Gewähr­leis­tungs­fris­ten für den Fuß­ball­ra­sen

Bei der Erneue­rung eines Trai­nings­plat­zes mit Roll­ra­sen, Rasen­trag­schicht, Bewäs­se­rungs­an­la­ge, Rasen­hei­zung und Kunst­fa­ser­ver­stär­kung han­delt es sich um Arbei­ten bei einem Bau­werk im Sin­ne des § 638 Abs. 1 Satz 1 BGB a.F. Bei Unter­su­chun­gen von Pro­ben der Rasen­trag­schicht bei einem sol­chen Trai­nings­platz, die für den Unter­neh­mer erkenn­bar dazu die­nen, die Funk­tio­na­li­tät des Trai­nings­plat­zes in sei­ner Gesamt­heit sicher­zu­stel­len, han­delt es sich eben­falls um Arbei­ten bei einem Bau­werk im Sin­ne des § 638 Abs. 1 Satz 1 BGB a.F.

Gewähr­leis­tungs­fris­ten für den Fuß­ball­ra­sen

Bei den beschrie­be­nen Leis­tun­gen han­delt es sich um Werk­leis­tun­gen, die nach Werk­ver­trags­recht zu beur­tei­len sind, wobei bezüg­lich der gel­tend gemach­ten Schä­den Scha­dens­er­satz­an­sprü­che nach § 635 BGB a.F. in Betracht kom­men.

Die Erneue­rung des Trai­nings­plat­zes und die vor­ge­nom­me­nen Unter­su­chun­gen sind nicht als Arbei­ten an einem Grund­stück ein­zu­stu­fen, so dass nicht die ein­jäh­ri­ge Ver­jäh­rungs­frist des § 638 Abs. 1 Satz 1 BGB a.F. greift.

Auf vor dem 1. Janu­ar .2002 bereits ver­jähr­te Ansprü­che ist aus­schließ­lich das Bür­ger­li­che Gesetz­buch in der bis zum 31.12.2001 gel­ten­den Fas­sung anzu­wen­den 1, wäh­rend auf am 1. Janu­ar 2002 noch nicht ver­jähr­te Ansprü­che grund­sätz­lich die Ver­jäh­rungs­vor­schrif­ten des Bür­ger­li­chen Gesetz­bu­ches in der seit dem 1. Janu­ar 2002 gel­ten­den Fas­sung anzu­wen­den sind, Art. 229 § 6 EGBGB.

Bei der Erneue­rung des Trai­nings­plat­zes gemäß dem Bau­ver­trag vom März 1999 han­delt es sich um Arbei­ten an einem Bau­werk im Sin­ne des § 638 Abs. 1 Satz 1 BGB a.F., nicht um Arbei­ten an einem Grund­stück.

Nach der stän­di­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs gilt die lan­ge Ver­jäh­rung "bei Bau­wer­ken", wenn das Werk in der Errich­tung oder der grund­le­gen­den Erneue­rung eines Gebäu­des oder eines ande­ren Bau­werks besteht, wobei unter grund­le­gen­der Erneue­rung Arbei­ten zu ver­ste­hen sind, die ins­ge­samt einer gan­zen oder teil­wei­sen Neu­errich­tung gleich­zu­ach­ten sind 2. Unter einem Bau­werk im Sin­ne des § 638 Abs. 1 BGB a.F. wird nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung – ohne dass es auf die sachen­recht­li­che Ein­ord­nung ankä­me – eine unbe­weg­li­che, durch Ver­wen­dung von Arbeit und Mate­ri­al in Ver­bin­dung mit dem Erd­bo­den her­ge­stell­te Sache ver­stan­den 3. Der Begriff "Bau­werk" geht wei­ter als der des Gebäu­des 4.

