Infi­zie­rung des Vieh­be­stan­des durch gekauf­te Käl­ber

Kann ein Vieh­käu­fer nicht ein­deu­tig nach­wei­sen, dass die von ihm gekauf­ten Tie­re zum Zeit­punkt der Anlie­fe­rung erkrankt waren und es dadurch in sei­nem Vieh­be­stand zu Erkran­kun­gen gekom­men ist, haf­tet der Ver­käu­fer nicht.

Infi­zie­rung des Vieh­be­stan­des durch gekauf­te Käl­ber

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Bam­berg die Kla­ge eines Käl­ber­käu­fers gegen den Ver­käu­fer wegen Infek­ti­on sei­nes Vieh­be­stan­des durch angeb­lich erkrank­te Käl­ber abge­wie­sen. Der Klä­ger kauf­te vom Beklag­ten vier Käl­ber zum Preis von ins­ge­samt 500,00 Euro für sei­nen Bau­ern­hof. Bereits vier­zehn Tage vor der Anlie­fe­rung der Tie­re war im Vieh­be­stand des Klä­gers bei einem sei­ner Käl­ber eine Durch­fall­erkran­kung dia­gnos­ti­ziert wor­den.

Der Klä­ger behaup­tet, dass ihm kran­ke Tie­re ver­kauft wor­den sei­en. Alle vier vom Beklag­ten gelie­fer­ten Käl­ber sei­en krank gewe­sen und hät­ten durch einen Tier­arzt behan­delt wer­den müs­sen. Wegen der kran­ken Tie­re sei es in sei­nem Vieh­be­stand zu wei­te­ren Erkran­kun­gen gekom­men. Eines der gekauf­ten Tie­re und wei­te­re Tie­re sei­en des­halb ver­sen­det. Der Klä­ger behaup­tet, dass er wegen der auf­ge­tre­te­nen Erkran­kun­gen sei­ne Stäl­le haben rei­ni­gen und strei­chen las­sen müs­sen. Es sei­en min­des­tens sechs Käl­ber an der ein­ge­schlepp­ten Krank­heit ver­stor­ben und auch die tier­ärzt­li­che Behand­lung habe Kos­ten ver­ur­sacht. Daher woll­te der Klä­ger ins­ge­samt über 16.600,00 Euro. Der Beklag­te ver­tei­digt sich damit, dass die von ihm gelie­fer­ten Tie­re in eine ver­dreck­te und durch­näss­te Behelfs­un­ter­kunft ver­bracht wor­den sei­en. Die jun­gen Tie­re sei­nen im Win­ter für Krank­hei­ten beson­ders anfäl­lig. Die Erkran­kung sei bereits vier­zehn Tage vor der Anlie­fe­rung im Vieh­be­stand des Klä­gers vor­han­den gewe­sen. Nach­dem die Kla­ge vor dem Land­ge­richt Coburg 1 ohne Erfolg geblie­ben ist, hat der Käu­fer Beru­fung beim Ober­lan­des­ge­richt Bam­berg ein­ge­legt.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richt hat das Land­ge­richt die ein­zel­nen Bewei­se einer aus­führ­li­chen und nach­voll­zieh­ba­ren Wür­di­gung unter­zo­gen, so dass die Ent­schei­dung des Land­ge­richts nicht zu bean­stan­den ist: Die jeweils von Klä­ger und Beklag­ten ange­bo­te­nen Zeu­gen schil­der­ten den Gesund­heits­zu­stand der gelie­fer­ten Käl­ber völ­lig unter­schied­lich. Das Gericht ver­moch­te sich jedoch nicht den Zeu­gen des Käu­fers anzu­schlie­ßen. Wenn die Tie­re, die von Zeu­gen des Käu­fers geschil­der­ten star­ken Krank­heits­zei­chen unmit­tel­bar nach der Anlie­fe­rung gezeigt hät­ten, hät­te dies bereits beim Abla­den auf­fal­len müs­sen. Auch die Ein­ver­nah­me des Tier­arz­tes hin­sicht­lich des Gesund­heits­zu­stan­des der ver­kauf­ten Käl­ber war nicht ein­deu­tig. Es wur­de bei der Ein­ver­nah­me des Tier­arz­tes nicht ein­mal klar, ob die­ser wirk­lich die ver­kauf­ten vier Käl­ber unter­sucht hat­te oder ob dies nur vom Käu­fer so ange­ge­ben wor­den war. Der Klä­ger konn­te sei­ne Behaup­tung, dass die vom Beklag­ten gelie­fer­ten Käl­ber Erkran­kun­gen in sei­nem Vieh­be­stand ein­ge­schleppt hat­ten, nicht nach­wei­sen. Daher blieb sei­ne Kla­ge erfolg­los, die Beru­fung wur­de zurück­ge­wie­sen.

Ober­lan­des­ge­richt Bam­berg, Beschlüs­se vom 3. Febru­ar und 5. März 2012 – 6 U 41/​11

  1. LG Coburg, Urteil vom 21.11.2011 – 14 O 263/​11[]