Im Super­markt aus­ge­rutscht

In der Gemü­se­ab­tei­lung eines Super­mark­tes haben Kun­den trotz regel­mä­ßi­ger Rei­ni­gung und Über­prü­fung in begrenz­tem Umfang auf die Beschaf­fen­heit des Fuß­bo­dens mit zu ach­ten.

Im Super­markt aus­ge­rutscht

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Han­no­ver in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Scha­dens­er­satz­kla­ge einer Super­markt­kun­din abge­wie­sen, die in der Gemü­se­ab­tei­lung aus­ge­rutscht ist und sich ver­letzt hat. Die Klä­ge­rin mach­te gel­tend, am 12.06.2014 gegen 17:30 Uhr als Kun­din in der Gemü­se­ab­tei­lung eines han­no­ver­schen Super­mark­tes gewe­sen zu sein. Sie habe sich auf dem Weg zur Kas­se befun­den, als sie auf einer feuch­ten Ver­un­rei­ni­gung auf dem Fuß­bo­den der Gemü­se­ab­tei­lung aus­ge­rutscht und hin­ge­fal­len sei. Durch den Sturz sei­en die Bril­le und die Hose der Klä­ge­rin zer­stört wor­den. Dane­ben habe die Klä­ge­rin eine Schä­del- und eine Knie­prel­lung erlit­ten. Infol­ge der Ver­let­zun­gen habe sie unter einer Schwin­del­sym­pto­ma­tik und Seh­stö­run­gen gelit­ten. Die Klä­ge­rin begehr­te ein Schmer­zens­geld von 1000 Euro, sowie Scha­dens­er­satz für Bril­le und Hose von 772 Euro und eine all­ge­mei­ne Kos­ten­pau­scha­le von 25 Euro. Die Beklag­te bestritt Unfall­her­gang und Unfall­fol­gen mit Nicht­wis­sen und berief sich dar­auf, dass die spä­te­re Unfall­stel­le ca. 15 Minu­ten vor dem ver­meint­li­chen Unfall kon­trol­liert wor­den sei und zu die­sem Zeit­punkt kei­ne Ver­un­rei­ni­gun­gen vor­ge­le­gen hät­ten. Die­se Kon­trol­len wür­den alle 15 – 30 Minu­ten durch­ge­führt wer­den.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Amts­ge­richt Han­no­ver aus­ge­führt, dass die Ver­let­zung einer Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht erfor­de­re, in öffent­li­chen Räu­men alles Mög­li­che und Zumut­ba­re zu unter­neh­men, um Gefah­ren von dort ver­keh­ren­den Per­so­nen abzu­wen­den. Eine Her­stel­lung völ­li­ger Sicher­heit ist indes nicht mög­lich und somit nicht geschul­det. Zudem ist auch die Eigen­ver­ant­wort­lich­keit des Ein­zel­nen zu berück­sich­ti­gen, die­sem obliegt die Pflicht, erkenn­ba­re Gefah­ren von sich selbst abzu­wen­den. Inso­weit darf man sich nicht "blind" auf die von ande­ren vor­ge­nom­me­nen Siche­rungs­maß­nah­men ver­las­sen.

Nach der Beweis­auf­nah­me steht zur Über­zeu­gung des Gerichts fest, dass der wird. Im kon­kre­ten Fall wird der Bereich der Gemü­se­the­ke auf Ver­lan­gen der Beklag­ten alle 15 – 30 Minu­ten durch Mit­ar­bei­ter des Mark­tes kon­trol­liert. Die letz­te Über­prü­fung lag 10 – 15 Minu­ten zurück. Da zwi­schen den ein­zel­nen Über­prü­fun­gen und Rei­ni­gun­gen nie ganz aus­zu­schlie­ßen ist, dass in einer Gemü­se­ab­tei­lung ein Gemü­se­blatt auf­grund des Kun­den­ver­kehrs her­un­ter­fällt, müs­sen Kun­den in begrenz­tem Umfang auf die Beschaf­fen­heit des Fuß­bo­dens mit ach­ten.

Das Amts­ge­richt Han­no­ver konn­te kei­ne Ver­let­zung der Ver­kehrs­si­che­rungs­pflicht durch die Beklag­te erken­nen.

Amts­ge­richt Han­no­ver, Urteil vom 12. Novem­ber 2015 – 453 C 4349/​15