Gesell­schaf­ter­wech­sel bei der Grund­stücks-GbR und das Grund­buch

Bei der Ver­fol­gung des Rechts aus der Hypo­thek gilt zuguns­ten des Gläu­bi­gers der­je­ni­ge, wel­cher im Grund­buch als Eigen­tü­mer ein­ge­tra­gen ist, als der Eigen­tü­mer, § 1148 Satz 1 BGB. Dies gilt auch für den Gläu­bi­ger einer § 1192 Abs. 1 BGB.

Gesell­schaf­ter­wech­sel bei der Grund­stücks-GbR und das Grund­buch

Die­se Eigen­tü­mer­fik­ti­on des § 1148 Satz 1 BGB ist auf die ein­ge­tra­ge­nen Gesell­schaf­ter einer GbR auch dann ent­spre­chend anwend­bar, wenn einer davon ver­stor­ben ist. Einer Rechts­nach­fol­ge­klau­sel ana­log § 727 ZPO bedarf es nicht, wenn die aus dem Titel aus­ge­wie­se­nen Gesell­schaf­ter einer GbR bei Anord­nung der Zwangs­ver­stei­ge­rung mit den im Grund­buch ein­ge­tra­ge­nen über­ein­stim­men [1].

Der Tod eines Gesell­schaf­ters ließ in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall den Bestand der Gesell­schaft unbe­rührt: der Anteil des ver­stor­be­nen Gesell­schaf­ters ist nicht dem ande­ren Gesell­schaf­ter ange­wach­sen, was zu einem Erlö­schen der Gesell­schaft und zum Weg­fall der bis­he­ri­gen Schuld­ne­rin geführt hät­te. Viel­mehr ist nach § 6 Abs. 1 des Gesell­schafts­ver­trags an der Stel­le des Ver­stor­be­nen zunächst des­sen Erbe Gesell­schaf­ter gewor­den.

Eine neue Rechts­nach­fol­ge­klau­sel war auch nicht des­we­gen erfor­der­lich, weil sich durch das Aus­schei­den des ver­stor­be­nen Gesell­schaf­ters der Gesell­schaf­ter­be­stand ver­än­dert hat­te. Der Gesell­schaf­ter­wech­sel war bei Anord­nung der Zwangs­ver­wal­tung näm­lich noch nicht in das Grund­buch ein­ge­tra­gen wor­den. Des­halb gal­ten in ent­spre­chen­der Anwen­dung von § 1148 Satz 1 und § 1192 Abs. 1 BGB zuguns­ten der Gläu­bi­ge­rin die ein­ge­tra­ge­nen Gesell­schaf­ter als Gesell­schaf­ter der Schuld­ne­rin.

Nach die­sen Vor­schrif­ten gilt bei der Ver­fol­gung des Rechts aus einer Hypo­thek oder Grund­schuld zuguns­ten des Gläu­bi­gers der­je­ni­ge, der im Grund­buch als Eigen­tü­mer ein­ge­tra­gen ist, als der Eigen­tü­mer. Die­se unwi­der­leg­li­che Fik­ti­on [2] wen­det der Bun­des­ge­richts­hof auf den hier vor­lie­gen­den Fall ent­spre­chend an, dass die im Grund­buch ein­ge­tra­ge­nen Gesell­schaf­ter einer GbR in Wirk­lich­keit nicht mehr deren Gesell­schaf­ter sind [3]. Dage­gen wird ein­ge­wandt, die Vor­schrift des § 1148 BGB set­ze schon in ihrem unmit­tel­ba­ren Anwen­dungs­be­reich die Exis­tenz des ein­ge­tra­ge­nen Eigen­tü­mers vor­aus und ermög­li­che kei­ne "Voll­stre­ckung gegen einen Toten"; das schlie­ße eine ent­spre­chen­de Anwen­dung der Vor­schrift bei Tod eines ein­ge­tra­ge­nen Gesell­schaf­ters aus. In die­sem Fall bedür­fe es einer neu­en Rechts­nach­fol­ge­klau­sel [4]. Dem­ge­gen­über wird, über die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs hin­aus­ge­hend, gefor­dert, § 1148 Satz 1 BGB ent­spre­chend auch auf die Exis­tenz einer GbR und auf die Befug­nis der ein­ge­tra­ge­nen Gesell­schaf­ter anzu­wen­den, die Zustel­lung der Hypo­the­ken­kla­ge ent­ge­gen­zu­neh­men [5].

Ob der zuletzt genann­ten Mei­nung zu fol­gen wäre, was zwei­fel­haft ist, bedarf im vor­lie­gen­den Fall kei­ner Ent­schei­dung, da die Schuld­ne­rin als Gesell­schaft wei­ter­hin besteht. Der Ein­wand gegen die ent­spre­chen­de Anwen­dung von § 1148 BGB auf den im Grund­buch ein­ge­tra­ge­nen Gesell­schaf­ter­be­stand ist unbe­rech­tigt.

Es ist zwar rich­tig, dass § 1148 Satz 1 BGB dem Gläu­bi­ger nicht die Mög­lich­keit ver­schafft, eine Hypo­the­ken- (oder Grund­schuld-) Kla­ge gegen den Erb­las­ser zu erhe­ben [6]. Im vor­lie­gen­den Fall geht es aber weder um eine Grund­schuld­kla­ge gegen den ver­stor­be­nen Gesell­schaf­ter noch über­haupt um eine Voll­stre­ckung in des­sen Ver­mö­gen. Die Gläu­bi­ge­rin betreibt die Voll­stre­ckung viel­mehr in das Gesell­schafts­ver­mö­gen der GbR, der der ver­stor­be­ne Gesell­schaf­ter ange­hör­te. Es geht auch nicht (mehr) dar­um, ob die all­ge­mei­nen Vor­aus­set­zun­gen für eine Voll­stre­ckung in das Gesell­schafts­ver­mö­gen (Titel, Voll­stre­ckungs­klau­sel und Titel­zu­stel­lung) gege­ben sind. Die­se lie­gen viel­mehr vor.

