Hono­rar­ärz­te im Kran­ken­haus – und die Liqui­da­ti­on wahl­ärzt­li­cher Leis­tun­gen

Bom Kran­ken­haus­trä­ger nicht fest ange­stell­te Hono­rar­ärz­te, die im Kran­ken­haus Ope­ra­tio­nen durch­füh­ren, erbrin­gen ihre ope­ra­ti­ve Tätig­keit gegen­über (Privat)Patienten nicht als Wahl­leis­tung im Sin­ne des § 17 Abs. 1 Satz 1 des Kran­ken­haus­ent­gelt­ge­set­zes (KHEntgG) und kön­nen daher hier­über nicht geson­dert abrech­nen.

Hono­rar­ärz­te im Kran­ken­haus – und die Liqui­da­ti­on wahl­ärzt­li­cher Leis­tun­gen

Unter einem Hono­rar­arzt ist ein Fach­arzt zu ver­ste­hen, der im sta­tio­nä­ren und/​oder ambu­lan­ten Bereich des Kran­ken­hau­ses ärzt­li­che Leis­tun­gen für den Kran­ken­haus­trä­ger erbringt, ohne bei die­sem ange­stellt oder als Beleg­arzt oder Kon­si­liar­arzt tätig zu sein. Er wird zeit­lich befris­tet frei­be­ruf­lich auf Hono­rar­ba­sis tätig, wobei das Hono­rar mit dem Kran­ken­haus­trä­ger frei und unab­hän­gig von den Vor­ga­ben der Gebüh­ren­ord­nung für Ärz­te ver­ein­bart wird.

In dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hat­te der Beklag­te, ein nie­der­ge­las­se­ner Fach­arzt für Neu­ro­chir­ur­gie, die Ver­si­che­rungs­neh­me­rin des auf Hono­rar­rück­zah­lung kla­gen­den pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rungs­un­ter­neh­mens im Jah­re 2010 zunächst als Pati­en­tin behan­delt und sodann in einem Kran­ken­haus ope­riert, mit des­sen Trä­ger eine Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung über eine Tätig­keit als Hono­rar­arzt bestand. Die Ver­si­che­rungs­neh­me­rin unter­zeich­ne­te vor der Auf­nah­me im Kran­ken­haus eine von dem Arzt vor­ge­leg­te "Ver­ein­ba­rung über Behand­lung gegen Pri­vat­rech­nung" und erklär­te sich mit einer pri­va­ten Abrech­nung der ärzt­li­chen Leis­tun­gen durch den Hono­rar­arzt ein­ver­stan­den. Zudem schloss sie mit dem Kran­ken­haus­trä­ger eine Wahl­leis­tungs­ver­ein­ba­rung ab. Dar­in wur­de der Hono­rar­arzt aller­dings nicht auf­ge­führt. Die Kran­ken­ver­si­che­rung erstat­te­te den von ihrer Ver­si­che­rungs­neh­me­rin an den Hono­rar­arzt bezahl­ten Rech­nungs­be­trag und ließ sich etwai­ge Rück­for­de­rungs­an­sprü­che gegen den Arzt abtre­ten.

Das erst­in­stanz­lich hier­mit befass­te Amts­ge­richt Düs­sel­dorf hat den beklag­ten Hono­rar­arzt zur Hono­rar­rück­zah­lung ver­ur­teilt 1, dass Land­ge­richt Düs­sel­dorf die Beru­fung des Hono­rar­arz­tes zurück­ge­wie­sen 2. Auf die – vom Land­ge­richt Düs­sel­dorf im Beru­fungs­ur­teil zuge­las­se­ne – Revi­si­on des Hono­rar­arz­tes hat nun der Bun­des­ge­richts­hof die Düs­sel­dor­fer Urtei­le bestä­tigt und die Revi­si­on des Arz­tes gegen das land­ge­richt­li­che Urteil zurück­ge­wie­sen:

Die Ver­si­che­rungs­neh­me­rin schul­de­te weder aus der Wahl­leis­tungs­ver­ein­ba­rung noch aus der "Ver­ein­ba­rung über Behand­lung gegen Pri­vat­rech­nung" eine geson­der­te Ver­gü­tung für die erbrach­ten ärzt­li­chen Leis­tun­gen. Der Beklag­te ist des­halb gemäß § 812 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 BGB zur Rück­zah­lung des zu Unrecht erhal­te­nen Hono­rars ver­pflich­tet.

In der Wahl­leis­tungs­ver­ein­ba­rung ist er weder als Wahl­arzt noch als "gewünsch­ter" Stell­ver­tre­ter des Wahl­arz­tes auf­ge­führt. Nach § 17 Abs. 3 Satz 1 KHEntgG erstreckt sich eine Ver­ein­ba­rung über wahl­ärzt­li­che Leis­tun­gen zwar auf alle an der Behand­lung des Pati­en­ten betei­lig­ten ange­stell­ten oder beam­te­ten Ärz­te des Kran­ken­hau­ses, soweit die­se zur geson­der­ten Berech­nung ihrer Leis­tun­gen im Rah­men der voll­sta­tio­nä­ren und teil­sta­tio­nä­ren Behand­lung (§ 115a SGB V) berech­tigt sind, ein­schließ­lich der von die­sen Ärz­ten ver­an­lass­ten Leis­tun­gen von Ärz­ten und ärzt­lich gelei­te­ten Ein­rich­tun­gen außer­halb des Kran­ken­hau­ses (so genann­te Wahl­arzt- oder Liqui­da­ti­ons­ket­te). Hono­rar­ärz­te wie der Beklag­te sind jedoch weder Beam­te noch Ange­stell­te des Kran­ken­hau­ses. Der Beklag­te hat sei­ne ärzt­li­chen Leis­tun­gen auch nicht als exter­ner Wahl­arzt "auf Ver­an­las­sung" eines ange­stell­ten oder beam­te­ten Kran­ken­haus­arz­tes mit eige­ner Liqui­da­ti­ons­be­rech­ti­gung aus­ge­führt.

Die "Ver­ein­ba­rung über Behand­lung gegen Pri­vat­rech­nung" ist gemäß § 134 BGB (Ver­stoß gegen ein gesetz­li­ches Ver­bot) nich­tig. § 17 Abs. 3 Satz 1 KHEntgG legt den Kreis der liqui­da­ti­ons­be­rech­tig­ten Wahl­ärz­te abschlie­ßend fest. Es han­delt sich um eine dem Schutz des Pri­vat­pa­ti­en­ten die­nen­de zwin­gen­de preis­recht­li­che Norm. Hier­von kann auch nicht im Wege einer unmit­tel­bar zwi­schen dem behan­deln­den (nicht liqui­da­ti­ons­be­rech­tig­ten) Hono­rar­arzt und dem Pati­en­ten zustan­de gekom­me­nen indi­vi­du­el­len Ver­gü­tungs­ab­re­de abge­wi­chen wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 16. Okto­ber 2014 – III ZR 85/​14

  1. AG Düs­sel­dorf, Urteil vom 16.04.2012 – 39 C 11058/​11[]
  2. LG Düs­sel­dorf, Urteil vom 06.03.2014 – 21 S 186/​1[]