Kauf­ver­trag oder Werk­lie­fe­rungs­ver­trag?

Mit der Abgren­zung von Kauf­ver­trag und Werk­lie­fe­rungs­ver­trag hat­te sich aktu­ell der Bun­des­ge­richts­hof zu befas­sen. Anlass hier­für bot dem Bun­des­ge­richts­hof die (man­gel­haf­te) Lie­fe­rung von Alu­mi­ni­um-Pro­fil­leis­ten in einem bestimm­ten Farb­ton durch einen Fach­groß­händ­ler für Bau­be­darf, was nicht als Werk­lie­fe­rungs­ver­trag (§ 651 BGB), son­dern als Kauf­ver­trag (§ 433 BGB) ein­ge­stuft wur­de:

Kauf­ver­trag oder Werk­lie­fe­rungs­ver­trag?

Ver­trags­ge­gen­stand, die Lie­fe­rung einer bestimm­ten Men­ge von Alu­mi­ni­um-Pro­fil­leis­ten im Farb­ton RAL 9007, ist eine Stan­dard­ware, die von der Fach­groß­händ­le­rin für den Bau­be­darf lis­ten­mä­ßig ange­bo­ten wird. Die Fra­ge, ob die Ware von der Groß­händ­le­rin vor­rä­tig gehal­ten wur­de oder – von wem auch immer – erst noch her­zu­stel­len war, ist nicht Gegen­stand der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung gewor­den. Ein sol­cher Ver­trag, dem – eben­so wie im Ver­sand­han­del – eine Bestel­lung aus einem Waren­ka­ta­log des Anbie­ters zugrun­de liegt, ist aus der maß­geb­li­chen Sicht des Bestel­lers ein Kauf­ver­trag und kein Werk­lie­fe­rungs­ver­trag.

Ein Kauf­ver­trag liegt hier vor, weil die Ver­käu­fe­rin als Fach­groß­händ­le­rin für den Bau­be­darf ein brei­tes Spek­trum von Bau­ma­te­ria­li­en – von Bau­be­schlä­gen und Bau­ele­men­ten über Werk­zeu­ge und Maschi­nen bis hin zu Holz, Glas, Far­ben, Tape­ten und Tep­pich­bö­den – anbie­tet, die vom Fach­han­del typi­scher­wei­se nicht selbst her­ge­stellt wer­den. Die Ver­käu­fe­rin tritt – aus der maß­geb­li­chen Sicht des Kun­den – erkenn­bar als Zwi­schen­händ­le­rin und nicht als Her­stel­le­rin der in ihren Preis­lis­ten ange­bo­te­nen Stan­dard­pro­duk­te auf. Das hat auch der Käu­fer bei der Bestel­lung so gese­hen. Er hat in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Land­ge­richt erklärt, ihm sei klar gewe­sen, dass er mit der Ver­käu­fe­rin einen Fach­han­del beauf­tragt gehabt habe. Er habe die für die Außen­scha­len benö­tig­ten Pro­fi­le aus Preis­lis­ten der Ver­käu­fe­rin her­aus­su­chen las­sen, in denen die Pro­fi­le in einem bestimm­ten Farb­ton auf­ge­lis­tet gewe­sen sei­en. Ihm sei damals nicht klar gewe­sen, wer die Beschich­tung erstel­le; dar­auf habe er kei­nen Ein­fluss gehabt.

Bei die­ser Sach­la­ge ist eine Ver­trags­aus­le­gung, die Fach­groß­händ­le­rin selbst sei zur Her­stel­lung ver­pflich­tet gewe­sen, rechts­feh­ler­haft (§ 286 ZPO) und kein Raum für die dar­auf gestütz­te Annah­me, es lie­ge ein Werk­lie­fe­rungs­ver­trag vor. Viel­mehr han­delt es sich um einen rei­nen Kauf­ver­trag, der nur eine Lie­fer- und kei­ne Her­stel­lungs­pflicht der Groß­händ­le­rin zum Gegen­stand hat. Eben­so wenig wie sich die Händ­le­rin dazu ver­pflich­tet hat­te, die (rohen) Alu­mi­ni­um­pro­fi­le her­zu­stel­len, war sie zur Her­stel­lung der Beschich­tung ver­pflich­tet. Ihre Ver­pflich­tung beschränk­te sich auf die Lie­fe­rung von Pro­fil­leis­ten im Stan­dard­farb­ton RAL 9007, unab­hän­gig davon, ob die­se bereits her­ge­stellt wor­den waren und vor­rä­tig gehal­ten wur­den oder ob sie erst noch – von wem auch immer – her­ge­stellt wer­den muss­ten. Ob und von wem die far­bi­gen Pro­fil­leis­ten bereits her­ge­stellt oder erst noch her­zu­stel­len waren, war für den Kun­den nicht ersicht­lich und auch dem Bestel­ler nicht bekannt. Eine Her­stel­lung der beschich­te­ten Alu­mi­ni­um-Pro­fi­le durch die Fach­groß­händ­le­rin ist daher nicht Gegen­stand der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung gewor­den. Eine der­ar­ti­ge Ver­pflich­tung kann des­halb nicht zur recht­li­chen Ein­ord­nung des Ver­tra­ges her­an­ge­zo­gen wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 2. April 2014 – VIII ZR 46/​13