Für die Zuord­nung einer Werk­leis­tung zu den Arbei­ten bei Bau­wer­ken ist neben der Bestim­mung zur dau­ern­den Nut­zung die für Bau­wer­ke typi­sche Risi­ko­la­ge ent­schei­dend, wel­che der Grund für die län­ge­re Ver­jäh­rungs­frist ist 5. In den Moti­ven zum BGB ist als Begrün­dung für die fünf­jäh­ri­ge Ver­jäh­rung ange­ge­ben, dass Män­gel bei Bau­wer­ken häu­fig erst spät erkenn­bar wer­den, jedoch regel­mä­ßig inner­halb von fünf Jah­ren auf­tau­chen 6. Es geht dabei typi­scher­wei­se um die spä­te Erkenn­bar­keit von Män­geln aus Grün­den der Ver­de­ckung durch auf­ein­an­der­fol­gen­de Arbei­ten einer­seits sowie der Wit­te­rung und Nut­zung ande­rer­seits 7.

Nach die­sen Grund­sät­zen han­delt es sich bei der Erneue­rung des Trai­nings­plat­zes gemäß dem Bau­ver­trag vom März 1999 um Arbei­ten bei einem Bau­werk.

Bei die­sen Arbei­ten han­delt es sich um eine grund­le­gen­de Erneue­rung des Plat­zes, die einer Neu­errich­tung gleich­zu­ach­ten ist. Ein Trai­nings­platz die­ses Zuschnitts mit Roll­ra­sen, Rasen­trag­schicht, Bewäs­se­rungs­an­la­ge, Rasen­hei­zung und Kunst­fa­ser­ver­stär­kung ist hin­sicht­lich des Risi­kos der Spä­ter­kenn­bar­keit von Män­geln nicht anders zu beur­tei­len als ein Gebäu­de. Die Ein­ord­nung der ent­spre­chen­den Leis­tun­gen als Arbei­ten an einem Grund­stück lässt unbe­rück­sich­tigt, dass meh­re­re nicht dem Grund­stück zuzu­ord­nen­de Kom­po­nen­ten mit die­sem fest ver­bun­den wor­den sind, wodurch die Erneue­rung des Plat­zes erst das wesent­li­che Geprä­ge erhält. Dem­ge­mäß ist auch das Nut­zungs- und Haf­tungs­in­ter­es­se und damit der Ver­trags­zweck nicht anders zu sehen. Es han­delt sich um eine im Sin­ne der Anfor­de­run­gen des § 638 BGB a.F. orts­fes­te Anla­ge, die mit dem Grund­stück dau­er­haft ver­bun­den ist. Dabei ist die sachen­recht­li­che Ein­ord­nung als wesent­li­cher Grund­stücks­be­stand­teil ohne Bedeu­tung 8. Es genügt, dass die Anla­ge durch die Viel­zahl der ver­bau­ten Kom­po­nen­ten mit dem Grund­stück so ver­bun­den ist, dass eine bis zum Ablauf der Nut­zungs­zeit nicht beab­sich­tig­te Tren­nung 9 vom Grund­stück nur mit einem grö­ße­ren Auf­wand mög­lich ist. Die Erneue­rung des Trai­nings­plat­zes stellt mehr dar als eine kunst­ge­recht aus­ge­führ­te Ver­än­de­rung des natür­li­chen Zustan­des des Grund und Bodens. Zu Unrecht beruft sich das Beru­fungs­ge­richt auf das Urteil des Bun­des­ge­richts­hofs vom 17.12.1992 VII ZR 45/​92, BGHZ 121, 94, 96 f. Der Bun­des­ge­richts­hof hat nicht ent­schie­den, dass es sich bei dem Ein­bau von Rohr­net­zen in den Grund und Boden nicht um Arbei­ten am Bau­werk han­delt, son­dern das Gegen­teil. Die Leis­tung eines Inge­nieurs, Plä­ne der vor­han­de­nen Rohr­lei­tun­gen zu erstel­len, wur­de ledig­lich des­halb als Arbei­ten an einem Grund­stück ein­ge­ord­net, weil die Plä­ne nicht der grund­le­gen­den Erneue­rung des Lei­tungs­net­zes die­nen soll­ten und des­halb nicht Arbei­ten an einem Bau­werk zu die­nen bestimmt waren 10.

