Grund­schuld­lö­schung und Grund­schuld­brief im Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­ren

Soll im Rah­men der Aus­füh­rung eines Flur­be­rei­ni­gungs­plans eine (Brief-)Grundschuld im Grund­buch gelöscht wer­den, so ist hier­für die Vor­la­ge des Grund­schuld­brie­fes erfor­der­lich.

Grund­schuld­lö­schung und Grund­schuld­brief im Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­ren

Nach § 41 Abs. 1 Satz 1, § 42 Satz 1 GBO ist der Grund­schuld­brief vor­zu­le­gen, wenn eine Ein­tra­gung bei einer Brief­grund­schuld erfol­gen soll. Ein­tra­gun­gen "bei einer Grund­schuld" sind sol­che Ein­tra­gun­gen, die in der Abtei­lung III des Grund­buchs unter der Num­mer erfol­gen, unter der die Grund­schuld ein­ge­tra­gen ist. Dabei spielt es kei­ne Rol­le, ob die Ein­tra­gung rechts­be­grün­dend oder rechts­be­zeu­gend ist, auf Bewil­li­gung, Unrich­tig­keits­nach­weis oder Zwangs­voll­stre­ckung beruht, auf Antrag, auf Ersu­chen oder von Amts wegen vor­zu­neh­men ist, end­gül­ti­gen oder vor­läu­fi­gen Cha­rak­ter hat, ob der Grund­schuld­gläu­bi­ger von der Ein­tra­gung betrof­fen oder begüns­tigt oder ob sie für ihn recht­lich neu­tral ist, und ob die Ein­tra­gung auf dem Brief ver­merkt wird oder nicht. Kei­ne Ein­tra­gun­gen im Sinn von § 41 Abs. 1 Satz 1, § 42 Satz 1 GBO sind dage­gen sol­che, die zwar mate­ri­ell auf die Grund­schuld ein­wir­ken, aber grund­buch­mä­ßig ihre Ein­tra­gung in Abtei­lung III nicht berüh­ren. Das­sel­be gilt für die Ver­laut­ba­rung von Tat­sa­chen wie die iden­ti­täts­wah­ren­de Namens­än­de­rung des Berech­tig­ten, die Rich­tig- und Klar­stel­lung unge­nau­er Ein­tra­gungs­ver­mer­ke, Umstel­lun­gen von Grund­pfand­rech­ten auf Euro seit dem 31.12.2001, Ver­mer­ke über das Bestehen oder Erlö­schen ande­rer Mit­haft­stel­len, die nur infol­ge von Umbu­chun­gen ange­bracht wer­den, die Ein­wei­sung eines ande­ren Rechts in einen bei der Hypo­thek oder Grund­schuld bereits ein­ge­tra­ge­nen vor­be­hal­te­nen Rang und die Umbu­chung des belas­te­ten Grund­be­sit­zes auf ein ande­res Grund­buch­blatt 1.

Das Ein­tra­gungs­er­su­chen der Flur­be­rei­ni­gungs­be­hör­de gemäß § 79 FlurbG ersetzt eine nach § 41 Abs. 1 Satz 1, § 42 Satz 1 GBO erfor­der­li­che Brief­vor­la­ge nicht. Auch im Grund­buch­be­rich­ti­gungs­ver­fah­ren auf­grund eines Ersu­chens gemäß § 79 FlurbG ist die Flur­be­rei­ni­gungs­be­hör­de zur Vor­la­ge von Hypo­the­ken- und Grund­schuld­brie­fen ver­pflich­tet, wenn Ein­tra­gun­gen bei den ver­brief­ten Rech­ten in Abtei­lung III des Grund­buchs not­wen­dig sind. Erfol­gen die berich­ti­gen­den Ein­tra­gun­gen dage­gen nur im Bestands­ver­zeich­nis des Grund­buchs, besteht kei­ne Pflicht zur Brief­vor­la­ge 2.

Zutref­fend nimmt das Beschwer­de­ge­richt auch an, dass es sich bei der für die Erle­di­gung des Löschungs­er­su­chens not­wen­di­gen Ein­tra­gung um eine Ein­tra­gung bei der Grund­schuld im Sin­ne von § 41 Abs. 1 Satz 1, § 42 Satz 1 GBO han­delt.

