Geschäfts­ver­tei­lung ohne Rosi­nen­pi­cken

Die Geschäfts­ver­tei­lung inner­halb eines Spruch­kör­pers darf nicht in der Wei­se gere­gelt oder geän­dert wer­den, dass Rich­tern aus­ge­such­te Sachen zuge­wie­sen wer­den. Die ein­zel­ne Sache muss auf­grund all­ge­mei­ner und hin­rei­chend bestimm­ter Regeln, die sich bis auf die letz­te Rege­lungs­stu­fe erstre­cken, an den ent­schei­den­den Rich­ter gelan­gen. Dies stell­te der Bun­des­ge­richts­hof jetzt in einer aktu­el­len Ent­schei­dung fest, mit der ein Urteil des Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richts Ham­burg auf­ge­ho­ben wur­de.

Geschäfts­ver­tei­lung ohne Rosi­nen­pi­cken

Ein Gericht ist nicht vor­schrifts­mä­ßig besetzt, wenn die Mit­wir­kungs­grund­sät­ze nicht den nach §§ 21 e, 21 g GVG zu stel­len­den Anfor­de­run­gen ent­spre­chen 1. Die Geschäfts­ver­tei­lung inner­halb eines Spruch­kör­pers darf nicht in der Wei­se gere­gelt oder geän­dert wer­den, dass Rich­tern aus­ge­such­te Sachen zuge­wie­sen wer­den. Die ein­zel­ne Sache muss auf­grund all­ge­mei­ner und hin­rei­chend bestimm­ter Regeln, die sich bis auf die letz­te Rege­lungs­stu­fe erstre­cken, an den ent­schei­den­den Rich­ter gelan­gen 2. Auch die Ver­än­de­rung der Zutei­lung bereits anhän­gi­ger Ver­fah­ren muss sich – von Aus­nah­me­fäl­len ins­be­son­de­re in Straf­sa­chen abge­se­hen 3 – wie jede Geschäfts­ver­tei­lung nach all­ge­mei­nen Merk­ma­len rich­ten, um eine will­kür­li­che Beset­zung des Gerichts zu ver­mei­den 4. Für die Geschäfts­ver­tei­lung inner­halb eines Spruch­kör­pers bei einem mit meh­re­ren Rich­tern besetz­ten Spruch­kör­per oder bei der Bestim­mung des Ein­zel­rich­ters nach § 21 g Abs. 3 GVG gel­ten inso­weit die glei­chen Grund­sät­ze wie für die Geschäfts­ver­tei­lung inner­halb des Gerichts 5, auch wenn wegen eines Wech­sels in der Beset­zung eine Ände­rung des senats­in­ter­nen Geschäfts­ver­tei­lungs­plans nötig wird (§ 21 g Abs. 2 GVG).

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 25. Mai 2009 – II ZR 259/​07

  1. BGH, Urteil vom 25. März 2009 – XII ZR 75/​06, z.V.b. Tz. 9; Urteil vom 16. Okto­ber 2008 – IX ZR 183/​06, ZIP 2009, 91 Tz. 3[]
  2. BGH, Urteil vom 25. März 2009 – XII ZR 75/​06, z.V.b. Tz. 15[]
  3. vgl. BVerfG, Beschluss vom 18. März 2009 – 2 BvR 229/​09, juris Tz. 26; BGHSt 44, 161, 165[]
  4. BGH, Urteil vom 25. März 2009 – XII ZR 75/​06, z.V.b. Tz. 15; Urteil vom 16. Okto­ber 2008 – IX ZR 183/​06, ZIP 2009, 91 Tz. 10[]
  5. vgl. BVerfG, NJW 1997, 1497, 1498; BGH Urteil vom 25. März 2009 – XII ZR 75/​06, z.V.b. Tz. 15; Beschluss vom 29. Sep­tem­ber 1999 – 1 StR 460/​99, NJW 2000, 371[]