Indi­zi­en­be­weis – und die Ableh­nung des Beweis­an­trags

Das Gericht ist bei Beweis­an­trä­gen im Rah­men eines Indi­zi­en­be­wei­ses frei­er gestellt als bei sons­ti­gen Beweis­an­trä­gen und darf und muss abschät­zen, ob die unter Beweis gestell­te Hilfs­tat­sa­che für den Nach­weis der Haupt­sa­che aus­reicht. Bei einem Indi­zi­en­be­weis darf und muss der Rich­ter vor der Beweis­erhe­bung prü­fen, ob der Indi­zi­en­be­weis schlüs­sig ist, ob also die Gesamt­heit aller vor­ge­tra­ge­nen Indi­zi­en – ihre Rich­tig­keit unter­stellt – ihn von der Wahr­heit der Haupt­sa­che über­zeu­gen wür­de 1.

Indi­zi­en­be­weis – und die Ableh­nung des Beweis­an­trags

Kann danach nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, dass die Gesamt­heit aller vor­ge­tra­ge­nen Indi­zi­en das Gericht vom Bestehen der Haupt­tat­sa­che über­zeu­gen wür­de, darf eine Beweis­auf­nah­me zu den Indi­z­tat­sa­chen nicht unter­blei­ben.

Auch "Zeu­gen vom Hören­sa­gen" müs­sen dazu ver­nom­men wer­den 2.

Es ist sodann eine Fra­ge der Beweis­wür­di­gung, ob das Gericht den Bekun­dun­gen der Zeu­gen Glau­ben schenkt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 11. Okto­ber 2016 – VI ZR 547/​14

  1. BGH, Urteil vom 17.02.1970 – III ZR 139/​67, BGHZ 53, 245, 260 f.[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 01.10.1985 – VI ZR 19/​84, NJW 1986, 1541, 1542[]