In dem Flur­be­rei­ni­gungs­ver­fah­ren tritt mit dem in der Anord­nung der Aus­füh­rung des unan­fecht­ba­ren Flur­be­rei­ni­gungs­plans durch die Flur­be­rei­ni­gungs­be­hör­de genann­ten Zeit­punkt der neue Rechts­zu­stand ent­spre­chend den Fest­le­gun­gen in dem Berei­ni­gungs­plan ein (§ 61 Satz 2 FlurbG). Die Rechts­än­de­run­gen voll­zie­hen sich außer­halb des Grund­buchs. Das Ersu­chen der Flur­be­rei­ni­gungs­be­hör­de um Ein­tra­gung der Rechts­än­de­run­gen in das Grund­buch (§ 79 FlurbG) dient somit der Grund­buch­be­rich­ti­gung. Zusam­men mit den sons­ti­gen Unter­la­gen (§ 80 FlurbG) ersetzt es den Ein­tra­gungs­an­trag (§ 13 Abs. 1 GBO), Ein­tra­gungs­be­wil­li­gun­gen (§ 19 GBO), even­tu­ell not­wen­di­ge Zustim­mun­gen Drit­ter und den Nach­weis der Unrich­tig­keit des Grund­buchs nach § 22 Abs. 1 GBO 3.

Ent­ge­gen der Ansicht der Betei­lig­ten zu 1 sind für die Löschung der Grund­schuld nicht ledig­lich Ver­än­de­run­gen im Bestands­ver­zeich­nis des Grund­buchs vor­zu­neh­men. Das Ein­tra­gungs­er­su­chen der Betei­lig­ten zu 1 ist auf die Löschung der in Abtei­lung III unter der lau­fen­den Num­mer 4 ein­ge­tra­ge­nen Brief­grund­schuld gerich­tet. Das belas­te­te Grund­stück bil­det damit nicht mehr den Belas­tungs­ge­gen­stand der Grund­schuld. Dies ist gemäß § 10 Abs. 7 und 8 GBV in den Spal­ten 8 – 10 der Abtei­lung III unter der Num­mer der ein­ge­tra­ge­nen Grund­schuld (sowie auf dem Grund­schuld­brief, § 62 Abs. 1, § 70 Abs. 1 GBO) zu ver­mer­ken. Soweit unter Bezug­nah­me auf Ent­schei­dun­gen des Land­ge­richts Mann­heim vom 22.10.2006 4 und des Land­ge­richts Mos­bach vom 20.01.2006 5 ver­tre­ten wird, der Grund­schuld­brief müs­se nicht vor­ge­legt wer­den, weil gemäß § 68 Abs. 1 Satz 1 FlurbG die Land­ab­fin­dung hin­sicht­lich der Rech­te an dem alten Grund­stück und der die­ses Grund­stück betref­fen­den Rechts­ver­hält­nis­se an die Stel­le des alten Grund­stücks tre­te, ver­kennt sie, dass es im vor­lie­gen­den Fall – anders als in dem der BGH-Ent­schei­dung vom 07.02.2013 6 zugrun­de­lie­gen­den Fall – nicht um eine nur im Bestands­ver­zeich­nis zu ver­zeich­nen­de Aus­wechs­lung des betrof­fe­nen Grund­stücks als Haf­tungs­ob­jekt geht. Die bis­he­ri­gen Eigen­tü­mer sind für das hier betrof­fe­ne Grund­stück nicht durch ein Ersatz­grund­stück abge­fun­den wor­den, an dem sich die Grund­schuld gemäß § 68 Abs. 1 Satz 1 FlurbG fort­ge­setzt hät­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 19. Juli 2013 – V ZB 159/​12

  1. BGH, Beschluss vom 07.02.2013 – V ZB 160/​12, FGPrax 2013, 98, 99 Rn. 7[]
  2. BGH, Beschluss vom 07.02.2013 – V ZB 160/​12, FGPrax 2013, 98, 99 f. Rn. 11 ff.[]
  3. BGH, Beschluss vom 07.02.2013 – V ZB 160/​12, FGPrax 2013, 98, 99 Rn. 9[]
  4. LG Mann­heim, Beschlus vom 22.10.2006 – 6 T 46/​06[]
  5. LG Mos­bach, Beschluss vom 20.01.2006 – 1 T 95/​05[]
  6. BGH, Beschluss vom 07.02.2013 – V ZB 160/​12, FGPrax 2013, 98 ff.[]