Gläu­bi­ger­ge­bo­te und Wert­gren­zen in der Zwangs­ver­stei­ge­rung

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs ist ein Gebot, das mit dem Ziel abge­ge­ben wird, die zum Schutz des Schuld­ners bestehen­de Rege­lung des § 85a Abs. 1 ZVG im Inter­es­se eines Gläu­bi­gers zu unter­lau­fen, wegen Rechts­miss­brauchs unwirk­sam und nicht geeig­net, die Rechts­fol­gen des § 85a Abs. 1 und 2 ZVG her­bei­zu­füh­ren.

Gläu­bi­ger­ge­bo­te und Wert­gren­zen in der Zwangs­ver­stei­ge­rung

So ver­hält es sich, wenn der Gläu­bi­ger in dem ers­ten Ver­stei­ge­rungs­ter­min ein nicht zuschlags­fä­hi­ges Gebot unter der Hälf­te des Ver­kehrs­werts abgibt, damit das Grund­stück von ihm in einem neu­en Ver­stei­ge­rungs­ter­min ohne Rück­sicht auf die Wert­gren­ze des § 85a Abs. 1 ZVG ver­wer­tet wer­den kann. In dem zwei­ten Ter­min gilt dann die Wert­gren­ze des § 85a Abs. 1 ZVG fort. Wird in die­sem Ter­min die­se Gren­ze nicht erreicht, ist dem Gebot nach § 85a Abs. 1 ZVG der Zuschlag zu ver­sa­gen 1.

Das Beschwer­de­ge­richt war vor­lie­gend aber dar­an gehin­dert, die von der Betei­lig­ten zu 1 erst im Beschwer­de­rechts­zug erho­be­ne und durch Vor­la­ge einer E‑Mail unter­mau­er­te Behaup­tung zu berück­sich­ti­gen, das von der H. Immo­bi­li­en GmbH abge­ge­be­ne Gebot sei im Gläu­bi­ger­auf­trag erfolgt und habe nur dazu gedient, die Wert­gren­ze des § 85a ZVG zu Fall zu brin­gen. Die Zuschlags­be­schwer­de kann, von den Beson­der­hei­ten des Schut­zes von Leben und Gesund­heit abge­se­hen, nicht auf neue, dem Ver­stei­ge­rungs­ge­richt bei der Ertei­lung des Zuschlags nicht bekann­te Tat­sa­chen und Beweis­mit­tel gegrün­det wer­den. Dies folgt aus § 100 ZVG, wonach die Zuschlags­be­schwer­de nur auf bestimm­te, vor der Ertei­lung des Zuschlags lie­gen­de Rechts­män­gel gestützt wer­den kann. Dar­aus ergibt sich, dass die die Rechts­män­gel begrün­den­den Tat­sa­chen, die zeit­lich spä­ter lie­gen oder erst spä­ter dem Ver­stei­ge­rungs­ge­richt bekannt gewor­den sind, bei der Ent­schei­dung über die Zuschlags­be­schwer­de unbe­rück­sich­tigt blei­ben müs­sen und des­halb bei der Ent­schei­dung über die Zuschlags­be­schwer­de die Anwen­dung der Vor­schrift des § 571 Abs. 2 ZPO aus­ge­schlos­sen ist 2.

  1. BGH, Beschluss vom 24.11.2005 – V ZB 98/​05, NJW 2006, 1355 f.; Beschluss vom 10.05.2007 – V ZB 83/​06, BGHZ 172, 218, 220 ff., der sich ein­ge­hend mit der in Recht­spre­chung und Lite­ra­tur geäu­ßer­ten Kri­tik aus­ein­an­der­setzt; Beschluss vom 17.07.2008 – V ZB 1/​08, BGHZ 177, 334, 336 f.[]
  2. BGH, Urteil vom 13.07.1965 – V ZR 269/​62, BGHZ 44 138, 143 f.; Beschluss vom 24.11.2005 – V ZB 99/​05, NJW 2006, 505, 506 f.[]