Gerichtliche Aufklärungspflicht in Arzthaftungsprozessen

In Arzthaftungsprozessen hat der Tatrichter nach ständiger höchstrichterlicher Rechtsprechung die Pflicht, Widersprüchen zwischen Äußerungen mehrerer Sachverständiger von Amts wegen nachzugehen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen, auch wenn es sich um Privatgutachten handelt1.

Gerichtliche Aufklärungspflicht in Arzthaftungsprozessen

Legt eine Partei ein medizinisches Gutachten vor, das im Gegensatz zu den Erkenntnissen des gerichtlich bestellten Sachverständigen steht, so darf der Tatrichter den Streit der Sachverständigen nicht dadurch entscheiden, dass er ohne einleuchtende und logisch nachvollziehbare Begründung einem von ihnen den Vorzug gibt2.

Bundesgerichtshof, Urteil vom 11. November 2014 – VI ZR 76/13

  1. z.B. BGH, Beschlüsse vom 11.03.2014 – VI ZB 22/13, VersR 2014, 895 Rn. 12; vom 09.06.2009 – VI ZR 261/08, VersR 2009, 1406 Rn. 7; BGH, Urteile vom 10.10.2000 – VI ZR 10/00, VersR 2001, 525, 526; vom 28.04.1998 – VI ZR 403/96, VersR 1998, 853, 854; vom 24.09.1996 – VI ZR 303/95, VersR 1996, 1535, 1536; Steffen/Pauge, Arzthaftungsrecht, 12. Aufl., Rn. 765[]
  2. BGH, Beschluss vom 11.03.2014 – VI ZB 22/13, VersR 2014, 895 Rn. 12; BGH, Urteile vom 24.09.2008 – IV ZR 250/06, VersR 2008, 1676 Rn. 11 mwN; vom 22.09.2004 – IV ZR 200/03, VersR 2005, 676, 677 f.[]