Inkas­so­tä­tig­keit von Miet­wa­gen­un­ter­neh­men

Ein Miet­wa­gen­un­ter­neh­men kann regel­mä­ßig aus einem vom sei­nem Kun­den abge­tre­te­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch kei­nen Anspruch gegen den Schä­di­ger auf Bezah­lung von Miet­wa­gen­kos­ten gel­tend machen.

Inkas­so­tä­tig­keit von Miet­wa­gen­un­ter­neh­men

So ent­schied jetzt etwa das Amts­ge­richt Kehl in einem bei ihm anhän­gi­gen Rechts­streit, dass das kla­gen­de Miet­wa­gen­un­ter­neh­men nicht aktiv­le­gi­ti­miert ist, weil die Abtre­tung gemäß § 134 BGB wegen eines Ver­sto­ßes gegen §§ 1, 2, 3 und 5 RDG nich­tig ist [1]. Auch aus den Geset­zes­ma­te­ria­li­en erge­be sich kein ein­deu­ti­ger Wil­le des his­to­ri­schen Gesetz­ge­bers zur gene­rel­len Zuläs­sig­keit der Inkas­so­tä­tig­keit von Miet­wa­gen­un­ter­neh­men.

In dem ent­schie­de­nen Fall hat­te das Miet­wa­gen­un­ter­neh­men sich wegen der Zah­lung gar nicht erst ernst­haft an sei­nen Kun­den gewandt, son­dern sich direkt des­sen Scha­dens­er­satz­an­sprü­che abtre­ten las­sen.

Das Miet­wa­gen­un­ter­neh­men han­del­te hier­bai auch geschäfts­mä­ßig. Es ergibt sich näm­lich aus dem ver­wen­de­ten, von dem Miet­wa­gen­un­ter­neh­men vor­for­mu­lier­ten Abtre­tungs­for­mu­lar, dass die­ses regel­mä­ßig For­de­run­gen von Geschä­dig­ten gegen die Unfall­geg­ner abtre­ten lässt, um die­se in eige­nem Namen gel­tend zu machen. Es ist im Übri­gen auch gerichts­be­kannt, dass das Miet­wa­gen­un­ter­neh­men in ver­schie­de­nen Ein­zel­fäl­len, allein beim Amts­ge­richt Kehl in den letz­ten drei Jah­ren in gut 20 Fäl­len, Pro­zes­se gegen Haft­pflicht­ver­si­che­run­gen führt, um eine grund­sätz­li­che Klä­rung des Umfangs von Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen nach Ver­kehrs­un­fäl­len im Hin­blick auf die Höhe von Miet­wa­gen­kos­ten her­bei­zu­füh­ren.

Das Miet­wa­gen­un­ter­neh­men kann nach Ansicht des Amts­ge­richts Kehl auch nicht damit gehört wer­den, dass die Haft­pflicht­ver­si­che­rung des Unfall­ver­ur­sa­chers die Abtre­tung durch Bezah­lung eines Teil­be­tra­ges aner­kannt habe. Ein sol­ches Aner­kennt­nis lässt sich dem Schrei­ben der Ver­si­che­rung nicht ent­neh­men. Es ergibt sich auch nicht kon­klu­dent aus der Zah­lung. Zwar kann die Erbrin­gung einer Teil­zah­lung auf eine For­de­rung im Ein­zel­fall als bestä­ti­gen­des Schuld­an­er­kennt­nis der begli­che­nen For­de­rung zu wer­ten sein [2].

Indes gibt es kei­ne all­ge­mei­ne Ver­mu­tung für die Abga­be eines Aner­kennt­nis­ses. Die Wer­tung einer rechts­ge­schäft­li­chen oder rechts­ge­schäfts­ähn­li­chen Erklä­rung als Aner­kennt­nis setzt viel­mehr in der Regel eine Inter­es­sen­la­ge vor­aus, die zur Abga­be eines Aner­kennt­nis­ses Anlass gibt. Eine sol­che Inter­es­sen­la­ge kann nament­lich dar­in lie­gen, ein zwi­schen den Par­tei­en bestehen­des Schuld­ver­hält­nis einem Streit oder zumin­dest einer (sub­jek­ti­ven) Unge­wiss­heit über den Bestand des Rechts­ver­hält­nis­ses oder sei­ne Rechts­fol­gen ins­ge­samt oder in ein­zel­nen Bezie­hun­gen zu ent­zie­hen [3]. Umstän­de, auf­grund derer die Par­tei­en bereits im Zeit­punkt der Teil­zah­lung durch die Beklag­te zu 2 ein Inter­es­se dar­an hat­ten, die For­de­rungs­in­ha­ber­schaft der Klä­ge­rin zu klä­ren, sind indes nicht ersicht­lich.

Ins­ge­samt war daher die Kla­ge schon auf­grund der feh­len­den Aktiv­le­gi­ti­ma­ti­on des kla­gen­den Miet­wa­gen­un­ter­neh­mens abzu­wei­sen.

Amts­ge­richt Kehl, Urteil vom 29. Juli 2011 – 4 C 69/​11

  1. LG Stutt­gart, Urteil vom 13.04.2011 – 4 S 278/​10[]
  2. vgl. LG Saar­brü­cken, Scha­den-Pra­xis 2010, 446 ff; BGH NJW-RR 2007, 530[]
  3. LG Saar­brü­cken, a.a.O.[]