Gesund­heits­ver­let­zung – und die Fest­stel­lung der Ver­pflich­tung zum Ersatz künf­ti­ger Schä­den

Wird – wie hier – Kla­ge auf Fest­stel­lung der Ver­pflich­tung zum Ersatz künf­ti­ger mate­ri­el­ler Schä­den erho­ben, die aus der Ver­let­zung eines abso­lu­ten Rechts­guts – hier: der Gesund­heit – resul­tie­ren, liegt ein Fest­stel­lungs­in­ter­es­se vor, wenn zukünf­ti­ge Scha­dens­fol­gen mög­lich, ihre Art und ihr Umfang, sogar ihr Ein­tritt aber noch unge­wiss sind 1.

Gesund­heits­ver­let­zung – und die Fest­stel­lung der Ver­pflich­tung zum Ersatz künf­ti­ger Schä­den

Glei­ches gilt im Hin­blick auf die­Fest­stel­lung einer Ersatz­pflicht für künf­ti­ge imma­te­ri­el­le Schä­den, die aus einer Gesund­heits­ver­let­zung resul­tie­ren. Das recht­li­che Inter­es­se an einer als­bal­di­gen Fest­stel­lung ist dann gege­ben, wenn eine nicht eben ent­fernt lie­gen­de Mög­lich­keit künf­ti­ger Ver­wirk­li­chung der Scha­dens­er­satz­pflicht durch Auf­tre­ten wei­te­rer, bis­her noch nicht erkenn­ba­rer und vor­aus­seh­ba­rer Lei­den besteht 2.

In dem hier vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fall steht zwar nicht fest, ob und wel­che Kos­ten auf­grund der Behand­lung der von der Arbeit­neh­me­rin behaup­te­ten psy­chi­schen Erkran­kung noch ent­ste­hen wer­den und ob und wel­che Ver­dienstein­bu­ßen die Arbeit­neh­me­rin dau­er­haft erlei­den wird. Aller­dings sind der­ar­ti­ge künf­ti­ge Scha­dens­fol­gen auch nicht von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen. Glei­ches gilt im Hin­blick auf eine etwai­ge Ersatz­pflicht der Arbeit­ge­be­rin für künf­ti­ge imma­te­ri­el­le Schä­den. Nach dem Vor­brin­gen der Arbeit­neh­me­rin dau­ert ihre psy­chi­sche Erkran­kung an, sodass die nicht nur ent­fernt lie­gen­de Mög­lich­keit künf­ti­ger Ver­wirk­li­chung der Scha­dens­er­satz­pflicht durch Auf­tre­ten wei­te­rer, bis­her noch nicht erkenn­ba­rer und vor­aus­seh­ba­rer Lei­den besteht.

Der grund­sätz­li­che Vor­rang der Leis­tungs­kla­ge steht der Zuläs­sig­keit des Fest­stel­lungs­an­trags auch dann nicht ent­ge­gen, wenn die Kla­ge wegen eines Teils des sich ent­wi­ckeln­den Scha­dens schon bei Kla­ge­er­he­bung hät­te bezif­fert wer­den kön­nen. Eine Par­tei ist nicht gehal­ten, ihre Kla­ge in eine Leis­tungs- und eine Fest­stel­lungs­kla­ge auf­zu­spal­ten, wenn ein Teil des Scha­dens schon ent­stan­den und mit der Ent­ste­hung eines wei­te­ren Scha­dens nach ihrem Vor­trag noch zu rech­nen ist 3.

Bun­des­ar­beits­ge­richt, Urteil vom 15. Sep­tem­ber 2016 – 8 AZR 351/​15

  1. vgl. etwa BGH 26.02.2013 – XI ZR 445/​10, Rn. 31; 24.01.2006 – XI ZR 384/​03, Rn. 27, BGHZ 166, 84; 16.01.2001 – VI ZR 381/​99, zu II 2 der Grün­de[]
  2. vgl. etwa BGH 2.12 1966 – VI ZR 88/​66, zu II der Grün­de[]
  3. vgl. BGH 6.03.2012 – VI ZR 167/​11, Rn. 3; 8.07.2003 – VI ZR 304/​02, zu II 1 der Grün­de[]