Inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit bei delik­ti­schen Ansprü­chen

Im Rah­men der Prü­fung der inter­na­tio­na­len Zustän­dig­keit ent­spre­chend § 32 ZPO genügt es, dass der Klä­ger die nach dem inso­weit maß­geb­li­chen deut­schen Recht delik­ti­schen Ansprü­che schlüs­sig behaup­tet [1]. Ihr tat­säch­li­ches Vor­lie­gen wird erst im Zusam­men­hang mit der Begründ­etheit der klä­ge­ri­schen Ansprü­che geprüft.

Inter­na­tio­na­le Zustän­dig­keit bei delik­ti­schen Ansprü­chen

Von der Kla­ge­par­tei behaup­te­te dop­pel­re­le­van­te Tat­sa­chen wer­den im Rah­men der Zustän­dig­keits­prü­fung als gege­ben unter­stellt. Ob sie tat­säch­lich gege­ben sind, ist eine Fra­ge der Begründ­etheit (so genann­te dop­pel­re­le­van­te Tat­sa­chen [2]. Im Rah­men der Prü­fung der inter­na­tio­na­len Zustän­dig­keit ent­spre­chend § 32 ZPO genügt es, dass der Klä­ger die nach dem inso­weit maß­geb­li­chen deut­schen Recht delik­ti­schen Ansprü­che aus §§ 823, 826, 831 BGB schlüs­sig behaup­tet. Die ihnen zugrun­de lie­gen­den Tat­sa­chen sind näm­lich sowohl im Rah­men der Zuläs­sig­keit als auch für die Begründ­etheit der Kla­ge not­wen­di­ger­wei­se erheb­lich. Ihr tat­säch­li­ches Vor­lie­gen wird erst im Zusam­men­hang mit der Begründ­etheit der klä­ge­ri­schen Ansprü­che geprüft. Es müs­sen daher (nur) kon­kre­te Tat­sa­chen vor­ge­tra­gen wer­den, die – ihre Rich­tig­keit unter­stellt – bei zutref­fen­der recht­li­cher Wür­di­gung alle Tat­be­stands­merk­ma­le der Delikts­norm erfül­len [3].

Nach § 32 ZPO ist für Kla­gen aus uner­laub­ten Hand­lun­gen das Gericht zustän­dig, in des­sen Bezirk die Hand­lung began­gen wor­den ist. Bege­hungs­ort der delik­ti­schen Hand­lung kann sowohl der Hand­lungs- als auch der Erfolgs­ort sein, so dass eine Zustän­dig­keit wahl­wei­se dort gege­ben ist, wo die Ver­let­zungs­hand­lung began­gen oder dort, wo in ein geschütz­tes Rechts­gut ein­ge­grif­fen wor­den ist [4].

Ob das der Kla­ge zugrun­de geleg­te von den Klä­gern behaup­te­te Gesche­hen als uner­laub­te Hand­lung ein­zu­ord­nen ist, rich­tet sich nach dem am Gerichts­stand gel­ten­den Recht. Deut­sches Recht ist sowohl nach den Rege­lun­gen in Art. 40 ff. EGBGB [5] als auch nach dem zuvor gel­ten­den deut­schen Kol­li­si­ons­recht ana­log Art. 220 Abs. 1 EGBGB [6] anzu­wen­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 29. Juni 2010 – VI ZR 122/​09

  1. BGHZ 132, 105, 110; Hüß­te­ge in Thomas/​Put­zo, ZPO, 30. Aufl., § 32 Rn. 8; Zöller/​Vollkommer, ZPO, 28. Aufl. § 32 Rn. 19 m.w.N.[]
  2. BGH, Urteil vom 06.11.2007 – VI ZR 34/​07, VersR 2008, 1129, 1130; BGHZ 124, 237, 240 f.; 132, 105, 110[]
  3. BGHZ 124, 237, 241; RGZ 95, 268, 271; Ost, Dop­pel­re­le­van­te Tat­sa­chen im inter­na­tio­na­len Zivil­ver­fah­rens­recht, S. 23 f.[]
  4. vgl. BGHZ 132, 105, 110 f.[]
  5. in Kraft getre­ten zum 1. Juni 1999 durch Gesetz vom 21. Mai 1999, BGBl. I 1999 S. 1026[]
  6. BT-Drucks. 14/​343 S. 7[]