Geschäfts­herr, Ver­rich­tungs­ge­hil­fe – und die delik­ti­sche Haf­tung

Ob ein Geschäftsherrn/​Verrichtungsgehilfenverhältnis besteht, beur­teilt sich nach den tat­säch­li­chen Umstän­den.

Geschäfts­herr, Ver­rich­tungs­ge­hil­fe – und die delik­ti­sche Haf­tung

Ent­schei­dend für die Ver­rich­tungs­ge­hil­fen­ei­gen­schaft ist aber, dass die Tätig­keit in einer abhän­gi­gen Stel­lung vor­ge­nom­men wird und der Geschäfts­herr die Tätig­keit des Han­deln­den jeder­zeit beschrän­ken oder ent­zie­hen oder nach Zeit und Umfang bestim­men kann 1. Die Qua­li­fi­ka­ti­on als Ver­rich­tungs­ge­hil­fe setzt Abhän­gig­keit und Wei­sungs­ge­bun­den­heit vor­aus 2. Der Geschäfts­herr haf­tet für einen Ver­rich­tungs­ge­hil­fen des­halb, weil er auf­grund eines objek­ti­ven Abhän­gig­keits­ver­hält­nis­ses befugt ist, auf das Ver­hal­ten des Drit­ten tat­säch­lich Ein­fluss zu neh­men und gege­be­nen­falls auch das Ver­hält­nis zu die­sem zu been­den. Bestehen­de Zwei­fel gehen zu Las­ten des Anspruch­stel­lers, dem grund­sätz­lich der Beweis dafür obliegt, dass ihm der gel­tend gemach­te Scha­den von einem Ver­rich­tungs­ge­hil­fen des Geschäfts­herrn zuge­fügt wor­den ist 3.

Dem als Geschäfts­herr in Anspruch Genom­me­nen obliegt kei­ne sekun­dä­re Dar­le­gungs­last für Umstän­de, aus denen sich ergibt, dass der Han­deln­de nicht sein Ver­rich­tungs­ge­hil­fe war.

Die Annah­me einer sekun­dä­ren Dar­le­gungs­last setzt vor­aus, dass die nähe­re Dar­le­gung dem Behaup­ten­den nicht mög­lich oder nicht zumut­bar ist, wäh­rend der Bestrei­ten­de alle wesent­li­chen Tat­sa­chen kennt und es ihm zumut­bar ist, nähe­re Anga­ben zu machen 4. Ob und inwie­weit die nicht dar­le­gungs­be­las­te­te Par­tei ihren Sach­vor­trag sub­stan­ti­ie­ren muss, lässt sich nur aus dem Wech­sel­spiel von Vor­trag und Gegen­vor­trag bestim­men, wobei die Ergän­zung und Auf­glie­de­rung des Sach­vor­trags bei hin­rei­chen­dem Gegen­vor­trag immer zunächst Sache der dar­le­gungs- und beweis­pflich­ti­gen Par­tei ist 5. Eine dar­über hin­aus­ge­hen­de Sub­stan­ti­ie­rungs­last trifft die nicht beweis­be­las­te­te Par­tei nur aus­nahms­wei­se dann, wenn der dar­le­gungs­pflich­ti­ge Geg­ner außer­halb des von ihm dar­zu­le­gen­den Gesche­hens­ab­laufs steht und die maß­ge­ben­den Tat­sa­chen nicht näher kennt, wäh­rend sie der ande­ren Par­tei bekannt und ihr ergän­zen­de Anga­ben zuzu­mu­ten sind 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 3. Juni 2014 – VI ZR 394/​13

  1. vgl. BGH, Urtei­le vom 10.12 2013 – VI ZR 534/​12, VersR 2014, 466 Rn. 12; vom 06.11.2012 – VI ZR 174/​11, VersR 2013, 203 Rn. 15; vom 10.03.2009 – VI ZR 39/​08, VersR 2009, 784 Rn. 11; BGH, Urtei­le vom 30.06.1966 – VII ZR 23/​65, BGHZ 45, 311, 313; und vom 12.06.1997 – I ZR 36/​95, VersR 1998, 862, 863[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 25.02.1988 – VII ZR 348/​86, BGHZ 103, 298, 303; Münch­Komm-BGB-Wag­ner, 6. Aufl., § 831 Rn. 14[]
  3. vgl. BGH, Urtei­le vom 10.12 2013 – VI ZR 534/​12, aaO; und vom 21.06.1994 – VI ZR 215/​93, VersR 1994, 1202, 1203[]
  4. vgl. BGH, Urtei­le vom 10.12 2013 – VI ZR 534/​12, aaO Rn. 17; und vom 17.03.1987 – VI ZR 282/​85, BGHZ 100, 190, 195 f.; BGH, Urteil vom 07.12 1998 – II ZR 266/​97, BGHZ 140, 156, 158; BGH, Beschluss vom 25.03.2014 – VI ZR 271/​13 7[]
  5. vgl. BGH, Urtei­le vom 01.04.1993 – VII ZR 22/​92, DtZ 1993, 278, 280; und vom 30.09.1993 – VII ZR 178/​91, NJW 1993, 3196; jeweils mwN; vom 03.02.1999 – VIII ZR 14/​98, NJW 1999, 1404, 1405[]
  6. st. Rspr., vgl. z.B. BGH, Urteil vom 11.06.1990 – II ZR 159/​89, WM 1990, 1844, 1846; vom 17.10.1996 – IX ZR 293/​95, WM 1996, 2253, 2254[]