Her­aus­ga­be­an­trag – und sei­ne hin­rei­chen­de Bestimmt­heit

Ein Antrag auf Her­aus­ga­be von Gegen­stän­den ist hin­rei­chend bestimmt im Sin­ne von § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO, wenn er die­se Gegen­stän­de kon­kret bezeich­net.

Her­aus­ga­be­an­trag – und sei­ne hin­rei­chen­de Bestimmt­heit

Die Beschrei­bung muss einer­seits so genau sein, dass das Risi­ko eines Unter­lie­gens des Klä­gers nicht durch ver­meid­ba­re Unge­nau­ig­keit auf den Beklag­ten abge­wälzt wird und dass eine Zwangs­voll­stre­ckung aus dem Urteil ohne eine Fort­set­zung des Streits im Voll­stre­ckungs­ver­fah­ren erwar­tet wer­den kann 1. Ande­rer­seits führt nicht jede mög­li­che Unsi­cher­heit bei der Zwangs­voll­stre­ckung zur Unbe­stimmt­heit des Kla­ge­an­trags 2.

Wel­che Anfor­de­run­gen an die Kon­kre­ti­sie­rung des Streit­ge­gen­stands in einem Kla­ge­an­trag zu stel­len sind, hängt von den Beson­der­hei­ten des anzu­wen­den­den mate­ri­el­len Rechts und den Umstän­den des Ein­zel­falls ab. Die Anfor­de­run­gen an die Bestimmt­heit des Kla­ge­an­trags sind danach in Abwä­gung des zu schüt­zen­den Inter­es­ses des Beklag­ten, sich gegen die Kla­ge erschöp­fend ver­tei­di­gen zu kön­nen, sowie sei­nes Inter­es­ses an Rechts­klar­heit und Rechts­si­cher­heit hin­sicht­lich der Ent­schei­dungs­wir­kun­gen mit dem eben­falls schutz­wür­di­gen Inter­es­se des Klä­gers an einem wirk­sa­men Rechts­schutz fest­zu­le­gen 3.

Gemes­sen hier­an ist der Kla­ge­an­trag im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hin­rei­chend bestimmt. Zwar wer­den dar­in die her­aus­zu­ge­ben­den Bän­der nur in der Wei­se beschrie­ben, dass es sich um Ton­auf­nah­men han­de­le, auf denen die Stim­me des Klä­gers zu hören ist, und dass sie in den Jah­ren 2001 und 2002 von dem Beklag­ten auf­ge­nom­men wor­den sind. Ob die Stim­me des Klä­gers auf Ton­bän­dern im Besitz des Klä­gers zu hören ist, lässt sich fest­stel­len. Schwie­rig könn­te allen­falls die Abgren­zung von Ton­bän­dern sein, auf denen die Stim­me des Klä­gers zu hören ist, die aber aus einem ande­ren Zeit­raum stam­men. Die Ton­bän­der aus dem hier maß­geb­li­chen Zeit­raum sind aber nach den von der Revi­si­on nicht ange­grif­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts durch ent­spre­chen­de Beschrif­tun­gen hin­rei­chend iden­ti­fi­zier­bar. Der Klä­ger ist auch nicht in der Lage, die Bän­der kon­kre­ter zu bezeich­nen. Die unter die­sen Umstän­den ver­blei­ben­de gerin­ge Unsi­cher­heit ist im Inter­es­se eines wirk­sa­men Rechts­schut­zes hin­zu­neh­men.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 10. Juli 2015 – V ZR 206/​14

  1. BGH, Urteil vom 14.12 1998 – II ZR 330/​97, NJW 1999, 954 und Beschluss vom 19.05.2011- I ZB 57/​10, BGHZ 190, 1 Rn. 13 jeweils mwN[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 30.11.1989 – III ZR 112/​88, BGHZ 109, 260, 262 f.; und vom 28.11.2002 – I ZR 168/​00, BGHZ 153, 69, 76[]
  3. BGH, Urteil vom 28.11.2002 – I ZR 168/​00, BGHZ 153, 69, 75 f.[]