Gerichts­kos­ten­an­for­de­rung – und die zu wah­ren­de Kla­ge­frist

Einer Par­tei ist in der Regel eine Erle­di­gungs­frist von einer Woche zur Ein­zah­lung des ange­for­der­ten Gerichts­kos­ten­vor­schus­ses zuzu­ge­ste­hen.

Gerichts­kos­ten­an­for­de­rung – und die zu wah­ren­de Kla­ge­frist

Auch wenn die Gerichts­kos­ten­vor­schuss­rech­nung dem Anwalt ver­fah­rens­feh­ler­frei zur Ver­mitt­lung der Zah­lung zuge­sandt wur­de, ist der für die Prü­fung der Kos­ten­an­for­de­rung und deren Wei­ter­lei­tung an die Par­tei erfor­der­li­che Zeit­auf­wand die­ser nicht als Zustel­lungs­ver­zö­ge­rung anzu­las­ten1.

Das Merk­mal "dem­nächst" (§ 167 ZPO) ist nur erfüllt, wenn sich die der Par­tei zuzu­rech­nen­den Ver­zö­ge­run­gen in einem hin­nehm­ba­ren Rah­men hal­ten. Dabei wird eine Zustel­lungs­ver­zö­ge­rung von bis zu 14 Tagen regel­mä­ßig hin­ge­nom­men, um eine Über­for­de­rung des Klä­gers sicher aus­zu­schlie­ßen2. Dies gilt für sämt­li­che Fall­grup­pen, so dass auch für die Ein­zah­lung des Gerichts­kos­ten­vor­schus­ses (§ 12 Abs. 1 GKG) bei der Berech­nung der noch hin­nehm­ba­ren Ver­zö­ge­rung von 14 Tagen nicht auf die Zeit­span­ne zwi­schen der Auf­for­de­rung zur Ein­zah­lung der Gerichts­kos­ten und deren Ein­gang bei der Gerichts­kas­se, son­dern dar­auf abge­stellt wird, um wie vie­le Tage sich der ohne­hin erfor­der­li­che Zeit­raum infol­ge der Nach­läs­sig­keit des Klä­gers ver­zö­gert hat3.

Für die Fra­ge, ob die Zustel­lung dem­nächst erwirkt wor­den ist, bleibt der Zeit­raum von der Ein­rei­chung der Kla­ge bis zum Ablauf der Kla­ge­er­he­bungs­frist des § 46 Abs. 1 Satz 2 WEG unbe­rück­sich­tigt. Wenn eine Kla­ge – wie hier – bereits vor Ablauf einer durch Zustel­lung zu wah­ren­den Frist ein­ge­reicht wor­den ist, die Zustel­lung der Kla­ge aber erst nach Ablauf der Frist erfolgt ist, sind bis zum Frist­ab­lauf ein­ge­tre­te­ne Ver­säum­nis­se nicht in den Zeit­raum der hin­nehm­ba­ren Ver­zö­ge­rung von 14 Tagen mit­ein­zu­rech­nen4.

Den Klä­gern ist eine Woche zur Erle­di­gung der Zah­lung zuzu­bil­li­gen.

Eine Par­tei muss den ange­for­der­ten Gerichts­kos­ten­vor­schus­ses (§ 12 Abs. 1 GKG) inner­halb eines ange­mes­se­nen Zeit­raums ein­zah­len. Die Auf­fas­sung des II. Zivil­se­nats, ihr sei dafür eine Erle­di­gungs­frist von bis zu drei Werk­ta­ge zuzu­ge­ste­hen5, teilt der Bun­des­ge­richts­hof nicht. Die Par­tei muss nicht zwin­gend an dem­sel­ben Tag tätig wer­den, an dem bei ihr die Anfor­de­rung ein­geht. Bei der Bemes­sung der Frist, inner­halb der die Zah­lung zu erfol­gen hat, ist zudem nicht nur auf den für die Über­wei­sung durch die Bank erfor­der­li­chen Zeit­raum (§ 675s Abs. 1 Satz 1 u. 3 BGB) abzu­stel­len. Es ist viel­mehr auch die Zeit­span­ne zu berück­sich­ti­gen, die die Par­tei im Nor­mal­fall benö­tigt, um für eine aus­rei­chen­de Deckung des Kon­tos zu sor­gen und die Über­wei­sung zu ver­an­las­sen. Der Par­tei ist des­halb in der Regel eine Erle­di­gungs­frist von einer Woche zur Ein­zah­lung des ange­for­der­ten Gerichts­kos­ten­vor­schus­ses zuzu­ge­ste­hen. Die Frist kann sich nach Umstän­den des Ein­zel­falls ange­mes­sen ver­län­gern, etwa wenn – wie hier – der Kos­ten­vor­schuss eine beträcht­li­che Höhe hat6 bzw. es meh­re­re Kos­ten­schuld­ner gibt und eine inter­ne Abstim­mung über die Zah­lung erfor­der­lich ist. Danach beträgt sie hier für die Klä­ger jeden­falls eine Woche.

