Gut­gläu­bi­ger Eigen­tums­er­werb eines Lea­sing­ge­bers

Ein gut­gläu­bi­ger Eigen­tums­er­werb nach § 929 Satz 1 in Ver­bin­dung mit § 932 Abs. 1 Satz 1 BGB oder nach § 930 in Ver­bin­dung mit § 933 Fall 2 BGB setzt einen voll­stän­di­gen Besitz­ver­lust des Ver­äu­ße­rers vor­aus. Der Ver­äu­ße­rer muss jede Ein­wir­kungs­mög­lich­keit auf die Sache rest­los auf­ge­ben 1.

Gut­gläu­bi­ger Eigen­tums­er­werb eines Lea­sing­ge­bers

Der Ver­äu­ße­rer behält aller­dings den Besitz an den auf einem frem­den Grund­stück ste­hen­den, an den Grund­stück­ei­gen­tü­mer ver­äu­ßer­ten Maschi­nen, wenn er auf Grund eines Miet- oder Leih­ver­trags Zugang zu dem Grund­stück hat 2.

Ein gut­gläu­bi­ger Eigen­tums­er­werb nach § 929 Satz 1 i.V.m. § 932 Abs. 1 Satz 1 BGB ist nicht mög­lich, wenn kei­ne Über­ga­be erfolgt. Die blo­ße Erklä­rung der Ver­trags­par­tei­en, dass man dem Erwer­ber den Besitz ein­räu­me, genügt nicht den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen für eine Über­ga­be 3. Das Gesetz kennt kei­ne sym­bo­li­sche Besitz­über­tra­gung; es bedarf der Begrün­dung eines wirk­li­chen, tat­säch­li­chen Herr­schafts­ver­hält­nis­ses über die Sache 4.

Auch ein red­li­cher Käu­fer erwirbt aller­dings nicht schon dann gut­gläu­big das Eigen­tum, wenn er mit dem unred­lich han­deln­den (frem­des Eigen­tum ver­un­treu­en­den) unmit­tel­ba­ren Besit­zer ein Besitz­mitt­lungs­ver­hält­nis nach § 868 BGB begrün­det und sich sodann mit dem Ver­äu­ße­rer über den Eigen­tums­über­gang einigt. Der Eigen­tums­er­werb nach § 929 Satz 1, § 932 Abs. 1 Satz 1 BGB setzt vor­aus, dass der Erwer­ber den mit­tel­ba­ren Besitz auf Grund einer Besitz­an­wei­sung des Ver­äu­ße­rers an den unmit­tel­ba­ren Besit­zer erlangt 5.

Die Bös­gläu­big­keit eines von dem Erwer­ber ein­ge­schal­te­ten Besitz­mitt­lers hin­dert einen Erwerb des Eigen­tums durch den gut­gläu­bi­gen Erwer­ber nicht. Die Vor­schrift über die Zurech­nung des Wis­sens des Ver­tre­ters auf den Ver­tre­te­nen in § 166 Abs. 1 BGB fin­det näm­lich nur auf die rechts­ge­schäft­li­che Eini­gung, aber nicht auf die Besitz­über­ga­be Anwen­dung, bei der es eine rechts­ge­schäft­li­che Ver­tre­tung nicht gibt. Für die Über­ga­be ist die Fra­ge, wes­sen guter Glau­be vor­han­den sein muss, ohne Bedeu­tung. § 166 Abs. 1 BGB ver­schiebt nicht die Regel der §§ 932 ff. BGB, dass der Erwer­ber gut­gläu­big gewe­sen sein muss 6.

Etwas ande­res ergibt sich in die­sem Fall auch nicht aus der von dem Beru­fungs­ge­richt zitier­ten Auf­fas­sung im Schrift­tum, die § 166 Abs. 1 BGB ana­log auch auf Besitz­mitt­ler und Besitz­die­ner anwen­den will, sofern die­sen eine eigen­ver­ant­wort­li­che Prü­fungs­kom­pe­tenz hin­sicht­lich der Eigen­tums­ver­hält­nis­se an der ent­ge­gen­zu­neh­men­den Sache ein­ge­räumt wor­den ist 7.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. Sep­tem­ber 2015 – V ZR 8/​15

  1. BGH, Urteil vom 05.05.1971 – VIII ZR 217/​69, BGHZ 56, 123, 129; Urteil vom 03.06.1996 – II ZR 166/​95, NJW 1996, 2654, 2655[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 10.01.1979 – VIII ZR 302/​77, NJW 1979, 714, 715 – zum Besitz an den in Räu­men befind­li­chen Gegen­stän­den[]
  3. BGH, Urteil vom 10.01.1979 – VIII ZR 302/​77, NJW 1979, 714, 175[]
  4. RGZ 77, 201, 208[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 10.11.2004 – VIII ZR 186/​03, BGHZ 161, 90, 111[]
  6. RGZ 137, 23, 27; Bamberger/​Roth/​Kindl, BGB, 3. Aufl., § 932 Rn. 13; Erman/​Bayer, BGB, 14. Aufl., § 932 Rn. 8; juris­PK-BGB/­Beck­mann, 7. Aufl., § 932 Rn.20; Münch­Komm-BGB/O­echs­ler, 6. Aufl.; § 932 Rn. 39; PWW/​Prütting, BGB, 10. Aufl., § 932 Rn. 11; Staudinger/​Wiegand, BGB [2005], § 932 Rn. 98[]
  7. Schil­ken, Wis­sen­zu­rech­nung im Zivil­recht, S. 258 f.; ders. in Stau­din­ger, BGB [2014], § 166 Rn. 9; Gurs­ky in Westermann/​Gursky/​Eickmann, Sachen­recht, 8. Aufl., § 46 Rn. 16; NK-BGB/­Mel­ler-Han­nich, 3. Aufl., § 932 Rn. 32[]