Insol­venz­eröff­nung wäh­rend des Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­rens

Das Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren wird auch dann gemäß §§ 240, 249 ZPO durch die Insol­venz eines Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten unter­bro­chen, wenn zum Zeit­punkt der Insol­venz­eröff­nung die Kos­ten­grund­ent­schei­dung bereits rechts­kräf­tig ist 1.

Insol­venz­eröff­nung wäh­rend des Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­rens

Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits ent­schie­den, dass ein Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren für die Kos­ten der Vor­in­stan­zen auch dann unter­bro­chen ist, wenn die Unter­bre­chungs­wir­kung erst in einem spä­te­ren Rechts­zug ein­tritt und die Kos­ten­grund­ent­schei­dung somit nicht rechts­kräf­tig wird 2. Das Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren wird indes auch dann durch die Insol­venz eines Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten unter­bro­chen, wenn zum Zeit­punkt der Insol­venz­eröff­nung die Kos­ten­grund­ent­schei­dung bereits rechts­kräf­tig ist.

Denn durch die Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens geht das Recht des Schuld­ners, das zur Insol­venz­mas­se gehö­ren­de Ver­mö­gen zu ver­wal­ten und über es zu ver­fü­gen, auf den Insol­venz­ver­wal­ter über (§ 80 InsO). Dies hat zur Fol­ge, dass der Schuld­ner auch die Pro­zess­füh­rungs­be­fug­nis ver­liert, soweit die Insol­venz­mas­se betrof­fen ist 3, so dass ein Rechts­streit nicht ohne Betei­li­gung des Insol­venz­ver­wal­ters fort­ge­führt wer­den kann. Dies gilt auch für das Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren 4. Denn das Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren ist ein selb­stän­di­ges, an das Ver­fah­ren des ers­ten Rechts­zu­ges ange­glie­der­tes (§ 103 Abs. 2 ZPO) Ver­fah­ren 5.

Auch der Sinn und Zweck der §§ 240, 249 ZPO gebie­tet ent­ge­gen der von der Rechts­be­schwer­de ver­tre­te­nen Auf­fas­sung eine Unter­bre­chung des Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­rens 6. Mit der Unter­bre­chung soll den Betei­lig­ten des Ver­fah­rens und dem Insol­venz­ver­wal­ter die Mög­lich­keit gege­ben wer­den, sich auf die durch die Insol­venz einer Par­tei ein­ge­tre­te­ne Ver­än­de­rung der Sach­la­ge ein­zu­stel­len. Zwar ist der Kos­ten­er­stat­tungs­an­spruch bei Vor­lie­gen eines Titels – wie hier der Fall – bereits dem Grun­de nach gege­ben; die Höhe die­ses Anspruchs steht jedoch erst auf­grund des – gege­be­nen­falls strei­tig zu füh­ren­den – Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­rens fest. Es ist daher gebo­ten, auch inso­weit dem Ver­wal­ter Gele­gen­heit zu geben, sich hin­sicht­lich des Ver­fah­rens sach­kun­dig zu machen und die Auf­nah­me des Ver­fah­rens zu prü­fen 7.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. Mai 2012 – VIII ZB 79/​11

  1. Fort­füh­rung von BGH, Beschluss vom 29.06.2005 – XII ZB 195/​04, NZI 2006, 128[]
  2. BGH, Beschluss vom 29.06.2005 – XII ZB 195/​04, NZI 2006, 128 unter II 2[]
  3. BAGE 120, 27, 29; BAG, NJW 2009, 3529, 3530; Uhlen­bruck, Insol­venz­ord­nung, 13. Aufl., § 80 Rn. 9; vgl. RGZ 29, 29, 32 ff.[]
  4. BGH, Beschluss vom 29.06.2005 – XII ZB 195/​04, aaO; OLG Bran­den­burg, OLGR 2007, 424 f.; ZIn­sO 2011, 398 f.; KG, Fam­RZ 2008, 1203 f.; OLG Hamm, OLGR 2005, 95 f.[]
  5. BGH, Beschluss vom 06.12.2007 – I ZB 16/​07, NJW 2008, 2040 Rn. 6; Stein/​Jonas/​Bork, ZPO, 22. Aufl., § 103 Rn. 2[]
  6. BGH, Beschluss vom 29.06.2005 – XII ZB 195/​04, aaO[]
  7. BGH, Beschluss vom 29.06.2005 – XII ZB 195/​04, aaO; KG Ber­lin, aaO[]