufl., § 567 Rn. 26; wohl auch Zöller/​Heßler ZPO, 30. Aufl., § 567 Rn. 25; aA Bau­er NJW 1991, 1711, 1713 ff.
  2. vgl. BVerfGE 107, 395 ff. Rn. 69
  3. vgl. BVerfGE 49, 148, 164; 87, 48, 65