Jack-Rus­sel-Ter­ri­er vs. Wolfs­hund – Tier­hal­ter­haf­tung und Mit­ver­ur­sa­chung

Nach § 833 BGB ist der Hal­ter eines Tie­res dem Ver­letz­ten zum Scha­dens­er­satz ver­pflich­tet, wenn durch das Tier eine Sache beschä­digt wird. Dabei ist unter einer beschä­dig­ten Sache im Sin­ne des § 833 BGB auch gemäß § 90 a BGB ein ande­res Tier zu ver­ste­hen.

Jack-Rus­sel-Ter­ri­er vs. Wolfs­hund – Tier­hal­ter­haf­tung und Mit­ver­ur­sa­chung

Im hier vor­lie­gen­den Fall hat­te der Wolfs­hund des Beklag­ten den des­sen Grund­stück umgren­zen­den Zaun über­sprun­gen und sodann im Rah­men einer kör­per­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung den Jack-Rus­sel-Ter­ri­er des Klä­gers gebis­sen. Die Vor­aus­set­zung des Scha­dens­er­satz­an­spru­ches aus § 833 BGB sind damit gege­ben. Strei­tig war allei­ne eine Mit­haf­tung des Klä­gers aus der Tier­ge­fahr sei­nes Jack-Rus­sel-Ter­ri­ers bzw. inwie­weit bei Annah­me einer Mit­haf­tung des Klä­gers die Haf­tung des Beklag­ten zurück­tritt. Die Haf­tung des beklag­ten Wolfs­hund-Hal­ters für sei­nen Hund tritt aus Sicht des Amts­ge­richts Del­men­horst auf­grund der Mit­haf­tung des auf Scha­dens­er­satz kla­gen­den Jack-Rus­sel-Hal­ters ledig­lich zu 20 % zurück:

Bei einem Scha­dens­er­eig­nis an dem zwei Hun­de betei­ligt sind, ist bei einem Anspruch aus § 833 BGB die mit­wir­ken­de Tier­ge­fahr des jeweils ande­ren Hun­des gemäß § 254 ana­log zu berück­sich­ti­gen 1. Eine mit­wir­ken­de Tier­ge­fahr ist selbst dann zu berück­sich­ti­gen, wenn sich der ver­letz­te Hund bei dem Scha­dens­er­eig­nis ledig­lich pas­siv ver­hal­ten hat. In einem ent­spre­chen­den Fall wäre ledig­lich die­je­ni­ge Gefahr aus §§ 833, 254 Abs.1 BGB in Anschlag zu brin­gen, die von einem Hund ori­gi­när aus­geht. Auf­grund der Tat­sa­che, dass es sich um Tie­re han­delt, die ange­bo­re­nen Instink­ten und Revier­ver­hal­ten nach­ge­hen, ist aus Sicht des Amts­ge­richts grund­sätz­lich zunächst von einer Mit­haf­tung bei­der Hun­de von 50 % aus­zu­ge­hen, sofern nicht Anhalts­punk­te dafür vor­lie­gen, dass der Scha­den von einem der bei­den Hun­de vor­nehm­lich oder allei­nig ver­ur­sacht wor­den ist. Fer­ner ist im Rah­men der zu berück­sich­ti­gen­den Tier­ge­fah­ren auch die Grö­ße und Kon­sti­tu­ti­on der jewei­li­gen Hun­de von Ent­schei­dung. Ins­be­son­de­re von grö­ße­ren Hun­den geht allein auf­grund deren Grö­ße regel­mä­ßig die beson­de­re Gefahr aus, dass die­se im Fal­le einer Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen zwei Hun­den dem jeweils ande­ren Hund erheb­li­che kör­per­li­che Nach­tei­le zufü­gen kön­nen.

Vor­lie­gend geht das Amts­ge­richt auf­grund der Aus­sa­gen der Zeu­gen … davon aus, dass der Hund des Klä­gers zum Zeit­punkt des streit­ge­gen­ständ­li­chen Vor­falls nicht ange­leint war.

