Geson­der­te Ent­schei­dung über das Wie­der­ein­set­zungs­ge­such – und ihre Rechts­kraft

Bei geson­der­ter Ent­schei­dung über das Wie­der­ein­set­zungs­ge­such muss die­se mit dem statt­haf­ten Rechts­mit­tel ange­grif­fen wer­den, weil andern­falls die Ent­schei­dung über den Wie­der­ein­set­zungs­an­trag rechts­kräf­tig und für die Ent­schei­dung über die Ver­wer­fung des Rechts­mit­tels bin­dend wird 1.

Geson­der­te Ent­schei­dung über das Wie­der­ein­set­zungs­ge­such – und ihre Rechts­kraft

Aller­dings ist die betrof­fe­ne Par­tei unter dem Aspekt der Rechts­kraft – soweit die Wie­der­ein­set­zungs­frist des § 234 ZPO gewahrt ist, die bei Gel­tend­ma­chung meh­re­rer Hin­de­rungs­grün­de erst mit der Besei­ti­gung des letz­ten Hin­de­rungs­grunds zu lau­fen beginnt – nicht gehin­dert, nach­fol­gend wei­te­re Wie­der­ein­set­zungs­grün­de gel­tend zu machen, über die noch nicht ent­schie­den wor­den ist 2.

Gemes­sen hier­an war die Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts über den Wie­der­ein­set­zungs­an­trag für sei­ne nach­fol­gen­de Ent­schei­dung über die Ver­wer­fung des Rechts­mit­tels bin­dend. Denn die Antrag­stel­le­rin hat ver­ab­säumt, gemäß § 113 Abs. 1 FamFG i.V.m. § 238 Abs. 2 ZPO und §§ 117 Abs. 1 Satz 4 FamFG i.V.m. §§ 574 Abs. 1 Nr. 1, 522 Abs. 1 Satz 4 ZPO Rechts­be­schwer­de gegen den Beschluss vom 22.06.2016 ein­zu­le­gen.

Dar­an ändert auch nichts, dass die Antrag­stel­le­rin hier­ge­gen Gegen­vor­stel­lung erho­ben hat. Zum einen hat sie mit die­ser nur die bereits von ihr gel­tend gemach­ten Wie­der­ein­set­zungs­grün­de zu bekräf­ti­gen ver­sucht, also kei­nen neu­en Wie­der­ein­set­zungs­grund genannt. Zum ande­ren ist die Gegen­vor­stel­lung gegen­über dem ordent­li­chen Rechts­be­helf, hier also der Rechts­be­schwer­de, nach­ran­gig 3.

Schließ­lich ent­fällt die Bin­dung an den Beschluss vom 22.06.2016 auch nicht des­halb, weil das Ober­lan­des­ge­richt in sei­ner Ent­schei­dung über die Ver­wer­fung der Beschwer­de die Grün­de, war­um eine Wie­der­ein­set­zung nicht zu gewäh­ren sei, fast wort­gleich wie­der­holt hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 1. März 2017 – XII ZB 448/​16

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 08.01.2016 – I ZB 41/​15 , NJW-RR 2016, 507, Rn. 14; vom 16.04.2002 – VI ZB 23/​00 , NJW 2002, 2397, 2398 und BGH, Beschluss vom 07.10.1981 – IVb ZB 825/​81 , Fam­RZ 1982, 163; Beck­OK ZPO/​Wendtland [Stand: 1.12 2016] § 238 Rn. 18; Musielak/​Voit/​Grandel ZPO 12. Aufl. § 238 Rn. 7[]
  2. BGH Beschluss vom 08.01.2016 – I ZB 41/​15 , NJW-RR 2016, 507 Rn. 14[]
  3. vgl. Thomas/​Putzo/​Reichold ZPO 37. Aufl. Vor­bem. § 567 Rn. 14; Zöller/​Heßler ZPO 31. Aufl. § 567 Rn. 23 jew. mwN[]