Auch bei den vor­ge­nom­me­nen Unter­su­chun­gen von Pro­ben der Rasen­trag­schicht han­delt es sich um Arbei­ten bei einem Bau­werk.

Geis­ti­ge Leis­tun­gen, die der Errich­tung oder grund­le­gen­den Erneue­rung eines bestimm­ten Bau­werks die­nen, sind der Errich­tung des Bau­werks zuzu­ord­nen; für sie gilt die Ver­jäh­rungs­re­ge­lung des § 638 BGB a.F. für Bau­wer­ke 11. Hier­zu zäh­len etwa Leis­tun­gen eines Geo­lo­gen, der Boden­un­ter­su­chun­gen für die Grün­dungs­ar­bei­ten beim Bau eines Gebäu­des durch­führt 12, oder Leis­tun­gen eines Ver­mes­sungs­in­ge­nieurs, der damit betraut ist, auf einem Bau­grund­stück den Stand­ort des dar­auf zu errich­ten­den Hau­ses ein­zu­mes­sen und abzu­ste­cken 13.

Dem­entspre­chend sind auch die vor­ge­nom­me­nen Unter­su­chun­gen von Pro­ben der Rasen­trag­schicht der Bau­werks­er­rich­tung zuzu­ord­nen. Die­se Leis­tun­gen wei­sen einen hin­rei­chen­den und für den Werk­un­ter­neh­mer auch ohne Wei­te­res erkenn­ba­ren Bezug zu dem bestimm­ten Bau­werk "Trai­nings­platz" auf. Sie die­nen dazu, die Funk­tio­na­li­tät des Trai­nings­plat­zes in sei­ner Gesamt­heit sicher­zu­stel­len. Ins­be­son­de­re die Begut­ach­tung der Rasen­trag­schicht auf Was­ser­durch­läs­sig­keit ist für die Ver­wend­bar­keit des Plat­zes als Trai­nings­platz von erheb­li­cher Bedeu­tung.

BGH, Urteil vom 20. Dezem­ber 2012 – VII ZR 182/​10

  1. vgl. Palandt/​Ellenberger, BGB, 72. Aufl., Art. 229 § 6 EGBGB Rn. 3[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 19.03.2002 – X ZR 49/​00, BauR 2002, 1260 = NZBau 2002, 389 = ZfBR 2002, 557; Urteil vom 03.12.1998 – VII ZR 109/​97, BauR 1999, 670 = ZfBR 1999, 187[]
  3. BGH, Urteil vom 20.05.2003 – X ZR 57/​02, BauR 2003, 1391 = NZBau 2003, 559 = ZfBR 2003, 674; Urteil vom 04.11.1982 VII ZR 65/​82, BauR 1983, 64 = ZfBR 1983, 82; Urteil vom 16.09.1971 VII ZR 5/​70, BGHZ 57, 60, 61[]
  4. BGH, Urteil vom 04.11.1982 – VII ZR 65/​82, BauR 1983, 64 = ZfBR 1983, 82; Urteil vom 16.09.1971 – VII ZR 5/​70, BGHZ 57, 60, 61[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 12.11.1992 – VII ZR 29/​92, BauR 1993, 217 = ZfBR 1993, 76[]
  6. Moti­ve, II 489[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 30.01.1992 VII ZR 86/​90, BGHZ 117, 121, 124[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 30.01.1992 – VII ZR 86/​90, BGHZ 117, 121, 124[]
  9. vgl. BGH, Urteil vom 04.11.1982 – VII ZR 65/​82, BauR 1983, 64, 66 = ZfBR 1983, 82[]
  10. BGH aaO[]
  11. vgl. BGH, Urteil vom 17.12.1992 – VII ZR 45/​92, BGHZ 121, 94, 97[]
  12. vgl. BGH, Urteil vom 26.10.1978 – VII ZR 249/​77, BGHZ 72, 257, 260[]
  13. vgl. BGH, Urteil vom 09.03.1972 – VII ZR 202/​70, BGHZ 58, 225, 228 f.[]