Insol­venz­ver­wal­ter­haf­tung für nicht gekün­dig­te Dau­er­schuld­ver­hält­nis­se

Ver­säumt der Insol­venz­ver­wal­ter nach Ver­fah­rens­er­öff­nung die Kün­di­gung eines von dem Schuld­ner begrün­de­ten Dau­er­schuld­ver­hält­nis­ses, trifft ihn eine Scha­dens­er­satz­pflicht nur für sol­che Ver­bind­lich­kei­ten, die nach dem Zeit­punkt ent­ste­hen, zu dem bei einer frü­hest­mög­li­chen Kün­di­gungs­er­klä­rung der Ver­trag geen­det hät­te.

Insol­venz­ver­wal­ter­haf­tung für nicht gekün­dig­te Dau­er­schuld­ver­hält­nis­se

Die Rege­lung des § 61 InsO eröff­net zu Guns­ten von Ver­trags­gläu­bi­gern einen Scha­dens­er­satz­an­spruch gegen den Insol­venz­ver­wal­ter, der durch den Abschluss von Ver­trä­gen Ver­bind­lich­kei­ten ein­geht, obwohl die­se – wie er erken­nen kann – aus der Insol­venz­mas­se nicht voll erfüllt wer­den kön­nen. Die Ersatz­pflicht greift auch ein, wenn der Insol­venz­ver­wal­ter eine recht­lich zuläs­si­ge Kün­di­gung von Dau­er­schuld­ver­hält­nis­sen ver­säumt 1. In die­sem Fall kommt eine Ersatz­pflicht aber nur für die Ver­bind­lich­kei­ten in Betracht, die nach dem Zeit­punkt ent­ste­hen, zu dem bei einer frü­hest­mög­li­chen Kün­di­gungs­er­klä­rung der Ver­trag geen­det hät­te 2.

Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Streit­fall ist ledig­lich die im Zeit­raum der Ver­fah­rens­er­öff­nung am 20.01.2009 bis zum Wirk­sam­wer­den der Frei­ga­be­er­klä­rung am 20.02.2009 ent­stan­de­ne Miet­for­de­rung über 447,54 € als Mas­se­for­de­rung offen geblie­ben. Der Insol­venz­ver­wal­ter hät­te das Miet­ver­hält­nis nach Ver­fah­rens­er­öff­nung gemäß § 109 Abs. 1 Satz 1 InsO man­gels einer ander­wei­ti­gen miet­ver­trag­li­chen Abre­de nur mit einer Frist von drei Mona­ten zum Monats­en­de kün­di­gen kön­nen. Bei die­ser Sach­la­ge schei­det eine Ersatz­pflicht des Insol­venz­ver­wal­ters aus, weil die offe­ne For­de­rung der Ver­mie­te­rin auch bei sofor­ti­ger Aus­übung des Kün­di­gungs­rechts wegen der zu beach­ten­den Kün­di­gungs­frist nicht ver­meid­bar war.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 9. Febru­ar 2012 – IX ZR 75/​11

  1. HK-InsO/­Loh­mann, aaO, § 61 Rn. 3; Hmb­Komm-InsO/Weit­z­mann, aaO, § 61 Rn. 7[]
  2. HK-InsO/­Loh­mann, aaO, § 61 Rn. 8; Hmb­Komm-InsO/Weit­z­mann, aaO; Uhlenbruck/​Sinz, aaO, § 61 Rn. 6; vgl. auch BGH, Urteil vom 03.04.2003 – IX ZR 101/​02, BGHZ 154, 358, 364[]