Geneh­mi­gung von Last­schrif­ten durch den spä­te­ren Insol­venz­schuld­ner

Der Bun­des­ge­richts­hof hat erneut 1 zur Fra­ge der kon­klu­den­ten Geneh­mi­gung einer Ein­zugs­er­mäch­ti­gungs­last­schrift Stel­lung genom­men:

Geneh­mi­gung von Last­schrif­ten durch den spä­te­ren Insol­venz­schuld­ner
  • Die Tat­sa­che, dass ein Schuld­ner in Kennt­nis einer Belas­tungs­bu­chung aus einer Ein­zugs­er­mäch­ti­gung sein Kon­to über einen Monat wei­ter­nutzt, ohne der Abbu­chung zu wider­spre­chen, ent­hält als schlich­te Aus­übung der Wei­sungs­rech­te aus dem Giro­ver­trag für sich kei­nen zusätz­li­chen Erklä­rungs­wert; die kon­to­füh­ren­de Bank kann dar­aus ohne Hin­zu­tre­ten wei­te­rer Umstän­de auch bei einem Geschäfts­kon­to nicht die Bil­li­gung der Last­schrift­bu­chung durch den Kon­to­in­ha­ber ent­neh­men.
  • Jeden­falls im unter­neh­me­ri­schen Geschäfts­ver­kehr kann die Tat­sa­che, dass ein Kon­to­in­ha­ber in Kennt­nis erfolg­ter Abbu­chun­gen durch kon­kre­te Ein­zah­lun­gen oder Über­wei­sun­gen zeit­nah erst eine aus­rei­chen­de Kon­to­de­ckung für wei­te­re Dis­po­si­tio­nen sicher­stellt, im Ein­zel­fall für eine kon­klu­den­te Geneh­mi­gung bereits gebuch­ter Last­schrif­ten spre­chen.

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs kann der Kon­to­in­ha­ber die Belas­tungs­bu­chun­gen gegen­über sei­ner Bank auch durch schlüs­si­ges Ver­hal­ten geneh­mi­gen 2. Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den hat, kommt eine kon­klu­den­te eben­so wie eine aus­drück­li­che Geneh­mi­gung auch bereits vor Ablauf der hier in Nr. 7 Abs. 3 AGB-Ban­ken aF ver­ein­bar­ten 6‑Wochenfrist in Betracht 3.

Eine kon­klu­den­te Geneh­mi­gung der strei­ti­gen Last­schrift­bu­chun­gen kann hier aller­dings nicht allein dar­in gese­hen wer­den, dass es sich um regel­mä­ßig wie­der­keh­ren­de Last­schrift­bu­chun­gen han­delt. Zwar kön­nen jeden­falls im unter­neh­me­ri­schen Geschäfts­ver­kehr, in dem Last­schrift­bu­chun­gen von dem Kon­to­in­ha­ber im All­ge­mei­nen zeit­nah nach­voll­zo­gen wer­den, regel­mä­ßi­ge Last­schrif­ten, denen der Schuld­ner bis­lang nicht wider­spro­chen hat, mit des­sen Kennt­nis von einem neu­en in der Höhe nicht wesent­lich abwei­chen­den Last­schrift­ein­zug nach einer ange­mes­se­nen Über­le­gungs­frist bei der kon­to­füh­ren­den Bank die berech­tig­te Erwar­tung begrün­den, auch die­se Belas­tungs­bu­chung sol­le Bestand haben 4.

Die Tat­sa­che, dass ein Schuld-ner in Kennt­nis einer Belas­tungs­bu­chung sein Kon­to wei­ter­nutzt, ent­hält als schlich­te Aus­übung der Wei­sungs­rech­te aus dem Giro­ver­trag für sich kei­nen zusätz­li­chen Erklä­rungs­wert. Die kon­to­füh­ren­de Bank kann des­halb aus sol-chen Ver­fü­gun­gen ohne Hin­zu­tre­ten wei­te­rer Umstän­de auch bei einem Ge-schäfts­kon­to nicht ent­neh­men, der Kon­to­in­ha­ber bil­li­ge frü­he­re Last­schrift­bu-chun­gen oder den um die­se gemin­der­ten Kon­to­stand 5.

Im unter­neh­me­ri­schen Geschäfts­ver­kehr, in dem Last­schrift­bu­chun­gen vom Schuld­ner im All­ge­mei­nen lau­fend nach­voll­zo­gen wer­den, kann die Tat­sa­che, dass ein Kon­to­in­ha­ber in Kennt­nis erfolg­ter Abbu­chun­gen durch kon­kre­te Ein­zah­lun­gen oder Über­wei­sun­gen zeit­nah erst eine aus­rei­chen­de Kon­to­de­ckung für wei­te­re Dis­po­si­tio­nen sicher­stellt, im Ein­zel­fall für eine kon­klu­den­te Geneh­mi­gung bereits gebuch­ter Last­schrif­ten spre­chen 6. Der Kon­to­in­ha­ber will damit ersicht­lich zur Siche­rung der Fort­füh­rung sei­nes Gewer­bes eine Rück­bu­chung neu­er Last­schrift­be­trä­ge oder die Rück­ga­be von Über­wei­sungs­auf­trä­gen man­gels Deckung sei­nes Kon­tos ver­mei­den. In einem sol­chen Fall kann – zumin­dest nach einer ange­mes­se­nen Prüf­frist – eben­so wie bei einer Abstim­mung von Kon­to­ver­fü­gun­gen mit der Bank 7 aus deren Sicht der Schluss gerecht­fer­tigt sein, die Last­schrift­bu­chun­gen wür­den Bestand haben, da sich der Kun­de andern­falls auf leich­te­rem Wege Liqui­di­tät hät­te ver­schaf­fen kön­nen, indem er älte­ren, aus sei­ner Sicht unbe­rech­tig­ten Belas­tungs­bu­chun­gen wider­spricht.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 23. Novem­ber 2010 – XI ZR 370/​08

  1. im Anschluss an BGH, Urteil vom 20.07.2010 – XI ZR 236/​07, WM 2010, 1546[]
  2. BGH, Urteil vom 20.07.2010 – XI ZR 236/​07, WM 2010, 1546 Rn. 43 mwN[]
  3. BGH, Urteil vom 20.07.2010 – XI ZR 236/​07, WM 2010, 1546 Rn. 43[]
  4. vgl. BGH, Urtei­le vom 20.07.2010 – XI ZR 236/​07, WM 2010, 1546 Rn. 48; vom 30.09.2010 – IX ZR 178/​09, WM 2010, 2023 Rn. 13; und vom 26.10.2010 – XI ZR 562/​07[]
  5. vgl. BGH, Urtei­le vom 20.07.2010 – XI ZR 236/​07, WM 2010, 1546 Rn. 45, 47; und vom 26.10.2010 – XI ZR 562/​07[]
  6. vgl. auch OLG Mün­chen, ZIn­sO 2010, 87, 91 f.; OLG Koblenz, WM 2010, 450, 453; Nob­be, WM 2009, 1537, 1541; Zuleger/​Wegmann in Beck/​Depré, Pra­xis der Insol­venz, 2. Aufl., § 26 Rn. 46[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 20.07.2010 – XI ZR 236/​07, WM 2010, 1546 Rn. 47[]
  8. im Anschluss an BGH, Urteil vom 20.07.2010 – XI ZR 236/​07, WM 2010, 1546[]