Gewähr­leis­tungs­pflich­tung des Archi­tek­ten – und ihre Ver­jäh­rung

Arg­lis­tig i.S.d. § 638 Abs. 1 Satz 1 BGB a.F. han­delt nur der­je­ni­ge, der bewusst einen offen­ba­rungs­pflich­ti­gen Man­gel ver­schweigt. Ein sol­ches Bewusst­sein fehlt, wenn der Man­gel von sei­nem Ver­ur­sa­cher nicht als sol­cher wahr­ge­nom­men wird [1].

Gewähr­leis­tungs­pflich­tung des Archi­tek­ten – und ihre Ver­jäh­rung

Die ver­jäh­rungs­recht­li­che Gleich­set­zung der Ver­let­zung einer Orga­ni­sa­ti­ons­ob­lie­gen­heit durch einen arbeits­tei­lig täti­gen Archi­tek­ten mit arg­lis­ti­gem Ver­hal­ten ist nur dann gerecht­fer­tigt, wenn den Archi­tek­ten der Vor­wurf trifft, er habe mit sei­ner Orga­ni­sa­ti­on die Arg­list­haf­tung ver­mei­den wol­len. Die­ser Vor­wurf kann sich dar­aus erge­ben, dass er, ohne selbst tätig zu wer­den, ganz dar­auf ver­zich­tet, Gehil­fen zur Erfül­lung sei­ner Offen­ba­rungs­pflicht ein­zu­schal­ten. Er ist auch gerecht­fer­tigt, wenn der Archi­tekt hier­für Per­so­nal ein­setzt, von dem er weiß, dass es jener Pflicht nicht nach­kom­men wird oder nicht nach­kom­men kann, sei es, weil er nicht aus­rei­chend kom­pe­ten­te Gehil­fen aus­ge­sucht oder weil er ihnen kei­ne aus­rei­chen­de Mög­lich­keit gege­ben hat, Män­gel wahr­zu­neh­men und pflicht­ge­mäß zu offen­ba­ren. Glei­ches gilt, wenn er zwar ein ent­spre­chen­des Wis­sen nicht hat, er aber die Augen vor die­ser Erkennt­nis ver­schließt [2].

Der allein durch einen Bau­man­gel ver­ur­sach­te Anschein einer Bau­über­wa­chungs­pflicht­ver­let­zung kann nur aus­nahms­wei­se den wei­ter­ge­hen­den Anschein erwe­cken, der mit der Bau­über­wa­chung beauf­trag­te Archi­tekt habe sei­ne mit der Bau­lei­tung befass­ten Mit­ar­bei­ter unsorg­fäl­tig aus­ge­sucht oder ein­ge­setzt. Ein sol­cher Anschein ent­steht selbst bei schwer­wie­gen­den Bau­män­geln jeden­falls dann nicht, wenn der sich hier­aus erge­ben­de Bau­über­wa­chungs­feh­ler sei­ner Art nach auch einem sorg­fäl­tig aus­ge­wähl­ten und ein­ge­setz­ten Bau­lei­ter unter­lau­fen kann [3]

Ent­fern­te Man­gel­fol­ge­schä­den unter­lie­gen nach dem auf bis zum 31. Dezem­ber 2001 geschlos­se­ne Ver­trä­ge anwend­ba­ren Schuld­recht nicht dem werk­ver­trag­li­chen Gewähr­leis­tungs­recht gemäß §§ 633 ff. BGB a.F. Ersatz für sol­che Man­gel­fol­ge­schä­den erhält der Bestel­ler viel­mehr nur nach den Grund­sät­zen der posi­ti­ven Ver­trags­ver­let­zung. Dabei han­delt es sich um einen Scha­dens­er­satz­an­spruch, auf den der Bestel­ler kei­nen (abrech­nungs­pflich­ti­gen) Vor­schuss bean­spru­chen kann.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 22. Juli 2010 – VII ZR 77/​08

  1. Bestä­ti­gung von BGH, Urteil vom 11.10.2007 – VII ZR 99/​06, BGHZ 174, 32[]
  2. BGH, Urteil vom 27. Novem­ber 2008 – VII ZR 206/​06, BGHZ 179, 55, 63, Tz. 21 f.[]
  3. Bestä­ti­gung von BGHZ 179, 55, 63 f.[]