Gewähr­leis­tung­fris­ten – und die Ver­jäh­rungs­hem­mung bei der ver­kauf­ten Eigen­tums­woh­nung

Nur die Kla­ge des mate­ri­ell zur Rechts­aus­übung Berech­tig­ten 1 hemmt die Ver­jäh­rung, eine nach­träg­li­che Ermäch­ti­gung wirkt nicht auf den Zeit­punkt der Kla­ge­er­he­bung zurück 2.

Gewähr­leis­tung­fris­ten – und die Ver­jäh­rungs­hem­mung bei der ver­kauf­ten Eigen­tums­woh­nung

Rech­te auf Min­de­rung und "klei­nen" Scha­dens­er­satz wegen beheb­ba­rer Män­gel am Gemein­schafts­ei­gen­tum 3 wer­den bei dem nach Werk­ver­trags­recht zu beur­tei­len­den Erwerb einer neu errich­te­ten Woh­nung vom Bau­trä­ger als gemein­schafts­be­zo­gen im Sin­ne von § 10 Abs. 6 Satz 3 WEG qua­li­fi­ziert. Infol­ge­des­sen ist die Befug­nis des ein­zel­nen Woh­nungs­ei­gen­tü­mers zur Gel­tend­ma­chung sei­ner indi­vi­du­al­ver­trag­li­chen Rech­te aus­nahms­wei­se aus­ge­schlos­sen 4. Sol­che Rech­te begrün­den eine gebo­re­ne Aus­übungs­be­fug­nis der Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft 5; auch die Vor­aus­set­zun­gen für die­se Ansprü­che kann nur die Woh­nungs­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft schaf­fen 6.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat jedoch ent­schie­den 7, dass allein nach Kauf­recht zu beur­tei­len­de Ansprü­che auf Min­de­rung und "klei­nen" Scha­dens­er­satz jeden­falls dann nicht in den Anwen­dungs­be­reich des § 10 Abs. 6 Satz 3 Halb­satz 1 WEG fal­len, wenn – wie hier – eine gebrauch­te Eigen­tums­woh­nung unter Aus­schluss der Haf­tung für Sach­män­gel ver­kauft und eine Beschaf­fen­heits­ga­ran­tie nicht ver­ein­bart wor­den ist.

Die Ent­schei­dung betrifft zwar unmit­tel­bar nur das seit der Schuld­rechts­re­form gel­ten­de Kauf­recht. Für das hier anwend­ba­re alte Recht gilt aber nichts ande­res, zumal dem Käu­fer danach – anders als nun­mehr nach § 439 BGB – kein Anspruch auf Nach­er­fül­lung ein­ge­räumt war.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 24. Juli 2015 – V ZR 145/​14

  1. vgl. BGH, Urteil vom 09.11.1966 – V ZR 176/​63, BGHZ 46, 221, 229[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 20.06.2013 – VII ZR 71/​11, NZM 2013, 652 Rn. 12; BGH, Urteil vom 29.10.2009 – I ZR 191/​07, NJW 2010, 2270 Rn. 38; Staudinger/​Peters/​Jacoby, BGB [2014], § 204 Rn. 7 f.[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 15.02.1990 – VII ZR 269/​88, BGHZ 110, 258, 261, Klein in Bär­mann, WEG, 12. Aufl., Anh. § 10 Rn. 17[]
  4. vgl. BGH, Urtei­le vom 23.02.2006 – VII ZR 84/​05, NJW 2006, 2254 Rn. 15 und 18; vom 12.04.2007 – VII ZR 236/​05, BGHZ 172, 42 Rn.19; vom 30.04.1998 – VII ZR 47/​97, NJW 1998, 2967, 2968; vom 06.06.1991 – VII ZR 372/​89, BGHZ 114, 383, 387; vom 10.05.1979 – VII ZR 30/​78, BGHZ 74, 258, 263 ff.; zur Anwen­dung von Werk­ver­trags­recht beim Abver­kauf sanier­ter Alt­bau­ten BGH, Urteil vom 26.04.2007 – VII ZR 210/​05, NJW 2007, 3275 Rn. 18 ff.[]
  5. BGH, Urtei­le vom 23.02.2006 – VII ZR 84/​05, NJW 2006, 2254 Rn. 15; vom 12.04.2007 – VII ZR 236/​05, BGHZ 172, 42 Rn.19[]
  6. BGH, Urteil vom 23.02.2006 – VII ZR 84/​05, NJW 2006, 2254 Rn. 18[]
  7. BGH, Urteil vom 24.07.2015 – V ZR 167/​14[]