Gläu­bi­ger­aus­schuss

Ein Gläu­bi­ger­aus­schuss muss, wie der Bun­des­ge­richts­hof jetzt noch­mals bestä­tigt hat, mit min­des­tens zwei Mit­glie­dern besetzt sein.

Gläu­bi­ger­aus­schuss

Nach ein­hel­li­ger, in Recht­spre­chung und Schrift­tum unbe­strit­te­ner Rechts­auf­fas­sung muss ein Gläu­bi­ger­aus­schuss min­des­tens mit zwei Per­so­nen besetzt sein 1.

Die­se bereits unter der Gel­tung der Kon­kurs­ord­nung ver­tre­te­ne Auf­fas­sung, dass ein Gläu­bi­ger­aus­schuss aus wenigs­tens zwei Per­so­nen bestehen muss 2, ist auf einen unter der Insol­venz­ord­nung gebil­de­ten Gläu­bi­ger­aus­schuss zu über­tra­gen. Dem Rege­lungs­zu­sam­men­hang der §§ 67 ff InsO ist ein­deu­tig zu ent­neh­men, dass ein Gläu­bi­ger­aus­schuss mit min­des­tens zwei Per­so­nen besetzt sein muss. Bei der Ein­set­zung eines Gläu­bi­ger­aus­schus­ses durch das Insol­venz­ge­richt sieht § 67 Abs. 2 InsO vor, dass die ver­schie­de­nen Gläu­bi­ger­grup­pen ein­schließ­lich der Arbeit­neh­mer zu berück­sich­ti­gen sind und folg­lich ein mehr­glied­ri­ger Aus­schuss ein­zu­rich­ten ist. Es kann dahin­ste­hen, ob die Gläu­bi­ger­ver­samm­lung bei der Ein­set­zung und Wahl eines Aus­schus­ses unmit­tel­bar an die Rege­lung des § 67 Abs. 2 InsO gebun­den ist 3. Jeden­falls hat auch die Gläu­bi­ger­ver­samm­lung zu beach­ten, dass die Auf­ga­be des Gläu­bi­ger­aus­schus­ses, den Insol­venz­ver­wal­ter bei sei­ner Geschäfts­füh­rung zu unter­stüt­zen und zu über­wa­chen, gemäß § 69 Satz 1 InsO durch "die Mit­glie­der des Gläu­bi­ger­aus­schus­ses" wahr­ge­nom­men wird. Damit geht das Gesetz, was auch an ande­rer Stel­le zum Aus­druck kommt 4, ersicht­lich von einer Mehr­zahl von Mit­glie­dern und fol­ge­rich­tig einer Min­dest­zahl von zwei Mit­glie­dern aus. Der Gläu­bi­ger­aus­schuss ist wie jedes ande­re Bera­tungs- und Ent­schei­dungs­gre­mi­um – was auch die in § 72 InsO gere­gel­te Not­wen­dig­keit einer ein­heit­li­chen Wil­lens­bil­dung belegt – schon rein begriff­lich auf eine Mit­wir­kung durch meh­re­re Per­so­nen ange­legt. Ein nur aus einer Per­son bestehen­der Gläu­bi­ger­aus­schuss kann mit­hin nach dem ein­deu­ti­gen Wil­len des Geset­zes nicht gebil­det wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 5. März 2009 – IX ZB 148/​08

  1. LG Neu­rup­pin ZIP 1997, 2130; Münch­Komm-InsO/­Schmidt-Burgk, 2. Aufl. § 67 Rn. 11, 68 Rn. 8; Küb­ler, in Kübler/​Prütting/​Bork, InsO § 68 Rn. 15; HK-InsO/Eick­mann, 5. Aufl. § 67 Rn. 9; Nerlich/​Römermann/​Delhaes, InsO § 68 Rn. 4; Uhlen­bruck, InsO 12. Aufl. § 68 Rn. 12; Ober­mül­ler, Insol­venz­recht in der Bank­pra­xis, 7. Aufl. Rn. 1.413; Voigt-Salus/­Pape in Mohrbutter/​Ringstmeier, Hand­buch der Insol­venz­ver­wal­tung 8. Aufl. § 21 Rn. 291[]
  2. BGHZ 124, 86, 91[]
  3. beja­hend Uhlen­bruck, aaO § 68 Rn. 4; HK-InsO/Eick­mann, aaO § 68 Rn. 4; ver­nei­nend: Münch­Komm-InsO/­Schmidt-Burgk, aaO § 68 Rn. 7; FK-InsO/Kind, 5. Aufl. § 68 Rn. 4; Küb­ler in Kübler/​Prütting/​Bork, aaO § 68 Rn. 10[]
  4. §§ 70, 71, 72 InsO[]