Insol­venz­an­fech­tung erfül­lungs­hal­ber abge­tre­te­ner For­de­run­gen

Erlangt der Gläu­bi­ger aus einer erfül­lungs­hal­ber abge­tre­te­nen For­de­rung Befrie­di­gung, han­delt es sich um eine inkon­gru­en­te Deckung, wenn die Abtre­tung ihrer­seits (hier: nach § 133 Abs. 1 InsO) anfecht­bar ist.

Insol­venz­an­fech­tung erfül­lungs­hal­ber abge­tre­te­ner For­de­run­gen

Der Insol­venz­an­fech­tung sind gemäß § 129 Abs. 1 InsO sol­che Rechts­hand­lun­gen unter­wor­fen, wel­che die Insol­venz­gläu­bi­ger objek­tiv benach­tei­li­gen. Eine Gläu­bi­ger­be­nach­tei­li­gung liegt vor, wenn die Rechts­hand­lung ent­we­der die Schul­den­mas­se ver­mehrt oder die Aktiv­mas­se ver­kürzt und dadurch den Zugriff auf das Ver­mö­gen des Schuld­ners ver­ei­telt, erschwert oder ver­zö­gert hat, sich somit die Befrie­di­gungs­mög­lich­kei­ten der Insol­venz­gläu­bi­ger ohne die Hand­lung bei wirt­schaft­li­cher Betrach­tungs­wei­se güns­ti­ger gestal­tet hät­ten 1.

Von hier nicht gege­be­nen Son­der­fäl­len abge­se­hen 2 fehlt es an einer Gläu­bi­ger­be­nach­tei­li­gung, wenn sich ein Gläu­bi­ger auf­grund eines insol­venz­fes­ten Abson­de­rungs­rechts befrie­digt 3 oder der Schuld­ner das Abson­de­rungs­recht durch Zah­lung ablöst 4. Dem liegt zugrun­de, dass Rechts­hand­lun­gen, die aus­schließ­lich schuld­ner­frem­des Ver­mö­gen betref­fen, sich nicht auf die Insol­venz­mas­se und damit die Befrie­di­gungs­mög­lich­kei­ten der Insol­venz­gläu­bi­ger aus­wir­ken 5. Als gesetz­li­ches Pfand­recht begrün­det auch das Ver­päch­ter­pfand­recht aus § 592 BGB ein Abson­de­rungs­recht (§ 50 Abs. 1 InsO).

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs bil­det eine inkon­gru­en­te Deckung in der Regel ein Beweis­an­zei­chen für den Benach­tei­li­gungs­vor­satz des Schuld­ners und für die Kennt­nis des Gläu­bi­gers von die­sem Vor­satz, wenn die Wir­kun­gen der Rechts­hand­lung zu einem Zeit­punkt ein­tre­ten, als zumin­dest aus der Sicht des Emp­fän­gers der Leis­tung Anlass bestand, an der Liqui­di­tät des Schuld­ners zu zwei­feln 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. Dezem­ber 2013 – IX ZR 127/​11

  1. BGH, Urteil vom 25.04.2013 – IX ZR 235/​12, WM 2013, 1044 Rn. 16 mwN; st.Rspr.[]
  2. vgl. HKIn­sO-/Kreft, 6. Aufl., § 129 Rn. 60[]
  3. BGH, Urteil vom 09.07.2009 – IX ZR 86/​08, WM 2009, 1750 Rn. 12[]
  4. BGH, Urteil vom 19.03.2009 – IX ZR 39/​08, WM 2009, 812 Rn. 13[]
  5. BGH, Urteil vom 19.03.2009, aaO[]
  6. BGH, Urteil vom 18.07.2013 – IX ZR 219/​11, WM 2013, 1565 Rn. 33 mwN[]