Hund auf der Fahr­bahn

Ein Auto­fah­rer muss nicht damit rech­nen, dass ein ange­leint geführ­ter Hund sich unver­mit­telt los­reißt und auf die Fahr­bahn läuft. Zwar gehen bekannt­lich auch Hun­de mit­un­ter ger­ne ihre eige­nen Wege. Doch wer­den sie an der Lei­ne spa­zie­ren geführt, ist davon aus­zu­ge­hen, dass das Herr­chen die Rich­tung vor­gibt. Damit, dass der Hund sich los­reißt und plötz­lich auf die Stra­ße läuft, müs­sen Auto­fah­rer nicht rech­nen.

Hund auf der Fahr­bahn

Das ent­schied das Land­ge­richt Coburg und gab der Scha­dens­er­satz­kla­ge eines Auto­ei­gen­tü­mers gegen den Hun­de­hal­ter und die Hun­de(aus)führerin statt. Die bei­den (bzw. ihre Haft­pflicht­ver­si­che­run­gen) müs­sen damit für den Scha­den des Klä­gers von gut 5.000 € auf­kom­men, den der Irish Set­ter durch sein Erschei­nen auf der Stra­ße und den anschlie­ßen­den Unfall ver­ur­sach­te.

Die 13-jäh­ri­ge Beklag­te führ­te den Irish Set­ter eines Bekann­ten (des beklag­ten Hun­de­hal­ters) auf einem Rad­weg ent­lang der Bun­des­stra­ße aus, als der Vier­bei­ner offen­sicht­lich „Lei­ne los“ beschloss. Er riss sich unver­mit­telt los und lief auf die Fahr­bahn; die Beklag­te rann­te ihm – nur um das Wohl des Hun­des besorgt – hin­ter­her. Das führ­te zu einer Ket­ten­re­ak­ti­on. Denn Hund und Mädchen zwan­gen einen Auto­fah­rer zum plötz­li­chen Aus­wei­chen nach links. Dabei kol­li­dier­te er mit dem Pkw des Klä­gers, der sich gera­de im Über­hol­vor­gang befand. Ergeb­nis: Mensch und Tier unver­letzt, Blech­scha­den rund 5.000 €. Den woll­te der Klä­ger von den Beklag­ten ersetzt haben. Die – oder viel­mehr ihre Ver­si­che­run­gen – mein­ten aber, er sei selbst Schuld. Ange­sichts des Hun­des habe er nicht über­ho­len dür­fen.

Eine Rechts­mei­nung, der das Land­ge­richt Coburg eine kla­re Absa­ge erteil­te. Nach der Beweis­auf­nah­me stand fest, dass das ers­te Auto bei erlaub­ten 100 km/​h mit höchs­tens 70 km/​h unter­wegs war. Ange­sichts der Tat­sa­che, dass der Hund ord­nungs­ge­mäß an der Lei­ne auf einem sepa­ra­ten Rad­weg geführt wur­de, sei die Fah­re­rin des klä­ge­ri­schen Autos nicht gehin­dert gewe­sen, bis zur zuläs­si­gen Höchst­ge­schwin­dig­keit zu beschleu­ni­gen und zu über­ho­len. Und die Kol­li­si­on mit dem plötz­lich aus­wei­chen­den Fahr­zeug des Unfall­geg­ners – der im Übri­gen eben­falls alles rich­tig gemacht hat­te – konn­te sie nicht mehr ver­mei­den.

Land­ge­richt Coburg, Urteil vom 28. Sep­tem­ber 2007 – 22 O 283/​07 (rechts­kräf­tig)