Insol­venz­an­fech­tung – und die Wis­sens­zu­rech­nung vom Finanz­amt

Das im maß­geb­li­chen Zeit­punkt vor­han­de­ne Wis­sen der Finanz­be­hör­de wird einer ande­ren Behör­de des­sel­ben Rechts­trä­gers auch dann zuge­rech­net, wenn die­se die Infor­ma­tio­nen erst im Lau­fe des Rechts­streits zum Zwe­cke der Auf­rech­nung ein­holt.

Insol­venz­an­fech­tung – und die Wis­sens­zu­rech­nung vom Finanz­amt

Die vom Bun­des­ge­richts­hof ange­nom­me­ne auf­ga­ben­be­zo­ge­ne Hand­lungs- und Infor­ma­ti­ons­ein­heit 1 ent­steht ab dem Zeit­punkt, ab dem eine Behör­de von der Mög­lich­keit der Wis­sens­be­schaf­fung bei ande­ren Behör­den des­sel­ben Rechts­trä­gers Gebrauch macht. In die­sem Fall hat sie sich das gesam­te rechts­er­heb­li­che Wis­sen der ein­be­zo­ge­nen Behör­den hin­sicht­lich des abge­wi­ckel­ten Vor­gangs zurech­nen zu las­sen, mit­hin auch das Wis­sen um den Gläu­bi­ger­be­nach­tei­li­gungs­vor­satz des Schuld­ners zum Zeit­punkt des § 140 InsO.

Ab dem Zeit­punkt der Wis­sens­be­schaf­fung ist auf das zuzu­rech­nen­de Gesamt­wis­sen der betei­lig­ten Behör­den abzu­stel­len 2.

Es genügt für die Wis­sens­zu­rech­nung, dass die Mög­lich­keit bestand, die Infor­ma­tio­nen im maß­geb­li­chen Zeit­punkt inner­halb der Orga­ni­sa­ti­on zusam­men­zu­füh­ren. Die Wis­sens­zu­rech­nung fin­det des­halb auch statt, wenn die zustän­di­ge Behör­de erst zu einem spä­te­ren Zeit­punkt – vor­lie­gend erst im Pro­zess über die ein­ge­klag­te Bau­for­de­rung – prüft, ob sie mit rück­stän­di­gen Steu­er­for­de­run­gen auf­rech­nen kann.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 26. Juni 2014 – IX ZR 200/​12

  1. BGH, Urteil vom 30.06.2011 – IX ZR 155/​08, BGHZ 190, 201[]
  2. BGH, aaO Rn. 22 f[]