Gesund­heits­scha­den durch Arz­nei­mit­tel­kon­sum

Ist nach einer Arz­nei­mit­tel­ein­nah­me ein Gesund­heits­scha­den ein­ge­tre­ten und ist das ange­wen­de­te Arz­nei­mit­tel nach den Gege­ben­hei­ten des Ein­zel­falls geeig­net, den Scha­den zu ver­ur­sa­chen, so wird gemäß § 84 Abs. 2 AMG – durch den Arz­nei­mit­tel­her­stel­ler wider­leg­bar – ver­mu­tet, dass der Scha­den durch die­ses Arz­nei­mit­tel ver­ur­sacht ist.

Gesund­heits­scha­den durch Arz­nei­mit­tel­kon­sum

Die­se Kau­sa­li­täts­ver­mu­tung des § 84 Abs. 2 AMG ist durch Art. 1 Nr. 1 des Zwei­ten Geset­zes zur Ände­rung scha­dens­er­satz­recht­li­cher Vor­schrif­ten vom 19. Juli 2002 1 in das Arz­nei­mit­tel­ge­setz ein­ge­fügt wor­den. Sie ist gemäß Art. 229 § 8 Abs. 1 EGBGB anzu­wen­den, wenn das schä­di­gen­de Ereig­nis nach dem 31. Juli 2002 ein­ge­tre­ten ist. Weil § 84 AMG eine Gefähr­dungs­haf­tung des phar­ma­zeu­ti­schen Unter­neh­mers anord­net, ist dabei nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen auf den Zeit­punkt des Ein­tritts der Rechts­guts­ver­let­zung abzu­stel­len, da erst die­se die Haf­tung aus­löst 2.

Maß­geb­lich ist daher nicht das 'Datum der Medi­ka­men­ten­ein­nah­me, son­dern der – evtl. erst spä­ter erfolg­te – Ein­tritt des Gesund­heits­scha­dens.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 16. März 2010 – VI ZR 64/​09

  1. BGBl. I, S. 2674[]
  2. vgl. Münch­Komm-BGB/Oet­ker, 4. Aufl., Art. 229 § 8 EGBGB, Rn. 16 m.w.N.[]