Der Zeu­ge … hat zur Über­zeu­gung des Amts­ge­richts geschil­dert, dass er defi­ni­tiv aus­schlie­ßen kön­ne, dass der klä­ge­ri­sche Hund ange­leint war. Der Hund des Klä­gers sei ihm beson­ders auf­ge­fal­len, da er sich noch am Tat­tag gewun­dert habe, war­um ein so klei­ner Hund unan­ge­leint und ohne Bezugs­per­son allei­ne in der Stadt her­um­lau­fe. Ent­spre­chend wird sei­ne Aus­sa­ge auch von der Zeu­gin … gestützt. Die­se bekun­de­te eben­falls, dass der klä­ge­ri­sche Hund zum Zeit­punkt des streit­ge­gen­ständ­li­chen Vor­falls nicht ange­leint war. Dar­über hin­aus erschei­nen bei­de Aus­sa­gen dem Amts­ge­richt in sich schlüs­sig und ohne Wider­sprü­che zu sein. Ins­be­son­de­re schenkt das Amts­ge­richt den Schil­de­run­gen des unbe­tei­lig­ten Zeu­gen … Glau­ben, der sich noch detail­liert an das Rand- sowie das Kern­ge­sche­hen erin­nern konn­te, ohne dass er bei sei­nen Aus­füh­run­gen zu Über­trei­bun­gen neig­te oder eine beson­de­re Belas­tungs­ten­denz zum Nach­teil einer der Par­tei­en erken­nen ließ. Inso­weit konn­te die Über­zeu­gung des Amts­ge­richts auch nicht durch die Aus­sa­ge der Zeu­gin … , wel­che behaup­te­te, dass der klä­ge­ri­sche Hund zum Zeit­punkt des Tat­ge­sche­hens ange­leint war, erschüt­tert wer­den.

Die Fest­stel­lung, dass der Hund des Klä­gers nicht ange­leint war, ist auch für die Bemes­sung der eige­nen Mit­haf­tungs­quo­te zu berück­sich­ti­gen, wobei das Amts­ge­richt ent­spre­chend zu berück­sich­ti­gen hat­te, dass auch der Wolfs­hund des Beklag­ten nach Über­win­dung des Grund­stücks­zau­nes eben­falls ohne Lei­ne oder sons­ti­ge Ein­schrän­kung sich im öffent­li­chen Ver­kehrs­raum auf­hielt.

Dass vor Über­win­dung des Zau­nes durch den Wolfs­hund des Beklag­ten der Hund des Klä­gers den Wolfs­hund durch den Zaun in den lin­ken Fuß gebis­sen hat­te, und inso­weit der ers­te Angriff von dem Hund des Klä­gers aus­ging, was im Rah­men des Mit­ver­schul­dens erheb­lich zu berück­sich­ti­gen wäre, konn­te zur Über­zeu­gung des Amts­ge­richts nicht fest­ge­stellt wer­den. Zur Über­zeu­gung des Amts­ge­richts konn­te dem­ge­gen­über ledig­lich fest­ge­stellt wer­den, dass der klä­ge­ri­sche Hund sei­nen Kopf durch den Gar­ten­zaun des Beklag­ten steck­te und den Hund des Beklag­ten beschnup­per­te, wor­auf­hin die­ser zu jau­len anfing.

Der Zeu­ge … hat inso­weit zur Über­zeu­gung des Amts­ge­richts bekun­det, dass der klä­ge­ri­sche Hund sei­nen Kopf durch den das Grund­stück des Beklag­ten begren­zen­den Zaun gesteckt habe und sich die Hun­de anschlie­ßend beschnüf­felt hät­ten. Dar­auf­hin sei es dann plötz­lich zu einem Gejau­le gekom­men, wobei der Zeu­ge jedoch nicht habe sagen kön­nen, wel­cher der bei­den Hun­de auf­ge­jault habe. Anschlie­ßend sei sodann der Wolfs­hund des Beklag­ten über den Zaun gesprun­gen und habe den klei­nen Hund des Klä­gers "gepackt" und gebis­sen. Die­se Aus­sa­ge wird im Wesent­li­chen eben­falls durch die Zeu­gin … gestützt, die zur Über­zeu­gung des Amts­ge­richts bekun­det hat, dass der Hund des Klä­gers sei­nen Kopf durch den Gar­ten­zaun gesteckt habe, als sich der Hund des Beklag­ten eben­falls im vor­de­ren Grund­stücks­be­reich befun­den habe. Sie habe dann gehört, wie der Hund des Beklag­ten auf­ge­jault habe, wobei sie nicht habe sehen kön­nen, ob hier­bei es zu der Ver­let­zung des Hun­des des Beklag­ten an dem Vor­der­fuß gekom­men war. Sie habe erst spä­ter die Ver­let­zung des Wolfs­hun­des fest­ge­stellt. Soweit die Zeu­gin … bekun­det hat, dass ihr Hund sei­nen Kopf nicht durch den Gar­ten­zaun des Beklag­ten gesteckt habe, so wird die­se Aus­sa­ge durch die oben ange­führ­ten Aus­sa­gen zur Über­zeu­gung des Amts­ge­richts wider­legt.