Zu beant­wor­ten ist allein die Fra­ge, ob anhand der von der Gläu­bi­ge­rin vor­ge­leg­ten Voll­stre­ckungs­un­ter­la­gen die nach § 17 Abs. 1 Fall 1 ZVG zusätz­lich erfor­der­li­che Fest­stel­lung getrof­fen wer­den kann, dass der aus dem Voll­stre­ckungs­ti­tel aus­ge­wie­se­ne Schuld­ner als Eigen­tü­mer des zu ver­stei­gern­den Grund­stücks im Grund­buch ein­ge­tra­gen ist. Die­se Prü­fung hat bei dem Merk­mal anzu­set­zen, anhand des­sen die Iden­ti­tät des Schuld­ners mit dem ein­ge­tra­ge­nen Eigen­tü­mer fest­ge­stellt wer­den kann. Das ist bei einer GbR, um die es hier geht, nicht deren eige­ner Name; es sind viel­mehr die Namen ihrer Gesell­schaf­ter. Unter deren Anga­be ist die GbR nach § 47 Abs. 2 Satz 1 GBO in das Grund­buch ein­zu­tra­gen. Eine Ver­än­de­rung des Gesell­schaf­ter­be­stands ist nach § 82 Satz 3 GBO im Grund­buch nach­zu­voll­zie­hen. Das Ver­trau­en des Rechts­ver­kehrs auf die Rich­tig­keit die­ser iden­ti­täts­stif­ten­den Ein­tra­gung wird bei Rechts­ge­schäf­ten durch § 899a BGB geschützt. Die­se Funk­ti­on über­nimmt im Voll­stre­ckungs­recht die Vor­schrift des § 1148 Satz 1 BGB, die dem Gläu­bi­ger die Durch­set­zung sei­nes ding­li­chen Anspruchs erleich­tern soll und dazu die Ein­tra­gung des Eigen­tü­mers als rich­tig fin­giert, auch wenn sie es nicht ist [7]. Das recht­fer­tigt es, die Vor­schrift nicht nur auf die Ein­tra­gung der GbR als Eigen­tü­me­rin, son­dern auch auf die Ein­tra­gung ihrer Gesell­schaf­ter anzu­wen­den. Denn den erfor­der­li­chen Nach­weis, dass sein Schuld­ner auch Eigen­tü­mer des Grund­stücks ist, in das er voll­stre­cken möch­te, kann der Gläu­bi­ger, wenn der Schuld­ner eine GbR ist, nur füh­ren, wenn die Gesell­schafter­lis­te des Grund­buchs mit der des Voll­stre­ckungs­ti­tels über­ein­stimmt. Dafür ist es ohne Bedeu­tung, aus wel­chem Grund ein ein­ge­tra­ge­ner Gesell­schaf­ter einer GbR es jetzt nicht mehr ist und ob er noch lebt. Denn es geht nicht um den Abschluss von Rechts­ge­schäf­ten mit der GbR, für den es auch auf die Ver­tre­tungs­be­fug­nis ankommt, son­dern allein um deren Iden­ti­tät. Dafür kommt es auf die fort­be­stehen­de Ein­tra­gung des Gesell­schaf­ters im Grund­buch, nicht auf sei­ne Exis­tenz an (sofern nur – wie hier – die GbR selbst exis­tiert).

Etwas ande­res ergibt sich auch nicht dar­aus, dass der Beschluss über die Anord­nung der Zwangs­ver­stei­ge­rung einer GbR nicht zu Hän­den eines Gesell­schaf­ters zuge­stellt wer­den könn­te, der nicht mehr lebt. Das wäre bei ein­ge­tra­ge­nen Gesell­schaf­tern, die nicht zur Ver­tre­tung der GbR befugt sind, nicht anders. Vor allem aber betrifft das nicht die Zuläs­sig­keit der Anord­nung der Zwangs­ver­stei­ge­rung, son­dern die davon zu tren­nen­de Fra­ge nach dem Wirk­sam­wer­den die­ser Anord­nung. Gegen­über einer GbR kann die Anord­nung der Zwangs­ver­stei­ge­rung auch dann wirk­sam wer­den, wenn einer der ein­ge­tra­ge­nen Gesell­schaf­ter ver­stor­ben ist. Dazu wür­de es näm­lich genü­gen, wenn die Anord­nung einem (ande­ren) ver­tre­tungs­be­rech­tig­ten Gesell­schaf­ter zuge­stellt wird.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Febru­ar 2011 – V ZB 253/​10

  1. Bestä­ti­gung von BGH, Beschluss vom 02.12.2010 – V ZB 84/​10, WM 2011, 239[]
  2. so: RGZ 94, 55, 57[]
  3. BGH, Beschluss vom 02.12.2010 – V ZB 84/​10, aaO S. 241 Rn. 21[]
  4. Bestel­mey­er, ZfIR 2011, 117, 119 f.[]
  5. Staudinger/​Wolfsteiner, BGB [2009], § 1148 Rn. 1 und 3[]
  6. Staudinger/​Wolfsteiner, aaO, § 1148 Rn. 1[]
  7. RGZ 94, 55, 57[]