Gericht­li­che Hin­weis­pflich­ten in der Beru­fungs­in­stanz

Gericht­li­che Hin­weis­pflich­ten die­nen der Ver­mei­dung von Über­ra­schungs­ent­schei­dun­gen und kon­kre­ti­sie­ren den Anspruch der Par­tei­en auf recht­li­ches Gehör 1.

Gericht­li­che Hin­weis­pflich­ten in der Beru­fungs­in­stanz

Die­se in Art. 103 Abs. 1 GG nor­mier­te Gewähr­leis­tung stellt eine Aus­prä­gung des Rechts­staats­ge­dan­kens für das gericht­li­che Ver­fah­ren dar. Hier­aus folgt ins­be­son­de­re, dass eine in ers­ter Instanz sieg­rei­che Par­tei dar­auf ver­trau­en darf; vom Beru­fungs­ge­richt recht­zei­tig einen Hin­weis zu erhal­ten, wenn die­ses in einem ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Punkt der Beur­tei­lung der Vor­in­stanz nicht fol­gen will und auf­grund sei­ner abwei­chen­den Ansicht eine Ergän­zung des Vor­brin­gens oder ein Beweis­an­tritt erfor­der­lich wäre 2.

Zwar bedarf es trotz güns­ti­ger erst­in­stanz­li­cher Ent­schei­dung kei­nes gericht­li­chen Hin­wei­ses an eine Par­tei, wenn zwi­schen den Par­tei­en in der Beru­fung über einen Streit­punkt eine zen­tra­le Aus­ein­an­der­set­zung geführt wird. Die in ers­ter Instanz sieg­rei­che Par­tei muss damit rech­nen, dass sich das Gericht der Ansicht des Pro­zess­geg­ners anschließt 3. Dass die Par­tei­en zum zen­tra­len Punkt strei­tig ver­han­deln, befreit das Gericht aber nicht von sei­ner Pflicht, dar­auf hin­zu­wei­sen, dass es für die Ermitt­lung und Schät­zung der Scha­dens­hö­he auf einen nicht vor­ge­tra­ge­nen und nicht erör­ter­ten tat­säch­li­chen Umstand abstel­len will 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Sep­tem­ber 2016 – VI ZR 377/​14

  1. BVerfGE 84, 188, 189 f.; BGH, Beschluss vom 23.10.2013 – IV ZR 122/​13, VersR 2014, 398, 399; Beschluss vom 05.12 2012 – IV ZR 188/​12, Juris Rn. 7; Beschluss vom 15.03.2006 – IV ZR 32/​05, NJW-RR 2006, 937[]
  2. BGH, Beschluss vom 15.03.2006 – IV ZR 32/​05, NJW-RR 2006, 937, 938; vom 10.07.2012 – II ZR 212/​10, NJW 2012, 3035 Rn. 6[]
  3. BGH, Beschluss vom 10.07.2012 – II ZR 212/​10, NJW 2012, 3035 Rn. 7[]
  4. vgl. Gre­ger, in: Zöl­ler, ZPO, 31. Aufl., 2016, § 139 Rn. 18[]