Anlass für eine Vor­la­ge an den Gro­ßen Senat für Zivil­sa­chen gemäß § 132 GVG besteht nicht, weil die Annah­me des II. Zivil­se­nat in dem Urteil vom 25.10.20167, die Erle­di­gungs­frist zur Ein­zah­lung des Kos­ten­vor­schus­ses betra­ge bis zu drei Werk­ta­ge, nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich war. Bei feh­len­der Ent­schei­dungs­er­heb­lich­keit ist eine Vor­la­ge an den Gro­ßen Senat für Zivil­sa­chen nicht zuläs­sig8.

Aber auch die für die Kennt­nis­nah­me, Bear­bei­tung und Wei­ter­lei­tung der Gerichts­kos­ten­vor­schuss­rech­nung durch die Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te erfor­der­li­che Zeit ist den Klä­gern nicht als vor­werf­ba­re Ver­zö­ge­rung zuzu­rech­nen.

Die Zusen­dung der Gerichts­kos­ten­vor­schuss­rech­nung an die Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te der Klä­ger war ver­fah­rens­feh­ler­frei. Das ergibt sich aus der Vor­schrift des § 26 Abs. 6 KostVfg Hes­sen vom 16.04.20149, die mit der ent­spre­chen­den Rege­lung der Kos­ten­ver­fü­gung des Bun­des vom 06.03.201410 über­ein­stimmt. Danach soll, sofern der Zah­lungs­pflich­ti­ge u.a. von einem Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten ver­tre­ten wird, die Kos­ten­an­for­de­rung grund­sätz­lich die­sem zur Ver­mitt­lung der Zah­lung zuge­sandt wer­den.

Auch wenn die Gerichts­kos­ten­vor­schuss­rech­nung dem Anwalt ver­fah­rens­feh­ler­frei zur Ver­mitt­lung der Zah­lung zuge­sandt wur­de, ist der für die Prü­fung der Kos­ten­an­for­de­rung und deren Wei­ter­lei­tung an die Par­tei erfor­der­li­che Zeit­auf­wand die­ser nicht als Zustel­lungs­ver­zö­ge­rung anzu­las­ten.

Zwar hat der Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­den, dass dann, wenn der Kos­ten­vor­schuss unter Miss­ach­tung einer lan­des­ge­setz­li­chen Son­der­re­ge­lung und damit ver­fah­rens­wid­rig nicht von der Par­tei selbst, son­dern über deren Anwalt ange­for­dert wor­den ist, die damit ein­her­ge­hen­de Ver­zö­ge­rung nicht der Par­tei zuzu­rech­nen11. Tra­gend dafür war aber nicht der Ver­fah­rens­feh­ler, son­dern der Umstand, dass die Par­tei erst tätig wer­den muss, wenn die Gerichts­kos­ten­vor­schuss­rech­nung bei ihr ein­geht. Das muss sie auch dann erst, wenn die Zusen­dung der Gerichts­kos­ten­vor­schuss­rech­nung ver­fah­rens­feh­ler­frei an ihren Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten erfolgt ist. Rich­tig ist zwar, dass die Par­tei sich des­sen Wis­sen zurech­nen las­sen muss12. Der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­te, dem die Gerichts­kos­ten­vor­schuss­rech­nung zuge­sandt wird, ist aber nur Zah­lungs­ver­mitt­ler. Er muss die Kos­ten­an­for­de­rung ent­ge­gen­neh­men, prü­fen und an die Par­tei zur Unter­rich­tung wei­ter­lei­ten. Der dafür erfor­der­li­che Zeit­raum ist im All­ge­mei­nen mit drei Werk­ta­gen zu ver­an­schla­gen13. Er führt nicht zu einer der Par­tei zuzu­rech­nen­den Ver­zö­ge­rung, son­dern zählt zum nor­ma­len Ablauf.

