Geschäfts­füh­rung ohne Auf­trag – und der Fremd­ge­schäfts­füh­rungs­wil­le

Geschäfts­füh­rung ohne Auf­trag setzt vor­aus, dass der Geschäfts­füh­rer ein Geschäft "für einen ande­ren" besorgt.

Geschäfts­füh­rung ohne Auf­trag – und der Fremd­ge­schäfts­füh­rungs­wil­le

Das ist der Fall, wenn er das Geschäft nicht (nur) als eige­nes, son­dern (auch) als frem­des führt, also in dem Bewusst­sein und mit dem Wil­len, zumin­dest auch im Inter­es­se eines ande­ren zu han­deln. Hier­bei unter­schei­det der Bun­des­ge­richts­hof zwi­schen objek­tiv und sub­jek­tiv frem­den Geschäf­ten.

Bei objek­tiv frem­den Geschäf­ten, die schon ihrem Inhalt nach in einen frem­den Rechts- und Inter­es­sen­kreis ein­grei­fen, wird der Fremd­ge­schäfts­füh­rungs­wil­le ver­mu­tet. Das­sel­be gilt für den Wil­len, ein frem­des Geschäft mit zu besor­gen, falls es sich auch um ein objek­tiv frem­des Geschäft han­delt, wozu genügt, dass das Geschäft sei­ner äuße­ren Erschei­nung nach nicht nur dem Besor­ger, son­dern auch einem Drit­ten zugu­te­kommt.

Hin­ge­gen erhal­ten objek­tiv (nur) eige­ne oder neu­tra­le Geschäf­te ihren Fremd­cha­rak­ter erst durch den Wil­len des Geschäfts­füh­rers (auch) zu einer Fremd­ge­schäfts­füh­rung. Dafür besteht grund­sätz­lich kei­ne tat­säch­li­che Ver­mu­tung; der Wil­le, ein sol­ches Geschäft zugleich für einen ande­ren zu füh­ren, muss viel­mehr hin­rei­chend nach außen in Erschei­nung tre­ten 1.

Die Fra­ge, ob der Fremd­ge­schäfts­füh­rungs­wil­le nach außen in aus­rei­chen­dem Maße erkenn­bar gemacht wor­den ist, stellt sich ledig­lich bei objek­tiv (nur) eige­nen oder neu­tra­len Geschäf­ten. Bei frem­den oder zumin­dest auch­frem­den-Geschäf­ten wird der Wil­le ver­mu­tet, bedarf es mit­hin kei­ner beson­de­ren zusätz­li­chen Kennt­lich­ma­chung 2.

Zwar käme es auf den Fremd­ge­schäfts­füh­rungs­wil­len nicht an, wenn alter­na­tiv die Vor­aus­set­zun­gen einer ange­maß­ten Eigen­ge­schäfts­füh­rung im Sin­ne des § 687 Abs. 2 BGB vor­lä­gen. Dies wür­de aber vor­aus­set­zen, dass der Geschäfts­füh­rer durch sei­ne Tätig­keit rechts­wid­rig ein aus­schließ­lich frem­des Geschäft des Geschäfts­herrn und nicht ledig­lich ein objek­tiv auch­frem­des-Geschäft führt. Objek­tiv auch­frem­de-Geschäf­te sind grund­sätz­lich nicht ange­maßt im Sin­ne des § 687 Abs. 2 BGB; auf sie ist die Norm nicht anwend­bar 3. Soweit zum Teil in der Lite­ra­tur 4 unter Hin­weis auf das Urteil des I. Zivil­se­nats vom 24.02.1961 5 die Auf­fas­sung ver­tre­ten wird, für § 687 Abs. 2 BGB rei­che ein objek­tiv auch­frem­des-Geschäft, ist die­se Ent­schei­dung nicht ein­schlä­gig. Denn dort ging es um die Fra­ge, inwie­weit der­je­ni­ge, der beim Ver­trieb von Waren ein frem­des Waren­zei­chen schuld­haft ver­letzt, den Gewinn her­aus­ge­ben muss, der auf der eigen­nüt­zi­gen Ver­wer­tung des frem­dem Rechts­guts beruht. Inso­weit hat der I. Zivil­se­nat die rechts­wid­ri­ge Ver­let­zung des Waren­zei­chens als "Aus­beu­tung eines frem­den Rechts" ange­se­hen, die "sich als die Füh­rung eines frem­den, zum aus­schließ­li­chen Rechts­kreis eines ande­ren gehö­ren­den Geschäfts dar­stellt" 6, und dem Geschä­dig­ten einen Anspruch auf den Teil des Gewinns zuer­kannt, der auf die Benut­zung des Waren­zei­chens zurück­zu­füh­ren ist. Bezüg­lich des Ver­kaufs eige­ner Waren lag inso­weit zwar ein eige­nes Geschäft, bezüg­lich der Ver­wen­dung des frem­den Kenn­zei­chens aber nur ein frem­des und nicht ein auch­frem­des-Geschäft vor 7.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 1. Febru­ar 2018 – III ZR 53/​17

  1. vgl. nur BGH, Urtei­le vom 23.09.1999 – III ZR 322/​98, NJW 2000, 72 f und 2.11.2006 – III ZR 274/​05, NJW-RR 2007, 63 Rn. 15, jeweils mwN; sie­he auch BGH, Urtei­le vom 21.10.2003 – X ZR 66/​01, NJW-RR 2004, 81, 82 f und 27.05.2009 – VIII ZR 302/​07, NJW 2009, 2590 Rn. 18[]
  2. vgl. nur BGH, Urteil vom 23.09.1999 aaO; sie­he auch BGH, Urtei­le vom 20.06.1963 – VII ZR 263/​61, BGHZ 40, 28, 30 f; vom 25.11.1981 – VIII ZR 299/​80, BGHZ 82, 323, 330 f; vom 08.07.2003 – VI ZR 274/​02, NJW 2003, 3193, 3195; vom 21.10.2003; und vom 27.05.2009, jeweils aaO[]
  3. vgl. nur BGH, Urteil vom 23.09.1999 – III ZR 322/​98, NJW 2000, 72, 73; Palandt-Sprau, BGB, 76. Aufl., § 687 Rn. 2a; Soergel/​Beuthien, BGB, 13. Aufl., § 687 Rn. 6; sie­he auch Staudinger/​Bergmann, BGB, Neu­be­ar­bei­tung 2015, § 687 Rn. 14, 16[]
  4. vgl. Münch­Komm-BGB/Schä­fer, 7. Aufl., § 687 Rn. 14 mwN[]
  5. BGH, Urteil vom 24.02.1961 – I ZR 83/​59, BGHZ 34, 320[]
  6. BGH, aaO S. 323[]
  7. sie­he hier­zu auch Erman/​Dornis, BGB, 15. Aufl., § 687 Rn. 4; BeckOGK/​Hartmann, BGB, § 687, Stand: 1.12 2017, Rn. 41.1[]