Hund beißt Tier­arzt: Hal­ter­haf­tung?

Die Haf­tung eines Tier­hal­ters für einen vom Tier ver­ur­sach­ten Scha­den ist nicht aus­ge­schlos­sen, wenn das Tier sich in Obhut einer ande­ren Per­son befin­det, denn die Haf­tung des Tier­hal­ters besteht unab­hän­gig von der Mög­lich­keit sei­ner Ein­fluss­nah­me. Aller­dings kann die Haf­tung beschränkt wer­den, wenn der Geschä­dig­te durch inad­äqua­tes Ver­hal­ten zu dem Scha­den oder der Ver­let­zung selbst bei­getra­gen hat.

Hund beißt Tier­arzt: Hal­ter­haf­tung?

So die Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Cel­le in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Hun­de­hal­te­rin, die für eine von ihrem Hund ver­ur­sach­te Ver­let­zung, die die­ser in der Obhut eines Tier­arz­tes die­sem zuge­fügt hat, zur Scha­dens­er­satz­zah­lung her­an­ge­zo­gen wor­den ist. Die Hal­te­rin eines Schä­fer­hun­des hat das Tier in die Klein­tier­kli­nik des Klä­gers gebracht. Dort wur­de der Hund für die Behand­lung nar­ko­ti­siert. Beim Erwa­chen aus der Nar­ko­se biss das Tier den Tier­arzt in die rech­te Hand und ver­ur­sach­te schwe­re Ver­let­zun­gen. Für die­se Ver­let­zun­gen ver­lang­te der Tier­arzt Scha­dens­er­satz und Schmer­zens­geld im sechs­stel­li­gen Bereich, weil er durch die Hand­ver­let­zun­gen sei­ne tier­chir­ur­gi­sche Tätig­keit nicht mehr aus­üben kön­ne.

Die beklag­te Hun­de­hal­te­rin mein­te, für die Schä­den nicht ein­ste­hen zu müs­sen, weil sie kei­ne Mög­lich­keit gehabt hät­te, auf ihren Hund Ein­fluss zu neh­men. Die­se Mög­lich­keit hät­te allein der Klä­ger gehabt, der als Tier­arzt über eine beson­de­re Sach­kun­de ver­fügt und sich dem Risi­ko, von dem Hund ange­grif­fen zu wer­den, bewusst aus­ge­setzt habe.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Cel­le kön­ne allein der Umstand, dass man sein Tier zum Zweck der Behand­lung o.ä. in die Obhut einer ande­ren Per­son gebe, nicht dazu füh­ren, dass die Haf­tung des Hal­ters aus­ge­schlos­sen sei. Denn die Haf­tung des Tier­hal­ters bestehe unab­hän­gig von der Mög­lich­keit sei­ner Ein­fluss­nah­me. Aller­dings kön­ne die Haf­tung beschränkt wer­den, wenn der Geschä­dig­te durch inad­äqua­tes Ver­hal­ten zu der Ver­let­zung selbst bei­getra­gen habe.

Da Hun­de wäh­rend des Erwa­chens aus der Nar­ko­se mit­un­ter außer­ge­wöhn­lich und aggres­siv reagie­ren wür­den, hät­te der Tier­arzt im zu ent­schei­den­den Fall beson­de­re Vor­sicht beim Her­an­ge­hen an den Hund wal­ten las­sen müs­sen, was er jedoch nicht getan hat­te. Dem­entspre­chend konn­te er nur einen Teil der gel­tend gemach­ten Schä­den ersetzt ver­lan­gen.

Ober­lan­des­ge­richt Cel­le, Urteil vom 11. Juni 2012 – 20 U 38/​11