Gericht­li­che Hin­weis­pflich­ten

Gericht­li­che Hin­weis­pflich­ten die­nen der Ver­mei­dung von Über­ra­schungs­ent­schei­dun­gen und kon­kre­ti­sie­ren den Anspruch der Par­tei­en auf recht­li­ches Gehör 1.

Gericht­li­che Hin­weis­pflich­ten

Abs. 1 GG garan­tiert den Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten, dass sie Gele­gen­heit erhal­ten, sich vor Erlass einer gericht­li­chen Ent­schei­dung zu dem zugrun­de lie­gen­den Sach­ver­halt zu äußern. Ein Gericht ver­stößt gegen Art. 103 Abs. 1 GG und das Gebot eines fai­ren Ver­fah­rens, wenn es ohne vor­he­ri­gen Hin­weis Anfor­de­run­gen an den Sach­vor­trag stellt oder auf recht­li­che Gesichts­punk­te abstellt, mit denen auch ein gewis­sen­haf­ter und kun­di­ger Pro­zess­be­tei­lig­ter nach dem bis­he­ri­gen Pro­zess­ver­lauf nicht zu rech­nen brauch­te 2.

Die grund­recht­li­che Gewähr­leis­tung des recht­li­chen Gehörs vor Gericht schützt auch das Ver­trau­en der in ers­ter Instanz sieg­rei­chen Par­tei dar­auf; vom Beru­fungs­ge­richt recht­zei­tig einen Hin­weis zu erhal­ten, wenn die­ses in einem ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Punkt der Vor­in­stanz nicht fol­gen will und auf­grund sei­ner abwei­chen­den Ansicht eine Ergän­zung des Sach­vor­trags erfor­der­lich sein kann 3.

Das ange­foch­te­ne Urteil beruht bereits dann auf der Ver­let­zung des recht­li­chen Gehörs, wenn nicht aus­ge­schlos­sen wer­den kann, dass das Gericht bei ver­fah­rens­feh­ler­frei­em Vor­ge­hen anders ent­schie­den hät­te 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. Sep­tem­ber 2015 – IX ZR 263/​13

  1. BGH, Beschluss vom 23.04.2009 – IX ZR 95/​06, ZIn­sO 2009, 1028 Rn. 5; BVerfGE 84, 188, 189 f[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 15.02.2005 – XI ZR 144/​03, BGH-Report 2005, 936 mwN; vom 15.03.2006 – IV ZR 32/​05, VersR 2007, 225 Rn. 4 mwN; BVerfG, NJW 2003, 2524; BVerfGE 84, 188, 190; 86, 133, 144 f[]
  3. BGH, Beschluss vom 15.03.2006 – IV ZR 32/​05, VersR 2007, 225 Rn. 4 mwN; vom 26.06.2008 – V ZR 225/​07, nv Rn. 5; vom 23.04.2009, aaO[]
  4. BGH, Beschluss vom 24.10.2013 – IX ZR 164/​11, NJW-RR 2014, 172 Rn. 8 mwN; vom 03.07.2014 – IX ZR 285/​13, ZIn­sO 2014, 1679 Rn. 15[]

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