Geneh­mi­gung schwe­bend unwirk­sa­mer Ver­trä­ge durch Kla­ge­er­he­bung

Ein ohne Voll­macht geschlos­se­ner Ver­trag ist schwe­bend unwirk­sam und wird erst bei Geneh­mi­gung rück­wir­kend wirk­sam. Eine sol­che Geneh­mi­gungs­hand­lung kann auch in dem objek­ti­ven Umstand gese­hen wer­den, dass die ver­trag­li­chen Ansprü­che ein­ge­klagt wer­den.

Geneh­mi­gung schwe­bend unwirk­sa­mer Ver­trä­ge durch Kla­ge­er­he­bung

Zwar setzt eine Geneh­mi­gung schwe­bend unwirk­sa­mer Geschäf­te durch schlüs­si­ges Ver­hal­ten regel­mä­ßig vor­aus, dass der Geneh­mi­gen­de die Unwirk­sam­keit kennt oder zumin­dest mit ihr rech­net und dass in sei­nem Ver­hal­ten der Aus­druck des Wil­lens zu sehen ist, das bis­her als unver­bind­lich ange­se­he­ne Geschäft ver­bind­lich wer­den zu las­sen [1]. Aller­dings ist auch in einem schlüs­si­gen Ver­hal­ten ohne Erklä­rungs­be­wusst­sein dann eine wirk­sa­me, wenn auch nach § 119 BGB anfecht­ba­re Wil­lens­er­klä­rung zu sehen, wenn der Erklä­ren­de bei Anwen­dung der im Ver­kehr erfor­der­li­chen Sorg­falt hät­te erken­nen und ver­mei­den kön­nen, dass sei­ne Äuße­rung nach Treu und Glau­ben und der Ver­kehrs­sit­te als Wil­lens­er­klä­rung auf­ge­fasst wer­den durf­te, und wenn der Emp­fän­ger sie auch tat­säch­lich so ver­stan­den hat [2].

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die­se Grund­sät­ze aller­dings anhand von Sach­ver­hal­ten ent­wi­ckelt, bei denen der Geschäfts­geg­ner vor den nach­tei­li­gen Fol­gen des feh­len­den Erklä­rungs­be­wusst­seins des Han­deln­den geschützt wer­den soll­te. Dar­auf sind die­se Grund­sät­ze aber nicht beschränkt. Liegt in dem schlüs­si­gen Ver­hal­ten auch ohne Erklä­rungs­be­wusst­sein eine Wil­lens­er­klä­rung, kommt es nicht dar­auf an, wel­che der Ver­trags­par­tei­en sich dar­auf beruft.

Die Kla­ge­er­he­bung aus dem Ver­trag hat den objek­ti­ven Erklä­rungs­wert, dass die Klä­ge­rin den Ver­trag in jedem Fall als wirk­sam anse­hen und behan­delt wis­sen woll­te. Dar­aus ergibt sich aus Sicht des Beklag­ten die Geneh­mi­gung der Ver­ein­ba­rung durch die Klä­ge­rin.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 17. Novem­ber 2014 – I ZR 97/​13

  1. BGH, Urteil vom 22.02.2005 – XI ZR 41/​04, NJW 2005, 1488, 1490[]
  2. BGH, Urteil vom 02.11.1989 – IX ZR 197/​88, BGHZ 109, 171, 177; Urteil vom 07.11.2001 – VIII ZR 13/​01, BGHZ 149, 129, 136; MünchKomm-.BGB/Schramm aaO § 177 Rn. 26[]