Gewähr­leis­tungs­recht trotz Wei­ter­ver­äu­ße­rung

Der Scha­dens­er­satz­an­spruch des Käu­fers besteht in Höhe der zur Män­gel­be­sei­ti­gung erfor­der­li­chen Kos­ten fort, wenn er das man­gel­be­haf­te­te Grund­stück ohne Abtre­tung des Anspruchs ver­äu­ßert hat 1.

Gewähr­leis­tungs­recht trotz Wei­ter­ver­äu­ße­rung

Die zur Män­gel­be­sei­ti­gung vor­aus­sicht­lich erfor­der­li­chen Kos­ten kön­nen von den Klä­gern im Rah­men des so genann­ten klei­nen Scha­dens­er­sat­zes als Scha­den gel­tend gemacht wer­den, wobei es uner­heb­lich ist, ob der Man­gel tat­säch­lich besei­tigt wird oder nicht 2.

Dass die Käu­fer zwi­schen­zeit­lich das Haus­grund­stück ohne Abtre­tung des Scha­dens­er­satz­an­spruchs ver­äu­ßert haben, schließt den Scha­dens­er­satz­an­spruch nicht aus. Dem steht nicht die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ent­ge­gen, wonach bei der Beschä­di­gung eines Haus­grund­stücks der Scha­den dann nicht mehr fik­tiv in Höhe der Repa­ra­tur­kos­ten abge­rech­net wer­den kann, wenn das Grund­stück ohne Repa­ra­tur ver­äu­ßert und auch der Scha­dens­er­satz­an­spruch nicht an die Erwer­ber abge­tre­ten wor­den ist 3.

In dem – teil­wei­se anders zu ver­ste­hen­den – Urteil vom 04.05.2001 4 ging es um delik­ti­sche Scha­dens­er­satz­an­sprü­che gemäß § 823 Abs. 2, § 909 BGB im Zusam­men­hang mit der Beschä­di­gung eines Grund­stücks. Zur Begrün­dung des Aus­schlus­ses eines Geld­an­spruchs gemäß § 249 Satz 2 aF (= § 249 Abs. 2 BGB) im Fal­le einer Ver­äu­ße­rung ohne Abtre­tung des Scha­dens­er­satz­an­spruchs an den Erwer­ber hat der Bun­des­ge­richts­hof dar­auf hin­ge­wie­sen, dass auch die­ser Geld­an­spruch eine beson­de­re Form des Natu­ra­ler­satz­an­spru­ches nach § 249 Satz 1 aF (= § 249 Abs. 1 BGB) dar­stellt und des­halb wie die­ser vor­aus­setzt, dass die Natu­ral­re­sti­tu­ti­on noch mög­lich ist. Ist aber eine Natu­ral­re­sti­tu­ti­on wegen der Ver­äu­ße­rung aus­ge­schlos­sen, kann der Geschä­dig­te nach der Kon­zep­ti­on des Geset­zes ledig­lich noch Kom­pen­sa­ti­on sei­nes Scha­dens gemäß § 251 Abs. 1 BGB ver­lan­gen.

Wie der Bun­des­ge­richts­hof bereits ent­schie­den hat, fin­det die­se Recht­spre­chung jedoch kei­ne Anwen­dung, wenn ein Käu­fer wie hier – einen kauf­recht­li­chen Scha­dens­er­satz­an­spruch gemäß § 437 Nr. 3 BGB, § 280 Abs. 1 und 3 BGB, § 281 BGB wegen eines Man­gels gel­tend macht 5. Bei einem Scha­dens­er­satz­an­spruch statt der Leis­tung schei­det eine Natu­ral­re­sti­tu­ti­on aus, weil dadurch die Erfül­lung der ver­trag­li­chen Leis­tung her­bei­ge­führt wür­de, die der Bestel­ler wie in § 281 Abs. 4 BGB aus­drück­lich gere­gelt ist – gera­de nicht mehr ver­lan­gen kann 6. Die­ser Anspruch ist des­halb von Anfang an nur auf Geld gerich­tet. Damit fin­det die Vor­schrift des § 249 BGB, die dem Geschä­dig­ten einen Anspruch auf Natu­ral­re­sti­tu­ti­on ein­räumt und ledig­lich als beson­de­re Form die­ses Her­stel­lungs­an­spruchs gemäß § 249 Abs. 2 BGB einen Zah­lungs­an­spruch vor­sieht, kei­ne Anwen­dung 7. Der ansons­ten erfor­der­li­chen Abgren­zung zwi­schen einer Ent­schä­di­gung gemäß § 249 Abs. 2 BGB und einem Scha­dens­er­satz­an­spruch gemäß § 251 BGB bedarf es nicht. Eben­so wie im Werk­ver­trags­recht besteht auch im Kauf­ver­trags­recht der Scha­dens­er­satz­an­spruch des Käu­fers in Höhe der zur Män­gel­be­sei­ti­gung erfor­der­li­chen Kos­ten fort, wenn er das man­gel­be­haf­te­te Grund­stück ohne Abtre­tung des Anspruchs ver­äu­ßert hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 11. Dezem­ber 2015 – V ZR 26/​15

  1. Bestä­ti­gung von BGH, Urteil vom 15.06.2012 – V ZR 198/​11, BGHZ 193, 326 und Abgren­zung von BGH, Urteil vom 04.05.2001 – V ZR 435/​99, BGHZ 147, 320[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 04.04.2014 – V ZR 275/​12, BGHZ 200, 350 Rn. 33[]
  3. BGH, Urteil vom 04.05.2001 – V ZR 435/​99, BGHZ 147, 320, 323 unter teil­wei­ser Auf­ga­be des Urteils vom 02.10.1981 – V ZR 147/​80, BGHZ 81, 385, 392[]
  4. BGH, Urteil vom 02.10.1981 – V ZR 147/​80, BGHZ 81, 385, 392[]
  5. BGH, Urteil vom 15.06.2012 – V ZR 198/​11, BGHZ 193, 326 Rn. 31[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 11.10.2012 – VII ZR 179/​11, NJW 2013, 370 Rn. 9[]
  7. vgl. grund­le­gend BGH, Urteil vom 06.11.1986 – VII ZR 97/​85, BGHZ 99, 81, 88; Urteil vom 22.07.2004 – VII ZR 275/​03, NJW-RR 2004, 1462, 1463 zu einem werk­ver­trag­li­chen Scha­dens­er­satz­an­spruch[]