Grund­buch­be­rich­ti­gungs­an­trag des Mit­er­ben trotz Tes­ta­ments­voll­stre­ckung

Ein Mit­er­be ist auch dann berech­tigt, die Grund­buch­be­rich­ti­gung zu bean­tra­gen, wenn das betref­fen­de Grund­stück der Ver­wal­tung eines Tes­ta­ments­voll­stre­ckers unter­liegt.

Grund­buch­be­rich­ti­gungs­an­trag des Mit­er­ben trotz Tes­ta­ments­voll­stre­ckung

Gemäß § 2211 BGB kann der Erbe über einen der Ver­wal­tung des Tes­ta­ments­voll­stre­ckers unter­lie­gen­den Nach­lass­ge­gen­stand nicht ver­fü­gen. Bei dem Antrag auf Grund­buch­be­rich­ti­gung han­delt es sich aber nicht um eine Ver­fü­gung über das betrof­fe­ne Grund­stück. Der Eigen­tums­über­gang ist viel­mehr bereits kraft Geset­zes gemäß § 1922 BGB erfolgt. Der Berich­ti­gungs­an­trag ist dem­ge­gen­über eine rei­ne Ver­fah­rens­hand­lung. Der Antrag­stel­lung des Erben steht auch die Rege­lung des § 2212 BGB nicht ent­ge­gen. Der Erbe ist auch in sei­nem Recht betrof­fen im Sin­ne des § 13 GBO. Es genügt der Antrag eines Mit­er­ben 1.

Der Antrags­be­rech­ti­gung des (Mit-)Erben ste­hen auch ande­re Grün­de in Zusam­men­hang mit der Tes­ta­ments­voll­stre­ckung nicht ent­ge­gen. Das Land­ge­richt Stutt­gart hat in sei­ner Ent­schei­dung vom 26.02.1998 2 zu Recht dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Befug­nis­se des Tes­ta­ments­voll­stre­ckers nur teil­wei­se aus­schließ­li­cher Natur sind, zu einem ande­ren Teil aber neben den fort­be­stehen­den Rech­ten des Erben ein­her­lau­fen 3. Gemäß § 52 GBO ist der Tes­ta­ments­voll­stre­cker­ver­merk mit der Ein­tra­gung der Erben im Grund­buch ein­zu­tra­gen. Sei­ne Rech­te wer­den daher durch die Berich­ti­gung nicht beein­träch­tigt. Soweit durch die Ein­tra­gung des Tes­ta­ments­voll­stre­cker­ver­merks – anders als durch die Ein­tra­gung der Erben selbst – Kos­ten ent­ste­hen, sind die­se Fol­ge der vom Erb­las­ser getrof­fe­nen letzt­wil­li­gen Ver­fü­gung. Die­se Kos­ten wür­den auch bei einem Berich­ti­gungs­an­trag des Tes­ta­ments­voll­stre­ckers, zu dem die­ser gemäß § 2205 BGB befugt ist, ent­ste­hen. Zu beach­ten ist im Übri­gen, dass der Rechts­ver­kehr ein erheb­li­ches Inter­es­se an der Über­ein­stim­mung von Grund­buch­in­halt und mate­ri­el­ler Rechts­la­ge hat und die Berich­ti­gung daher im öffent­li­chen Inter­es­se erwünscht ist, was im Gesetz für die Fäl­le des Rechts­über­gangs außer­halb des Grund­buchs durch die Antrags­pflicht gemäß § 82 GBO beson­ders zum Aus­druck kommt. Beson­ders zum Tra­gen kommt das Antrags­recht des Erben dabei in Fäl­len "pro­ble­ma­ti­scher Tes­ta­ments­voll­stre­ckun­gen" 4.

Das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart bejaht nach all­dem ein von ihm selbst aus­üb­ba­res Antrags­recht des Erben für die Grund­buch­be­rich­ti­gung neben jenem des Tes­ta­ments­voll­stre­ckers 5.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 30. Juli 2013 – 8 W 173 + 279/​12; 8 W 173/​12; 8 W 279/​12

  1. Schöner/​Stöber, Grund­buch­recht, 15. Auf­la­ge 2012, Rdnr. 360[]
  2. LG Stutt­gart, Rpfle­ger 1998, 243[]
  3. im Ein­zel­nen LG Stutt­gart, a.a.O.[]
  4. vgl. Schnei­der, Zur Antrags­be­fug­nis und zu den Ein­tra­gungs­un­ter­la­gen im Grund­buch­be­rich­ti­gungs­ver­fah­ren bei ange­ord­ne­ter Tes­ta­ments­voll­stre­ckung, Mitt­RhNotK 2000, 283[]
  5. eben­so LG Stutt­gart, a.a.O.; Meikel/​Böttcher, Grund­buch­ord­nung, 10. Auf­la­ge 2009, § 13 GBO, Rdnr. 56; Schöner/​Stöber, Grund­buch­recht, a.a.O., Rdnr. 803 sowie Rdnr. 3466, Fuß­no­te 16; Hügel/​Zeiser, Grund­buch­ord­nung, 2. Auf­la­ge 2010, § 52 GBO, Rdnr. 29; Schnei­der a.a.O.; Palandt/​Weidlich, Bür­ger­li­ches Gesetz­buch, 72. Auf­la­ge 2013, Ein­füh­rung vor § 2197 BGB, Rdnr. 6; Bertsch, Antrags­recht des Erben auf Grund­buch­be­rich­ti­gung bei Tes­ta­ments­voll­stre­ckung, Rpfle­ger 1968, 178; Zim­mer­mann, Die Tes­ta­ments­voll­stre­ckung, 2. Auf­la­ge 2003, Rdnr. 366; Bengel/​Reimann/​Schaub, Hand­buch der Tes­ta­ments­voll­stre­ckung, 4. Auf­la­ge 2010, Kapi­tel 5, Rdnr. 5; Wink­ler, Der Tes­ta­ments­voll­stre­cker, 20. Auf­la­ge 2010, Rdnr. 273; a.A.: KGJ 51, A. 214 [Beschluss vom 19.12.1918]; OLG Mün­chen JFG 20, 373 [Beschluss vom 08.11.1939]; vgl. BayO­bLGZ 1995, 363; Dem­har­ter, Grund­buch­ord­nung, 28. Auf­la­ge 2012, § 13 GBO, Rdnr. 50; Hügel/​Reetz, Grund­buch­ord­nung, 2. Auf­la­ge 2010, § 13 GBO, Rdnr. 59; Soergel/​Damrau, Bür­ger­li­ches Gesetz­buch, 13. Auf­la­ge 2002, § 2205 BGB, Rdnr. 91[]