Gel­tend­ma­chung von Gewähr­leis­tungs­rech­ten durch den Lea­sing­neh­mer

Wann erlöscht die einem Lea­sing­neh­mer im Rah­men einer lea­sing­ty­pi­schen Abtre­tungs­kon­struk­ti­on erteil­ten Ermäch­ti­gung, Ansprü­che aus einer Rück­ab­wick­lung des Beschaf­fungs­ver­tra­ges im eige­nen Namen auf Zah­lung an den Lea­sing­ge­ber gel­tend zu machen, wenn der Lea­sing­ver­trag vor­zei­tig been­det wird bezie­hungs­wei­se wenn die Abtre­tung der For­de­run­gen des Lea­sing­ge­bers an einen Drit­ten offen­ge­legt wird? Mit die­ser Fra­ge hat­te sich jetzt der Bun­des­ge­richts­hof zu befas­sen:

Gel­tend­ma­chung von Gewähr­leis­tungs­rech­ten durch den Lea­sing­neh­mer

Zwar steht bei Lea­sing­ver­trä­gen eine dem Lea­sing­neh­mer nur unter Wider­rufs­vor­be­halt erteil­te Ermäch­ti­gung zur Gel­tend­ma­chung von Män­gel­rech­ten der Wirk­sam­keit einer lea­sing­ty­pi­schen Abtre­tungs­kon­struk­ti­on, die nament­lich dem Zweck dient, eine miet­recht­li­che Gewähr­leis­tungs­haf­tung des Lea­sing­ge­bers zu erset­zen und auf die­se Wei­se aus­zu­schlie­ßen, grund­sätz­lich ent­ge­gen [1]. Kei­ne durch­grei­fen­den Beden­ken bestehen jedoch gegen eine Klau­sel, die die Abtre­tung oder Ermäch­ti­gung auf­lö­send bedingt an den Fort­be­stand des Lea­sing­ver­tra­ges knüpft oder – wie hier – im Fal­le der vor­zei­ti­gen Ver­trags­be­en­di­gung eine auf­schie­bend beding­te Rück­ab­tre­tung vor­sieht und damit vor­be­halt­lich bereits ein­ge­lei­te­ter Pro­zess­füh­rungs­maß­nah­men erst in einer Zeit zum Tra­gen kommt, in der der ver­trag­li­che Leis­tungs­aus­tausch und die Ver­pflich­tung des Lea­sing­ge­bers zur Gewäh­rung des Miet­ge­brauchs bereits ihr Ende gefun­den haben [2].

Es ent­spricht gän­gi­ger, durch die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs gebil­lig­ter Pra­xis, dass ein Lea­sing­neh­mer im Rah­men der lea­sing­ty­pi­schen Abtre­tungs­kon­struk­ti­on vom Lea­sing­ge­ber wirk­sam ermäch­tigt wer­den kann, kauf­recht­li­che Gewähr­leis­tungs­an­sprü­che aus dem Beschaf­fungs­ver­trag, soweit sie ihm nicht abge­tre­ten sind, im Wege einer gewill­kür­ten Pro­zess­stand­schaft im eige­nen Namen mit dem Ziel einer Leis­tung an den Lea­sing­ge­ber gel­tend zu machen [3]. Aller­dings endet – von der hier nicht gege­be­nen Fall­ge­stal­tung des § 265 Abs. 2 ZPO abge­se­hen [4] – die Befug­nis, einen frem­den Anspruch im Wege der gewill­kür­ten Pro­zess­stand­schaft im Pro­zess durch­zu­set­zen, wenn der Ermäch­ti­gen­de sei­ner­seits die For­de­rung abge­tre­ten hat und die­se Abtre­tung – wie hier im Zuge der unter dem 10.02.2009 aus­ge­spro­che­nen Kün­di­gung des Lea­sing­ver­trags – offen gelegt wird [5]. Denn im Fal­le einer offen geleg­ten Abtre­tung kann nicht mehr Zah­lung an den bis dahin zur Ein­zie­hung ermäch­tig­ten ursprüng­li­chen For­de­rungs­in­ha­ber, son­dern nur noch Zah­lung an den Zes­sio­nar ver­langt wer­den [6].

Woll­te man eine von der ursprüng­li­chen For­de­rungs­in­ha­ber­schaft abge­lei­te­te gewill­kür­te Pro­zess­stand­schaft auch nach Offen­le­gung der Abtre­tung wei­ter­hin unver­än­dert, also auf Zah­lung an den ursprüng­li­chen For­de­rungs­in­ha­ber, zulas­sen, wäre der uner­läss­li­che Schutz des Pro­zess­geg­ners vor der Gefahr, wegen des­sel­ben Streit­ge­gen­stands sowohl vom der­zei­ti­gen For­de­rungs­in­ha­ber als auch vom ursprüng­li­chen For­de­rungs­in­ha­ber oder einem von ihm ermäch­tig­ten Pro­zess­stand­schaf­ter mit einem Pro­zess über­zo­gen zu wer­den, nicht mehr gewähr­leis­tet [7]. Ist durch die offen geleg­te Abtre­tung des­halb eine vom ursprüng­li­chen For­de­rungs­in­ha­ber erteil­te Ermäch­ti­gung zur Pro­zess­füh­rung erlo­schen, kann sich der Ermäch­tig­te hier­auf nicht mehr stüt­zen und hat im Fal­le einer bereits ent­fal­te­ten Tätig­keit die­se ein­zu­stel­len, es sei denn, der neue For­de­rungs­in­ha­ber hat ihn sei­ner­seits ermäch­tigt, hier­von wei­ter­hin im bis­he­ri­gen Umfang durch schuld­be­frei­en­de Zah­lung an den ursprüng­li­chen For­de­rungs­in­ha­ber oder nun­mehr durch Zah­lung an ihn selbst Gebrauch zu machen [8].

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. März 2014 – VIII ZR 31/​13

  1. BGH, Urtei­le vom 17.12 1986 – VIII ZR 279/​85, WM 1987, 350 unter – II 1, 2 b; vom 13.11.2013 – VIII ZR 257/​12, DB 2014, 117 Rn. 13 mwN[]
  2. vgl. OLG Hamm, CR 2013, 214, 215; Reinking/​Eggert, Der Auto­kauf, 12. Aufl., Rn. L 80; jeweils mwN[]
  3. vgl. BGH, Urtei­le vom 23.02.1977 – VIII ZR 312/​75, WM 1977, 390 unter – II 4; vom 24.06.1992 – VIII ZR 188/​91, WM 1992, 1609 unter – II 2 a bb[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 22.12 1988 – VII ZR 129/​88, aaO[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 22.12 1988 – VII ZR 129/​88, aaO unter 1, 3[]
  6. BGH, Urtei­le vom 09.12 1998 – XII ZR 170/​96, BGHZ 140, 175, 181; vom 17.01.2002 – VII ZR 490/​00, WM 2002, 649 unter – II 1 c; jeweils mwN[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 07.07.1993 – IV ZR 190/​92, aaO S. 135 f.[]
  8. vgl. BGH, Urtei­le vom 22.12 1989 – VII ZR 129/​88, aaO unter 4 c; vom 10.11.1999 – VIII ZR 78/​98, NJW 2000, 738 unter – II 2 b[]