Danach über­schrei­tet die den Klä­gern zuzu­rech­nen­de Zustel­lungs­ver­zö­ge­rung den Zeit­raum von 14 Tagen nicht. Der mit drei Tagen zu ver­an­schla­gen­de Zeit­raum für die Prü­fung und Wei­ter­lei­tung der Gerichts­kos­ten­vor­schuss­rech­nung durch den Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten begann wegen der am 26.03.2015 abge­lau­fe­nen Kla­ge­er­he­bungs­frist am 27.03.2015 (Frei­tag) und ende­te am 31.03.2015 (Diens­tag). Danach wäre eine Ein­zah­lung bzw. Über­wei­sung spä­tes­tens am 7.04.2015 zu erwar­ten gewe­sen. Es ist aber in Rech­nung zu stel­len, dass von einer auf die Wah­rung ihrer pro­zes­sua­len Oblie­gen­hei­ten bedach­ten Par­tei nicht ver­langt wer­den kann, an Fei­er­ta­gen für die Ein­zah­lung des Kos­ten­vor­schus­ses Sor­ge zu tra­gen14. Daher sind, was das Beru­fungs­ge­richt über­se­hen hat, die Oster­fei­er­ta­ge vom 03.04.2015 (Kar­frei­tag); und vom 06.04.2015 (Oster­mon­tag) bei der Ermitt­lung des für die Ein­zah­lung des Vor­schus­ses ohne­hin erfor­der­li­chen Zeit­raums her­aus­zu­rech­nen. Danach war die Ein­zah­lung bzw. Über­wei­sung frü­hes­tens am 9.04.2015 zu erwar­ten. Tat­säch­lich haben die Klä­ger den Kos­ten­vor­schus­ses am 23.04.2015 und damit noch inner­halb von 14 Tagen nach die­sem Zeit­punkt gezahlt.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 29. Sep­tem­ber 2017 – V ZR 103/​16

  1. Fort­füh­rung von BGH, Urteil vom 10.07.2015 – V ZR 154/​14, NJW 2015, 2666 []
  2. vgl. nur BGH, Urteil vom 12.01.1996 – V ZR 246/​94, NJW 1996, 1060, 1061 – inso­weit nicht in BGHZ 131, 376 abge­druckt; BGH, Urteil vom 10.02.2011 – VII ZR 185/​07, NJW 2011, 1227 Rn. 8 []
  3. BGH, Urteil vom 10.07.2015 – V ZR 154/​14, NJW 2015, 2666 Rn. 6; Ver­säum­nis­ur­teil vom 25.09.2015 – V ZR 203/​14, NJW 2016, 568 Rn. 9; BGH, Urteil vom 10.02.2011 – VII ZR 185/​07, NJW 2011, 1227 Rn. 8 []
  4. vgl. Bun­des­ge­richts­hof, Ver­säum­nis­ur­teil vom 25.09.2015 – V ZR 203/​14, NJW 2016, 568 Rn. 11; BGH, Urteil vom 16.12 1987 – VIII ZR 4/​87, BGHZ 103, 20, 30; Urteil vom 15.01.1992 – IV ZR 13/​91, NJW-RR 1992, 470, 471 []
  5. BGH, Urteil vom 25.10.2016 – II ZR 230/​15, WM 2017, 294 Rn. 25 []
  6. vgl. BGH, Urteil vom 03.09.2015 – III ZR 66/​14, NJW 2015, 3101 Rn.19: meh­re­re Tage []
  7. II ZR 230/​15, WM 2017, 294 Rn. 25 []
  8. vgl. BGH, Beschluss vom 27.03.2003 – V ZR 291/​02, BGHZ 154, 288, 299 mwN []
  9. JMBl.2014, S. 229 []
  10. Bun­des­an­zei­ger, Bei­la­ge 1 vom 07.04.2014 i.d.F. vom 10.08.2015, Bun­des­an­zei­ger, Bei­la­ge 1 vom 25.08.2015 []
  11. BGH, Urteil vom 10.07.2015 – V ZR 154/​14, NJW 2015, 2666 Rn. 8 zu § 31 Abs. 1, § 32 Abs. 2 KostVfg Ber­lin aF; Urteil vom 03.02.2012 – V ZR 44/​11, NJW-RR 2012, 527 Rn. 11 zu § 31 Abs. 1, § 32 Abs. 2 KostVfg NRW aF []
  12. vgl. BGH, Urteil vom 16.12 1959 – IV ZR 206/​59, BGHZ 31, 351, 354; Beschluss vom 11.05.2006 – IX ZR 171/​03, Fam­RZ 2006, 1029 Rn. 2; Beschluss vom 16.11.2016 – VII ZR 277/​14, ZfBR 2017, 147 Rn. 6 []
  13. vgl. BGH, Beschluss vom 10.07.2015 – V ZR 154/​14, NJW 2015, 2666 Rn. 8 []
  14. BGH, Urteil vom 10.07.2015 – V ZR 154/​14, NJW 2015, 2666 Rn. 9; Urteil vom 03.09.2015 – III ZR 66/​14, NJW 2015, 3101 Rn.19 []