Huf­schmied glaubt an eine Ver­let­zung durch ein Pferd

Will eine Kran­ken­ver­si­che­rung die Kos­ten einer Arm­ver­let­zung erstat­tet bekom­men, so reicht es nicht aus, wenn sie ledig­lich die Ver­let­zung durch ein Tier behaup­tet. Dies gilt erst recht dann, wenn der Ver­letz­te sel­ber sich bei der Ver­ur­sa­chung durch das Tier nicht sicher ist.

Huf­schmied glaubt an eine Ver­let­zung durch ein Pferd

So das Ober­lan­des­ge­richt Bam­berg in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Huf­schmieds, der wäh­rend sei­ner Arbeit durch ein Pferd ver­letzt wort­den sein will. Die Kran­ken­ver­si­che­rung eines Huf­schmieds woll­te von einer Pfer­de­be­sit­ze­rin 4.600,00 EURO und alle wei­te­ren Kos­ten wegen einer behaup­te­ten Arm­ver­let­zung durch das Pferd der Beklag­ten. Der Huf­schmied hat­te im Okto­ber 2009 das Pferd der Beklag­ten beschla­gen. Die Beklag­te war die gan­ze Zeit dabei. Irgend­wel­che äuße­ren Anhalts­punk­te für eine Ver­let­zung des Huf­schmieds durch das Pferd gab es nicht. Der Huf­schmied und sei­ne Ver­si­che­rung behaup­te­ten, dass das Pferd plötz­lich sei­nen Huf weg­ge­zo­gen hät­te. So wäre es zu einem schmerz­haf­ten Teil­ab­riss der Arm­seh­ne gekom­men. Erst nach die­sem Ereig­nis wären die Schmer­zen immer schlim­mer gewor­den und hät­ten sich trotz einer län­ge­ren Arbeits­pau­se nicht gebes­sert.

Die Pfer­de­be­sit­ze­rin ver­tei­dig­te sich damit, dass es weder einen Tritt noch eine hef­ti­ge Bewe­gung gege­ben hät­te. Sie mein­te, wenn es wäh­rend der Arbeit an ihrem Pferd tat­säch­lich zu einer Ver­let­zung gekom­men wäre, hät­te sie die Schmer­zen bemer­ken müs­sen.

Das Land­ge­richt Coburg 1 wies die Kla­ge ab, da es erheb­li­che Zwei­fel hat­te, ob die Ver­let­zung des Huf­schmieds wirk­lich bei der Behand­lung des Pfer­des der Klä­ge­rin ent­stan­den ist. Der Huf­schmied gab vor Gericht an, dass er trotz der behaup­te­ten Ver­let­zung die Arbei­ten ohne Unter­bre­chung wei­ter­ge­führt habe. Zudem gab der Huf­schmied an, er sei sich „ziem­lich“ sicher, dass sei­ne Ver­let­zung durch das Pferd der Beklag­ten ver­ur­sacht wor­den sei. Aus die­ser spon­ta­nen Aus­sa­ge schloss das Gericht, dass der Huf­schmied sich selbst hin­sicht­lich der Ver­ur­sa­chung nicht abso­lut sicher war. Auch wei­te­re Anga­ben des Huf­schmieds zu Gesprä­chen mit der Pfer­de­hal­te­rin nach dem behaup­te­ten Vor­fall lie­ßen das Land­ge­richt an den Aus­sa­gen des Huf­schmieds zwei­feln und es wies des­halb die Kla­ge ab. Dar­auf hat die Kran­ken­ver­si­che­rung Beru­fung ein­ge­legt.

Nach einem Hin­weis des Ober­lan­des­ge­richts Bam­berg, dass die Beru­fung kei­ne Aus­sicht auf Erfolg hat, nahm sie jedoch dann die Beru­fung zurück. Das Ober­lan­des­ge­richt Bam­berg wies dar­auf hin, dass der Huf­schmied sich erst Wochen nach der behaup­te­ten Ver­let­zung in ärzt­li­che Behand­lung bege­ben hat­te. Irgend­wel­che objek­ti­ven Fest­stel­lun­gen, dass das Pferd der Beklag­ten den Huf­schmied ver­letzt hat­te, sah es nicht. Daher gab es kei­ne Mög­lich­keit für die kla­gen­de Ver­si­che­rung und den Huf­schmied noch nach­zu­wei­sen, dass die Ver­let­zung durch eben jenes Pferd ver­ur­sacht wor­den sei.

Ober­lan­des­ge­richt Bam­berg, Hin­weis vom 5. März 2012 – 5 U 153/​11

  1. LG Coburg, Urteil vom 11.07.2011 – 14 O 110/​11[]