Gemäl­de mit fal­schem Auf­kle­ber

Hat ein Auk­tio­na­tor in sei­nen all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen deut­lich for­mu­liert, dass er nur im Namen des Ein­lie­fe­rers tätig wird, ist bei einer Ver­stei­ge­rung nicht er, son­dern der Auf­trag­ge­ber der Ver­käu­fer. Aller­dings oblie­gen dem Auk­tio­na­tor Sorg­falts­pflich­ten gegen­über dem Erstei­ge­rer, da ihm ein beson­de­res Ver­trau­en ent­ge­gen­ge­bracht wird und er auch ein eige­nes wirt­schaft­li­ches Inter­es­se am Ver­trags­schluss hat. Die Ver­let­zung die­ser Sorg­falts­pflich­ten kann zu Scha­den­er­satz­an­sprü­chen füh­ren.

Gemäl­de mit fal­schem Auf­kle­ber

So die Ent­schei­dung des Amts­ge­richts Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Gemäl­de­ver­stei­ge­rung, bei der ein Auf­kle­ber mit einer Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer auf der Rück­sei­te nicht zu dem Bild gehör­te und der Erstei­ge­rer sein Geld vom Auk­ti­ons­haus zurück­ha­ben woll­te. Anfang 2008 erstei­ger­te der spä­te­re Klä­ger auf einer Auk­ti­on eines Münch­ner Auk­ti­ons­hau­ses das Gemäl­de eines Malers der Nach­kriegs­zeit zu einem Preis von ins­ge­samt 1736 €. Auf der Rück­sei­te war ein Auf­kle­ber mit einer Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer eines ande­ren Auk­ti­ons­hau­ses ange­bracht, wel­cher das Gemäl­de besag­tem Maler zuschrieb. Als sich der Käu­fer eini­ge Zeit spä­ter wie­der von dem Bild tren­nen woll­te und es eben­falls einem Auk­ti­ons­haus über­gab, stell­te die­ses fest, dass der Auf­kle­ber nicht zu dem gekauf­ten Gemäl­de gehör­te, son­dern zu einem ande­ren Werk des glei­chen Künst­lers. Der Käu­fer schloss dar­aus, dass ent­we­der der kom­plet­te Auf­kle­ber gefälscht wor­den oder von dem ande­ren Gemäl­de ent­fernt und auf das jet­zi­ge Bild ange­bracht wor­den sei, um die­sem einen ver­trau­en­er­we­cken­den Anschein zu geben. Er schloss auch dar­aus, dass das Bild eine Fäl­schung sein müs­se.

Dar­auf hin ver­lang­te er von dem Auk­ti­ons­haus, bei dem er das Werk erstei­gert hat­te, sein Geld zurück. Die­ses wei­ger­te sich. Ers­tens sei es nicht der Ver­trags­part­ner. In den all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen ste­he aus­drück­lich, dass es nur im Namen des Ein­lie­fe­rers tätig wer­de. Außer­dem habe es kei­ne Prü­fungs­pflich­ten ver­letzt. Der zustän­di­ge Mit­ar­bei­ter habe das Bild in Augen­schein genom­men und kei­ne Unre­gel­mä­ßig­kei­ten fest­stel­len kön­nen. Das Bild sei im Übri­gen auch kei­ne Fäl­schung. Dar­auf­hin ist Kla­ge ein­ge­reicht wor­den.

Nach Auf­fas­sung des Amts­ge­richts Mün­chen habe der Klä­ger kei­ne Ansprü­che aus dem Kauf­ver­trag. Das Auk­ti­ons­haus sei nicht Ver­trags­part­ner gewor­den. Ob bei einer Ver­stei­ge­rung der Auk­tio­na­tor oder des­sen Auf­trag­ge­ber der Ver­käu­fer sei, hän­ge davon ab, was der Ver­stei­ge­rer vor­her erklä­re. Vor­lie­gend habe der Auk­tio­na­tor in den all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen klar for­mu­liert, dass er nur im Namen des Ein­lie­fe­rers tätig wer­de.

Aller­dings wer­de einem im Kunst­han­del täti­gen Auk­tio­na­tor ein beson­de­res Ver­trau­en ent­ge­gen­ge­bracht. Da er auch ein eige­nes wirt­schaft­li­ches Inter­es­se am Ver­trags­schluss habe, oblä­gen ihm Sorg­falts­pflich­ten gegen­über dem Erstei­ge­rer. Der Auk­tio­na­tor habe nicht nur die Stel­lung eines Sach­ken­ners, son­dern ent­schei­de auch selbst, wel­che Wer­ke er über­haupt anneh­me. Er kön­ne dabei auch die Ver­trau­ens­wür­dig­keit der Per­son des Ein­lie­fe­rers prü­fen, was der Erstei­ge­rer in der Regel nicht kön­ne.

Aller­dings habe die­se Ver­pflich­tung auch Gren­zen. Im vor­lie­gen­den Fall habe ein Mit­ar­bei­ter des Auk­ti­ons­hau­ses das Gemäl­de in Augen­schein genom­men. Er habe es im Hin­blick auf Kom­po­si­ti­on, Farb­ge­bung, Mate­ri­al, Signa­tur und Datum über­prüft und kei­nen Anlass gefun­den, an der Echt­heit des Bil­des zu zwei­feln. Die Ver­pflich­tung, auch noch den Auf­kle­ber des ande­ren Auk­ti­ons­hau­ses zu über­prü­fen, habe er nicht gehabt. Eine sol­che Über­prü­fung wäre auch nicht so ein­fach mög­lich und hät­te ein Viel­fa­ches an Arbeit und Recher­che erfor­dert. Dies sei von der Sorg­falts­pflicht nicht umfasst.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 29. August 2011 – 191 C 199/​10