Ins­be­son­de­re auf­grund der sach­li­chen Aus­sa­ge des Zeu­gen … , wel­cher sich noch detail­liert an das Kern- und Rand­ge­sche­hen erin­nern konn­te und des­sen Aus­sa­ge auch durch die Bekun­dun­gen der Zeu­gin … gestützt wur­de, ohne dass für das Amts­ge­richt ersicht­lich Hin­wei­se dar­auf erkenn­bar gewe­sen wären, dass bei­de Zeu­gen eine abge­spro­che­ne oder erfun­de­ne Aus­sa­ge abrie­fen, geht das Amts­ge­richt davon aus, dass der Hund des Klä­gers tat­säch­lich sei­nen Kopf durch den Gar­ten­zaun des Beklag­ten steck­te und es inso­weit zu einem Erst­kon­takt der Hun­de der Par­tei­en kam. Die Tat­sa­che, dass der klä­ge­ri­sche Hund den Hund des Beklag­ten jedoch gebis­sen hat, konn­te auf­grund der Zeu­gen­aus­sa­gen nicht fest­ge­stellt wer­den. Der Zeu­ge … hat inso­weit nur von dem Auf­jau­len eines Hun­des gespro­chen, ohne dass er einen Hund näher habe bestim­men kön­nen. Soweit die Zeu­gin … bekun­det hat, dass der Hund des Beklag­ten auf­ge­jault habe, so ist die­se Bekun­dung allein aus Sicht des Amts­ge­richts nicht aus­rei­chend, um zu bele­gen, dass tat­säch­lich ein Bei­ßen des klä­ge­ri­schen Hun­des statt­ge­fun­den hat. Ins­be­son­de­re ist nicht aus­zu­schlie­ßen, dass sich der Hund des Beklag­ten die am Fuß erlit­te­nen Ver­let­zun­gen im Rah­men der wei­te­ren Aus­ein­an­der­set­zung mit dem klä­ge­ri­schen Hund zuge­zo­gen hat.

Inso­weit war aus Sicht des Amts­ge­richts im Rah­men der Mit­haf­tungs­ver­an­schla­gung zunächst ledig­lich die­je­ni­ge Gefahr aus §§ 833, 254 Abs.1 BGB in Anschlag zu brin­gen, die von einem Hund ori­gi­när aus­geht, also eine Mit­haf­tung von 50 %. Auf­grund der Tat­sa­che, dass bei­de Hun­de im Rah­men der Aus­ein­an­der­set­zung nicht ange­leint waren, konn­te inso­weit kei­ne erhöh­te Mit­haf­tung einer Par­tei ange­nom­men wer­den. Wohin­ge­gen zu berück­sich­ti­gen war, dass von dem Hund des Beklag­ten auf­grund des­sen Grö­ße und Beschaf­fen­heit die beson­de­re Gefahr aus­geht, dass die­ser im Fal­le einer Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen zwei Hun­den dem jeweils ande­ren Hund erheb­li­che kör­per­li­che Nach­tei­le zufü­gen kann. Auf­grund der beson­de­ren Grö­ße eines Wolfs­hun­des ist die­ser im Fal­le einer Aus­ein­an­der­set­zung ohne wei­te­res im Stan­de, ins­be­son­de­re klei­ne­ren Hun­den, erheb­li­che bis hin zu töd­li­chen Ver­let­zun­gen zuzu­fü­gen. Hier­bei hat das Amts­ge­richt nicht ver­kannt, dass es sich grund­sätz­lich bei Wolfs­hun­den um rela­tiv gut­mü­ti­ge Hun­de han­deln soll.

Unter Berück­sich­ti­gung die­ser Umstän­de war nach Auf­fas­sung des Amts­ge­richts eine Mit­haf­tung des Klä­gers aus §§ 833, 254 Abs. 1 BGB in einem Umfang von 20 % anzu­neh­men. Dar­über hin­aus trat eine Mit­haf­tung hin­ter der Haf­tung des Beklag­ten zurück.

Die Kla­ge ist auch der Höhe nach ent­spre­chend des Umfangs des Tenors gerecht­fer­tigt, denn der Beklag­te schul­det gem. § 249 BGB dem Klä­ger die Erstat­tung der Tier­arzt­kos­ten, da die­se zur Wie­der­her­stel­lung des ver­letz­ten Tie­res erfor­der­lich waren.

Amts­ge­richt Del­men­horst, Urteil vom 3. Juli 2014 – 41 C 1446/​1341 C 1446/​13 (IV)

  1. vgl. OLG Mün­chen, Urteil vom 11.04.2011, Rn. 8 in juris[]