Gläu­bi­ger­an­fech­tung – und die erfolg­lo­se Zwangs­voll­stre­ckung

Nach § 2 AnfG ist ein Gläu­bi­ger, der einen voll­streck­ba­ren Schuld­ti­tel erlangt hat und des­sen For­de­rung fäl­lig ist, dann zur Anfech­tung berech­tigt, wenn die Zwangs­voll­stre­ckung in das Ver­mö­gen des Schuld­ners nicht zu einer voll­stän­di­gen Befrie­di­gung des Gläu­bi­gers geführt hat oder wenn anzu­neh­men ist, dass sie nicht dazu füh­ren wür­de.

Gläu­bi­ger­an­fech­tung – und die erfolg­lo­se Zwangs­voll­stre­ckung

Die mut­maß­li­che Erfolg­lo­sig­keit der Zwangs­voll­stre­ckung ist kein rea­les Gesche­hen, son­dern eine Pro­gno­se. Der Gläu­bi­ger kann den ihm inso­weit oblie­gen­den Nach­weis füh­ren, indem er Beweis­an­zei­chen (Indi­zi­en) dar­legt und gemäß § 286 ZPO zur vol­len Über­zeu­gung des Gerichts beweist, die den Schluss auf einen nega­ti­ven Aus­gang eines Voll­stre­ckungs­ver­suchs zulas­sen [1].

Der Miss­erfolg der Voll­stre­ckung muss wahr­schein­li­cher sein als der Erfolg. Ob dies der Fall ist, ist nach § 287 ZPO zu beur­tei­len [2].

Im hier ent­schie­de­nen Fall hat der Gläu­bi­ger hat nicht behaup­tet, selbst die Zwangs­voll­stre­ckung in das Ver­mö­gen der Schuld­ne­rin betrie­ben zu haben. Er hat jedoch tat­säch­li­che Umstän­de dar­ge­legt, wel­che die Pro­gno­se tra­gen könn­ten, dass eine Zwangs­voll­stre­ckung in das Ver­mö­gen der Schuld­ne­rin aller Wahr­schein­lich­keit nach erfolg­los blei­ben wür­de. Nach dem Vor­brin­gen des Gläu­bi­gers hat ein wei­te­rer Gläu­bi­ger wegen einer titu­lier­ten For­de­rung von 131.728, 60 € ver­geb­lich die Zwangs­voll­stre­ckung in das Ver­mö­gen der Schuld­ne­rin betrie­ben. Frucht­lo­se Voll­stre­ckungs­ver­su­che ande­rer Gläu­bi­ger kön­nen Beweis­an­zei­chen dafür sein, dass auch eine vom Anfech­tungs­gläu­bi­ger ver­an­lass­te Zwangs­voll­stre­ckung erfolg­los blei­ben wür­de [3]. Der Gläu­bi­ger hat wei­ter ein Voll­stre­ckungs­pro­to­koll vor­ge­legt, nach wel­chem der Geschäfts­füh­rer der Schuld­ne­rin erklärt hat, zur Beglei­chung der For­de­rung von 131.728, 60 € in bar nicht in der Lage zu sein. Aus­sa­gen des Schuld­ners selbst kom­men eben­falls als Beweis­an­zei­chen in Betracht [4]. Nun­mehr wäre zu prü­fen gewe­sen, ob die­se Beweis­an­zei­chen die Pro­gno­se tra­gen, dass auch eine vom Gläu­bi­ger wegen sei­ner For­de­rung betrie­be­ne Zwangs­voll­stre­ckung ver­geb­lich sein wür­de.

Die Wür­di­gung des damit ange­bo­te­nen Indi­zi­en­be­wei­ses kann nicht mit der Begrün­dung unter­las­sen wer­den, der Vor­trag des Gläu­bi­gers sei ins­ge­samt uner­heb­lich, weil damit kein auch nur annä­hern­der Über­blick über die wirt­schaft­li­che Situa­ti­on der Schuld­ne­rin ins­ge­samt gewon­nen wer­den kön­ne. Denn einen sol­chen ver­langt § 2 AnfG nicht. Es kommt nur auf die vor­aus­sicht­li­che Erfolg­lo­sig­keit einer Zwangs­voll­stre­ckung in das Ver­mö­gen des Schuld­ners an. Die Zah­lungs­un­fä­hig­keit des Schuld­ners (vgl. § 17 InsO) braucht nicht nach­ge­wie­sen und fest­ge­stellt zu wer­den. Ob der Schuld­ner über­schul­det ist (vgl. § 19 InsO), ist eben­falls uner­heb­lich [5]. Die Zwangs­voll­stre­ckung in das Ver­mö­gen des Anfech­tungs­geg­ners ist bereits dann eröff­net, wenn eine Zwangs­voll­stre­ckung in das Ver­mö­gen des Schuld­ners erfolg­los war oder vor­aus­sicht­lich erfolg­los blei­ben wür­de.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 15. Dezem­ber 2016 – IX ZR 113/​15

  1. BGH, Urteil vom 08.12 2011 – IX ZR 33/​11, NJW 2012, 1217 Rn. 33; Jae­ger, Die Gläu­bi­ger­an­fech­tung außer­halb des Kon­kur­ses, § 2 Anm. 26[]
  2. Münch­Komm-Anf­G/­Kirch­hof, § 2 Rn. 71[]
  3. BGH, Urteil vom 27.09.1990 – IX ZR 67/​90, WM 1990, 1981, 1982; Münch­Komm-Anf­G/­Kirch­hof, § 2 Rn. 73[]
  4. BGH, Urteil vom 27.09.1990, aaO; Münch­Komm-Anf­G/­Kirch­hof, aaO[]
  5. Münch­Komm-Anf­G/­Kirch­hof, § 2 Rn. 56; Huber, AnfG, 11. Aufl., § 2 Rn. 21 f[]